04.11.2019

Apps: Vorsicht, Verwechslungsgefahr Giftpilze richtig erkennen: So suchen Sie sicher!

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Der Knollenblätterpilz gehört zu den giftigsten Pilzen überhaupt. Jetzt ist er einer unerfahrenen Sammlerin zum Verhängnis geworden.

Foto: imago images/imagebroker

Der Knollenblätterpilz gehört zu den giftigsten Pilzen überhaupt. Jetzt ist er einer unerfahrenen Sammlerin zum Verhängnis geworden.

Sie schießen wieder aus dem Boden und machen Lust auf leckere Pilzgerichte. Pilzsammler durchforsten die Wälder auf der Suche nach Steinpilzen, Pfifferlingen und Co. Das sollten Sie beim Pilze sammeln unbedingt beachten, um Giftpilze richtig erkennen zu können: So suchen Sie sicherer!

Pilze sind lecker, die falsche Bestimmung durch Hobbysammler kann aber dramatische Konsequenzen haben. Einer 28-Jährigen wurde die Pilz-Verwechslung zum Verhängnis. Sie starb an einer Vergiftung, nachdem Sie am Donnerstag im Wald gesammelte Pilze verzehrt hatte. Zwei weitere Familien kamen ins Krankenhaus, da sie ebenfalls giftige Knollenblätterpilze gegessen hatten. Wie bestimmt man richtig? App oder Buch? Wir sagen es Ihnen! So können Sie Giftpilze richtig erkennen.

Giftpilze erkennen: Die richtige Bestimmung der Pilze vermeidet Vergiftung

Wer wenig Erfahrung beim Sammeln von Pilzen hat, sollte zu seinem Waldspaziergang am besten einen Pilz-Kenner mitnehmen oder sich mit einem Pilz-Bestimmungsbuch auf den Weg machen. Gute Bücher gibt es bereits für ca. 10 Euro. Neben einem typischen Foto finden Sie darin auch markante Erkennungszeichen des Pilzes und die Information, ob der gefundene Sorte auch ungiftig und genießbar ist. Denn: Im schlimmsten Fall kann eine Falschbestimmung tödlich enden.

Pilze bestimmen: Was kann eine App?

Das Smartphone ist leichter als ein Buch und Sie haben es eh immer dabei? Natürlich gibt es entsprechende Pilzbestimmungs-Apps. ABER: Experten halten diese für unzureichend, um giftige von ungiftigen Pilzen ganz sicher zu unterscheiden. Der Grund: Die Bilder sind kleiner als in einem Buch und, wenn das Licht ungünstig fällt, auch schwerer zu erkennen, was die Verwechslungsgefahr erhöht. Der Vorteil der Apps: Man kann eine gute Fundstelle markieren und sich beim nächsten Mal per GPS hierher leiten lassen. Pilze-Apps fürs Smartphone können eine Ergänzung sein, ersetzen aber eine Expertise, ob persönlich oder per Buch nicht.

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie wollte wissen, was die Apps wirklich können und hat dazu sieben Produkte einem Test unterzogen. Die Ergebnisse finden Sie hier.

Ihr Fazit: Pilze sicher zu bestimmen ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die durch die verschiedenen Pilz-Apps nicht leichter wird. "Keines der getesteten Produkte kann einen unerfahrenen Anwender sicher durch die verwirrende Vielfalt an Pilzarten und Fruchtkörperformen geleiten, die wir im Wald finden. Ein Speisepilzsammler, der sich bei der Bestimmung nur von einer App leiten lässt, spielt grob fahrlässig mit seiner Gesundheit."

"Das Ziel, einen geübten Anfänger oder mäßig Fortgeschrittenen durch die einfache Bedienungsweise bei der Bestimmung zu unterstützen und sein Wissen aufzufrischen und zu ergänzen, scheint dagegen realistisch. Von dieser Zielgruppe können mehrere der aktuell vorhandenen Apps bereits sinnvoll eingesetzt werden, auch wenn das Potenzial hier noch von keinem der Produkte ausgeschöpft wird." Quelle: Deutsche Gesellschaft für Mykologie e.V., www.dgfm-ev.de

Darum sind Pilzberatungsstellen so wichtig!

Wer trotz Pilzbestimmungsbuch noch Zweifel und ganz sicher gehen will, sollte sich an eine Pilzberatungsstelle wenden und den Experten den Korbinhalt präsentieren. In Deutschland gibt es dazu ein flächendeckendes Netz an Experten. Ideal ist es dann natürlich, sich vor der nächsten Sammeltour zu erkundigen, wo die nächste Beratungsstelle ist. Bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie e.V. zum Beispiel finden Sie eine Kontaktliste mit Suche und Karte.

UND: Die meisten Vergiftungen werden durch verdorbene Pilze ausgelöst, d.h. eine reine Bestimmung per Buch ist genau genommen auch nicht ausreichend. Vielmehr müssen Geruch und Festigkeit des Pilzes durch einen erfahrenen Sammler oder Experten bestimmt werden, um eine Freigabe zum Essen erteilen zu können.

Die falschen Pilze gesammelt und gegessen: Der Giftnotruf

Bei selbst gesammelten Pilzen ist aber immer auch Vorsicht wichtig. Denn bei einigen Pilzen herrscht Verwechslungsgefahr mit Giftpilzen. Bei akuten auftretenden Krankheitssymptomen von Vergiftungen ist der Giftnotruf die richtige Nummer, um Erste Hilfe zu erhalten. Die W-Fragen erleichtern dabei die Erste Hilfe: Wer ist betroffen, womit und in welcher Menge ist die Vergiftung eingetreten, wann hat die Vergiftung stattgefunden und wie sehen die Symptome aus.

Der Giftnotruf ist nicht bundeseinheitlich geregelt. Die regionalen Nummern finden Sie in der Tabelle unten. Ist bereits eine lebensbedrohliche Situation eingetreten sollte der Rettungsnotruf 112 gewählt werden.

  • Baden-Württemberg: 0761 19240
  • Bayern: 089 19240
  • Berlin, Brandenburg: 030 19240
  • Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen: 0551 19240
  • Hessen, Rheinland-Pfalz: 06131 19240
  • Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen: 0361 730730
  • Nordrhein-Westfalen: 0228 19240
  • Saarland: 06841 19240

Giftpilze richtig erkennen: So suchen Sie sicherer! Wer gerne Pilze sammelt, sollte sich außerdem über über der Regeln im Wald bewusst sein.

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