15.11.2019

Zu viel Druck: Neustart mit Ende 40 Mia Weber: Erst als ich ganz unten war, wusste ich, was ich wirklich will

Früher war Mia Weber permanent erschöpft, der Erfolgsdruck im Job machte sie krank. Heute powert sie sich – freiwillig und mit Vergnügen – nur noch beim Sport aus.

Foto: PR

Früher war Mia Weber permanent erschöpft, der Erfolgsdruck im Job machte sie krank. Heute powert sie sich – freiwillig und mit Vergnügen – nur noch beim Sport aus.

Erfurterin Mia Weber war erfolgreich, verdiente gutes Geld. Als sie Mitte 40 ist, erkrankt ihre Seele vor lauter Jobdruck, sie wird arbeitslos. Zwei Jugendträume helfen ihr zurück ins Glück. Und der Umzug auf ihre Sehnsuchts-Insel.

Fitnesstrainerin, Sängerin, blitzende Augen und immer ein Lächeln im Gesicht. Wer Strahlefrau Mia Weber (48), die eigentlich Annett Kötting heißt, begegnet, würde nie vermuten, dass diese Frau noch vor wenigen Jahren ein komplett anderer Mensch war. Doch der Erfolgsdruck machte sie krank – sie beschließt, neu anzufangen...

Erfurterin fühlt sich ausgebrannt – und wagt mit Ende 40 einen Neuanfang

Der Wind zerzaust ihre blonden Locken, als Mia mit ihren Irish Setter-Hunden "Donna" und "Guinness" am Strand vor Westerland spazieren geht. Die gebürtige Erfurterin hat innerhalb der vergangenen sieben Jahre ihr Leben einmal auf links gedreht. "Ich war Personalchefin bei der Veltins-Arena in Gelsenkirchen", erzählt sie. "Ein toller Job, mit viel Verantwortung und gutem Gehalt."

Doch die 10-Stunden-Tage, die permanente Erreichbarkeit, der Druck und ihr Pflichtbewusstsein höhlen Mia schleichend aus. Sie schläft schlecht, hat keinen Appetit mehr, jede Aufgabe wird zum Kraftakt. "Man musste mich nur anpiksen, und ich brach in Tränen aus."

Mit 41 Jahren wird bei Mia ein Erschöpfungssyndrom diagnostiziert, der Arzt schreibt sie krank. "Mich plagte sofort ein schlechtes Gewissen", sagt sie. "Denn ich hatte ja keine ansteckende Krankheit, kein gebrochenes Bein, sah nicht einmal krank aus und wusste, dass sich viele im Büro fragten, was ich denn nun eigentlich habe."

Fast ein ganzes Jahr lang spürt sie ein permanentes Klopfen unterm Jochbein, das sie fast verrückt macht. Sie igelt sich ein, macht eine Therapie, wird zur Kur geschickt. Dort endlich wird ihr klar: Ihr Leben kann so nicht weitergehen. "Das Hamsterrad, der Erfolgsdruck – das war alles zu viel."

Kündigen? Ein schwerer Schritt, aber es war der richtige

Mia kündigt. "Ein schwerer Schritt." Und erst mal alles andere als eine Erleichterung. Sie rutscht in die Arbeitslosigkeit, stellt alles infrage, was bisher ihr Leben ausgemacht hat. "Das war richtig hart", gibt sie zu. "Das Geld wurde knapp. Ich traute mich nicht mal, meinen Eltern zu sagen, dass ich meinen Job hingeschmissen hatte. Ich habe mir ständig Sorgen gemacht, wie es weitergehen soll.".

Mia beschließt gemeinsam mit ihrem Mann Peter einen radikalen Neuanfang. Sie will weg aus Gelsenkirchen, etwas ganz anderes machen. Und erinnert sich daran, dass sie schon als Kind so gerne gesungen hat. Erst mit der Oma im Kirchenchor, später als Songwriterin in der Heimatstadt Erfurt. Mit 15 Jahren hatte Mia ihren ersten Song "Wo bist du?" geschrieben.

Heute lebt Mia auf Sylt, ist Fitnesstrainerin und Sängerin

"Sport und Musik – das waren immer meine Leidenschaften. Aber nach dem Mauerfall ging das unter. Ich hatte vergessen, was mich glücklich macht." Mithilfe eines Coachs buddelt Mia ihre alten Talente wieder aus. Sie schreibt einen Businessplan und zieht mit Peter nach Sylt, ihrem Sehnsuchtsort. Dort kann sie gleich als Fitnesstrainerin anfangen.

Nebenbei arbeitet sie an ihrem Traum, Sängerin zu werden, nimmt Songs auf, hat ihre ersten Auftritte. Und so wird aus Annett Kötting Mia Weber. "Ich bin eine geborene Weber, und der Name Mia setzt sich aus den Anfangsbuchstaben meiner Oma Ilse, meiner Mutter Margot und mir zusammen."

"Immer in Bewegung" heißt ihr erstes Album. Ein Titel, der zu Mia passt. "Das ist auch mein Lebensmotto geworden."

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