Aktualisiert: 14.09.2020 - 08:45

Virusinfektion bei Schweinen Afrikanische Schweinepest erstmals in Deutschland: Was müssen wir wissen?

Vorrangig sind Wildschweine von der Schweinepest betroffen. Die Krankheit kann aber auch auf Hausschweine übertragen werden. Für Schweinehalter wäre das eine Katastrophe.

Foto: iStock/Neil_Burton

Vorrangig sind Wildschweine von der Schweinepest betroffen. Die Krankheit kann aber auch auf Hausschweine übertragen werden. Für Schweinehalter wäre das eine Katastrophe.

Die Afrikanische Schweinepest ist in Deutschland angekommen. Können wir massenhaft tote Schweine und einen wirtschaftlichen Einbruch noch abwenden? Und was genau steckt eigentlich hinter der für Haus- und Wildschweine tödlichen Virusinfektion?

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist in Deutschland angekommen. Erstmals wurde sie bei einem toten Wildschwein in Brandenburg nahe der polnischen Grenze nachgewiesen und bestätigt. Damit ist das eingetreten, was im vergangenen Dezember bereits gefürchtet wurde. Aber was steckt überhaupt hinter der Viruserkrankung und was haben wir als Menschen zu befürchten?

Das sind die Gefahren der Afrikanischen Schweinepest
Das sind die Gefahren der Afrikanischen Schweinepest

Afrikanische Schweinepest kommt von Polen her in deutsche Richtung

Mitte November 2020 kam es zum Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Westpolen. Nahe den Orten Nowa Sol und Slawa wurden tote Wildschweine entdeckt, die an der Tierkrankheit gestorben sind. Schon damals war die Sorge um einen Ausbruch der Tierseuche in Deutschland hoch, im Dezember wurde dann ein totes Tier nur rund 42 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt gefunden.

Experten äußerten sich bereits damals: Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Krankheit Einzug hält. Dänemarks Angst vor der folgenschweren Seuche ist so groß, dass sie an der Grenze zu Deutschland einen 70 Kilometer langen Zaun errichtet haben, der 1,50 Meter in die Höhe misst. Dabei wurde aber scheinbar nicht bedacht, dass nicht nur Wildschweine die Krankheit ins Land bringen können. Ein Mensch könnte den Erreger der Schweinepest ebenso einschleppen, denn der könnte genauso in importiertem oder anderweitig mitgebrachtem Fleisch stecken. Demnach würde sogar ein weggeworfenes Wurstbrot, welches von einem Wildschwein anschließend verzehrt wird, ebenso zum Krankheitsausbruch im Land führen.

Warum fürchten wir uns überhaupt so sehr vor der Afrikanischen Schweinepest?

Die Afrikanische Schweinepest stammt eigentlich aus Afrika – wie der Name andeutet. Doch schon 2014 konnte sie erstmals über Georgien und Moldawien in die Ukraine wandern und in weiteren EU-Mitgliedstaaten, nämlich in Litauen und Lettland festgestellt werden und dort Fuß fassen. Dann folgten Rumänien, Ungarn, Tschechien und Polen.

Deutschland ist nun nicht mehr "seuchenfrei" – und damit droht eine wirtschaftliche Katastrophe. Wildschweine könnten die Schweinepest eventuell auf Hausschweine übertragen. Die Folge davon wäre, dass Viehwirte ihre kompletten Tierbestände töten müssten, sobald ein Tier infiziert ist. Anschließend ist eine Rundum-Desinfektion von Nöten. Besonders für Massentierhalter wäre dies der Super-GAU für ihren Betrieb. Das Problem ist: Mit dem verlorenen "seuchenfrei"-Label drohen bereits jetzt Exportstopps für Schweinefleisch ins Nicht-EU-Ausland.

So verbreitet sich die Schweinepest

Die Ausbreitung ist nur schwer zu stoppen. Um zu verhindern, dass die Afrikanische Schweinepest sich weiter ausbreitet, müssten alle toten und infizierten Wildschweine aus der freien Wildbahn entsorgt werden. Dies ist ein unmögliches Unterfangen, da gar nicht alle Tiere mit Sicherheit gefunden werden können. Denn die Afrikanische Schweinepest wird durch den direkten Kontakt von Schweinen untereinander übertragen. Wie erwähnt, können sich Tiere aber auch über Speiseabfälle infizieren und die hochansteckende Krankheit dann weitergeben.

Afrikanische Schweinepest: Viren weitergeben vermeiden – so geht`s

Auch wenn eine sich ausbreitende Seuche aufzuhalten schier unmöglich erscheint, kann doch jeder etwas tun, um den Versuch dazu zu unternehmen. Im Folgenden haben wir die wichtigsten Hinweise, die das Ministerium für Landwirtschaft Luxemburg und "BILD" veröffentlichten, für Sie zusammengetragen. Erfahren Sie, wie Sie der Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest entgegenwirken können:

  • Die Berührung von Wild- und Hausschweinen sollte vermieden werden.
  • Auf das Einführen von Produkten mit Schweinefleisch aus dem Ausland sollte besser verzichtet werden.
  • Wird ein Wildschwein mit roten Flecken gesichtet, ist dies umgehend dem Veterinäramt zu melden. Die roten Stellen können ein Zeichen für eine Infizierung sein.
  • Es ist sowieso seit den 80er-Jahren verboten, aber Schweine mit Lebensmittelabfällen zu füttern, ist absolut tabu.
  • Sollte ein Mastbetrieb betreten werden, ist sich zwingend an die Hygienevorschriften zu halten.
  • Haustiere, wie beispielsweise Hunde, am besten nicht in die Nähe von Wildschweinen kommen lassen.

Was bedeutet die Afrikanische Schweinepest für die Gesundheit der Menschen?

Eine gute Nachricht gibt es in all der panikreichen Zeit – wir kämpfen schließlich noch mit der Coronavirus-Pandemie: Für den Menschen ist die Seuche ungefährlich. Selbst beim Essen eines Stückes infiziertem Schweinefleisch braucht sich niemand Sorgen zu machen. Das gibt auch das Bundesministerium für Landwirtschaft bekannt: Der Mensch kann sich weder durch Tierkontakt noch über den Verzehr von infiziertem Fleisch anstecken.

Auch für Hunde und andere Tiere ist die Krankheit keine Gefahr. Lediglich bei Schweinen verläuft sie oft tödlich. Die Tiere erkranken schwer, leiden unter hohem Fieber und überleben meist nur wenige Tage. Sie sind aber wie erwähnt hoch ansteckend. Infizierte Tiere müssen daher so schnell wie möglich getötet werden.

Einen Impfstoff gegen die Afrikanische Schweinepest gibt es nicht, auch heilbar ist sie bei Schweinen nicht. Wer jetzt aber generell an den Impfschutz erinnert wurde und mit einem kleinen Piekser bestimmten Krankheiten den Kampf ansagen möchte, findet alles zum Thema auf unserer Themenseite Impfung.

Wildschweine werden derzeit in den Medien fast ausschließlich mit negativen Meldungen in Verbindung gebracht. Zwar keine erfreuliche, aber dennoch eine kuriose Nachricht sorgte erst vor kurzem für Aufsehen. Lesen Sie alles über den Einbruch in einen Supermarkt und warum die Polizei den Täter laufen lässt.

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