06.12.2019 - 15:04

Größer = besser? XL- Eier sind eine Qual für Hühner

Foto: imago images / Rüdiger Wölk

Manche Vorgehensweisen in der Lebensmittelindustrie sind wohl so abstrus, dass sich der Verbraucher von selbst gar nicht ausmalen würde, was man alles mit dem Produkt "Tier" anstellen kann, um die "Produktion" zu steigern. Wir haben für Sie Informationen zu XL-Eiern zusammengestellt, die sie vielleicht noch nicht wussten – und erklären, weshalb Sie auf den Kauf besser verzichten sollten.

Egal, ob die Eier im Supermarkt oder auf Märkten angeboten werden, es gibt sie in unterschiedlichen Größen. Der Kunde hat die Wahl zwischen den kleinen S-Eiern bis hin zu den übergroßen XL-Eiern. Was vielleicht viele Kunden nicht wissen – durch ihren Griff zu den XL-Eiern müssen die Legehennen noch mehr leiden, als sie es sowieso schon tun.

XL-Eier: Eine Qual für die Legehennen

Die XL-Eier können bis zu 6 Prozent des Körpergewichts einer Henne ausmachen. Vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern wird wahrscheinlich nicht bewusst sein, dass die Produktion dieser Rieseneier für die Tiere eine Extra-Belastung bedeutet. Damit die Hühner derart große Eier legen, werden die Tiere über Wochen im Dunkeln gehalten und bekommen nur das Notwendigste an Nahrung. Der eigens erzeugte Stress führt bei den Hennen dazu, dass sie in einen körperlichen Notfallmodus schalten, der die Produktion der XL-Eier erst ermöglicht.

Allgemein lässt sich sagen, je jünger das Huhn, desto kleiner das Ei. Laut dem Tierschutzverein "Rettet das Huhn e. V." produzieren die Tiere im Laufe der Zeit fast täglich ein Ei der Größe L – was ein Gewicht von circa 70 Gramm hat. Normalerweise sind Legehennen circa ein Jahr im Einsatz, bevor sie geschlachtet werden. Die Hennen, die XL-Eier produzieren sollen, haben jedoch nicht so viel Glück. Statt des erlösenden Todes wartet eine Zwangsmauser auf sie.

XL-Eier: Zwangsmauser für die Legehennen

Auf dem natürlichen Weg kommen die Tiere nach 15-18 Monaten in die Mauser. Dabei verlieren sie nach und nach ihre Federn und das komplette Federkleid erneuert sich. In dieser Zeit sind die Hennen besonders schwach und stressanfällig. Da sie für die Eierproduktion keine natürlichen Haltungsbedingungen vorfinden, kann es zu Unruhen unter den Hennen kommen, wenn nicht alle Tiere gleichzeitig in der Mauser sind. Um diese Problematik zu vermeiden, werden die Hühner bereits vor der ersten natürlichen Mauser in die Zwangsmauser gebracht. Zudem verfügen die Tiere erst nach der Mauser über die Fähigkeit, noch größere Eier zu produzieren – die XL-Eier mit bis zu 85 Gramm Gewicht.

Um die Zwangsmauser einzuleiten, bekommen die Hennen nur noch vier Stunden Licht am Tag und auch nur in dieser Zeitspanne ihre Nahrung aus Hafer und Kalk. Wenn der Notfallmodus, der zu Verlust des Federkleides und zur Einstellung der Eierproduktion führt, durch den extra herbeigeführten Stress erreicht wurde, bekommen die Tiere wieder mehr Tageslicht und Futter. Das Federkleid erholt sich und auch das Eierlegen funktioniert wieder. Für viele Hennen endet diese Tortur aber tödlich. Sollten sie diese doch überstehen, sind sie dann in der Lage, die XL-Eier noch für ein halbes Jahr zu produzieren, bevor sie entweder vor Erschöpfung sterben oder geschlachtet werden.

Edeka-Markt in NRW nimmt XL-Eier aus dem Sortiment

Ellen Maria Ernst, Vorstandsmitglied von "Rettet das Huhn e. V.", erklärt: "Hennen können die Eier in Übergröße nur nach der Mauser produzieren. Da durch die unnatürlichen Haltungsbedingungen in der Massentierhaltung bei ihnen nur teilweise und vor allem nicht gleichzeitig eine natürliche Mauser einsetzt, gehen die meisten Betriebe so vor". Außerdem fügt Ernst hinzu: "Da die Nachfrage nach den XL-Eiern immer mehr steigt, gehen sogar immer mehr kleine Betriebe zur Zwangsmauser über. Trotzdem gibt es Betriebe, die auf die natürliche Mauser warten – oder eben gar nicht erst XL-Eier produzieren". Der Verbraucher kann leider nicht erkennen, ob die XL-Eier auf natürliche Weise oder mit einer extra Portion Qual entstanden sind.

Auf Nummer sicher geht der Verbraucher damit, die übergroßen Eier gar nicht erst zu kaufen. "Rettet das Huhn e. V." hat mit ihrer Kampagne "Kein Leid in XL" bereits den ersten Erfolg erzielt: Ein Edeka Markt in Nordrhein-Westfalen möchte unnötiges Tierleid nicht fördern und hat die XL-Eier aus dem Verkauf genommen.

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Tierqual vermeiden? Öko-Test hat Eier unter die Lupe genommen – auch in Sachen Tierleid. Denn nicht nur Kükenschreddern ist ein Problem in der Eierproduktion. Und noch mehr: Diese Sendung stellte die Kandidaten vor die Wahl: "Willst du Fleisch, iss dein Haustier!" Und auch süße, kleine Tiere im Zoo sind vor Langfingern nicht sicher, denn ein Alpaka-Baby wurde aus dem Streichelzoo geklaut. Doch die gute Nachricht kommt hier zum Schluss: Ein blindes Bison findet endlich einen Freund! Weitere interessante Artikel rund um das Thema Haustier finden Sie auf unserer Themenseite.

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