19.11.2019

Doppelte Provokation Warum Dr. Oetker Homöopathie-Fans und -gegner verärgert hat

Humor geht nicht über den Placebo-Effekt hinaus? So ähnlich bei Dr. Oetker: Die hatten mit einem Tweet einige Homöopathie-Fans verärgert – mit dem Löschen ebenjenes Tweets aber die Gegengruppe gegen sich gebracht.

Foto: iStock, imago images [M]

Humor geht nicht über den Placebo-Effekt hinaus? So ähnlich bei Dr. Oetker: Die hatten mit einem Tweet einige Homöopathie-Fans verärgert – mit dem Löschen ebenjenes Tweets aber die Gegengruppe gegen sich gebracht.

Eigentlich sollte es nur ein Witz sein – doch wie das heutzutage in den sozialen Medien so ist, gibt es immer wen, der sich schnell mal auf den Schlips getreten fühlt. Und Dr. Oetker hat es sogar geschafft, zwei eigentlich gegensätzliche Lager gegen sich aufzubringen. Die kuriose Geschichte...

Dass Marketing immer mal ironisch daherkommt und dabei nicht immer den Geschmack aller Leser trifft, ist spätestens seit den Aktionen des Smoothie-Herstellers "TrueFruits" bekannt. Dass aber zwei sich normalerweise genau gegensätzlich gesinnte Gruppen etwas auszusetzen haben, passiert hingegen nicht so oft. Dr. Oetker wollte eigentlich nur einen Homöopathie-Witz reißen – und musste sich erst mit Befürwortern UND dann noch mit Gegnern der alternativen Behandlungsmethoden auseinandersetzen.

Homöopathie-Witz von Dr. Oetker ging nach hinten los – auf doppelte Weise

Ein Werbegag, mehr sollte der Twitter-Post von Dr. Oetker nicht sein. "Marketing-Tweet: Entdeckt jetzt unsere neue homöopathische Pizza. Extra sättigend, besonders teuer und mit köstlichen Spuren von Fischstäbchen. #Homöopathie" stand dort über einem Bild von abgeknabberten Pizza-Rändern.

Ein Gag, der bei Befürwortern der Homöopathie nicht besonders gut ankam. Böse Beiträge, Boykott-Drohungen waren die Folge – weshalb der Lebensmittel-Hersteller den Tweet wieder entfernte und sich in einem Folgetweet entschuldigte:

"Wir haben unseren #Homöopathie Tweet wieder gelöscht. Es war zu keiner Zeit unsere Absicht, jemanden zu verärgern. Bitte auch in Zukunft unsere Tweets mit einer gesunden Portion Humor verstehen." heißt es nun.

Doch das wiederum sorgte bei einer ganz anderen Gruppe Twitter-User für großen Unmut: Denn jetzt meldeten sich die Homöopathie-Kritiker zu Wort. Ihr Konsens: Der Post sei keineswegs beleidigend gewesen, sondern habe ein reales Problem humorvoll aufgegriffen – doch man knicke ein vor einer "laut schreienden Minderheit", wie etwa User "Caethan13" kritisiert.

Auch "DerApotheker", ein auf Twitter bekannter Homöopathie-Kritiker, findet das Entfernen "Echt schade und ziemlich enttäuschend" und fragt, ob die "Globulisten gedroht" hätten.

"Unter eurem Tweet war Empörung doch nur in homöopathischen Dosen zu finden. Hunderte fanden ihn genial. Wer hat sich denn wo und wie beschwert?" steigt Nutzer "Ludger Wess" mit ein. Andere bescheinigen dem Unternehmen fehlendes Rückgrat.

Homöopathie-Kritiker Dr. Christian Lübbers meldete sich zu Wort: "Wie weit ist es mit der Irrationalität des Denkens gekommen, wenn aus Toleranz vor gekränkten Globulisten keine Pizza-Witze mehr über die Widersinnigkeit der Homöopathie möglich sind?"

Sensibles Thema – aber vielleicht profitiert der Konzern trotzdem

Gerade auf Twitter tobt ein nicht enden wollender Krieg um die Homöopathie. Viele Wissenschaftler, von denen auch so einige auf dem Kanal unterwegs sind, kritisieren die alternativen Behandlungsmethoden und deren Befürworter hart. Die Wirkung gehe nicht über den Placebo-Effekt hinaus – ein Satz, der zuletzt unter anderem noch einmal mehr von Jan Böhmermann verbreitet wurde – und für den bereits einige Homöopathie-Gegner verklagt worden waren.

Auf der anderen Seite: Die, die an die Wirkung der Homöopathie glauben – oder sie gar vertreiben. Und die auf solche Witze so gar nicht gut reagieren. Ein sensibles, emotionales Feld, in das sich Dr. Oetker da hineinbegeben hat.

Doch wie das bei solchen sogenannten "Shitstorms" – wenn zahlreiche Nutzer verärgert auf einen Post reagieren – oft so ist: Am Ende profitiert dann doch das Unternehmen – und zwar einfach durch die dadurch stark gestiegene Reichweite. Das hat auch Twitter-User "BerndPaysan" verstanden: "Dr Oetker hat die Wirkung des Witzes durch weiteres Verdünnen nur potenziert ;-).", schreibt er ironisch auf den Eintrag von Dr. Lübbers.

Und anscheinend hat Dr. Oetker auch keine Probleme. Kurz nach dem Witz-Tweet bedankte sich das Unternehmen auf Twitter für 13.000 Follower: "Danke, Twitter. Und denkt dran: Nicht alles zu ernst nehmen. Außer der Liebe zur Pizza." Vier Tage später liegt die Follower-Zahl schon bei fast 14.000.

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Schon so einige große Unternehmen mussten sich der Wut ihrer Kunden und Social-Media-Follower stellen. Erst im Sommer erntete dm scharfe Kritik wegen Wasser in Spraydosen. Und Vorwerk hatte sich die Neuankündigung des neuen Thermomix wahrscheinlich auch shitstorm-freier vorgestellt...

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