Aktualisiert: 21.07.2021 - 13:13

Pfandbon zu alt? Ware heruntergefallen? Verbraucherrecht: Das sind die 11 wichtigsten Supermarkt-Regeln

Kennen Sie Ihre Rechte und Pflichten im Supermarkt? Das sind die sieben wichtigsten Regeln für Verbraucher.

Foto: iStock/Asawin_Klabma

Kennen Sie Ihre Rechte und Pflichten im Supermarkt? Das sind die sieben wichtigsten Regeln für Verbraucher.

Sie wissen nicht, ob Ihr Pfandbon noch gültig ist und ob man einwandfreie Ware trotzdem in den Laden zurückbringen darf? Und darf man eigentlich an der Obsttheke probieren? Das sind die wichtigsten Supermarkt-Regeln.

Darf man verdorbene Lebensmittel zurückbringen? Und was ist, wenn mir das Glas Gurken vor dem Kauf aus der Hand rutscht, muss ich das trotzdem bezahlen? Wer regelmäßig einkaufen geht, sollte sich seiner Rechte und Pflichten im Supermarkt bewusst sein. Wir klären auf.

Das sind die wichtigsten Supermarkt-Regeln

Im Supermarkt gelten gewisse Regeln, die sowohl Kund:innen als auch Verkäufer:innen und der Marktleitung das Leben erleichtern sollen. Doch nicht alle sind bekannt. Bevor es also zu Verwirrung und unnötigen Streitereien kommt, ist es gut, diese Regeln zu kennen.

1. Der Preis am Produkt oder Regal stimmt nicht mit dem an der Kasse überein – was gilt?

Im Regal war das Produkt mit einem bestimmten Preis ausgezeichnet. An der Kasse stellt sich heraus, dass es teurer ist als auf dem Regaletikett angegeben. Welcher Preis gilt? In der Regel der an der Kasse, denn dieser Preis ist im System hinterlegt. Das Etikett am Regal könnte veraltet sein.

Tipp: Weisen Sie den Mitarbeitenden an der Kasse darauf hin, oft müssen Sie nach Überprüfung der Regalauszeichnung auch nur den dort angegebenen Preis bezahlen.

Die Verbraucherzentralen wiesen aber darauf hin, dass Sie keinen gesetzlichen Anspruch darauf haben. Der Grund: Juristisch gesehen, findet die Vereinbarung über den Preis erst beim Kauf an der Kasse statt. Das bedeutet, dass der Händler, obwohl die Produkte falsch ausgezeichnet waren, an der Kasse einen höheren Preis verlangen kann.

Kaufen müssen Sie die Ware aber zu den Bedingungen nicht. Geben Sie sie einfach zurück, wenn es Ihnen nach Bezahlung auffällt oder lassen Sie das Produkt gleich an der Kasse vor Bezahlung zurück.

2. Wie schnell muss ich einen Kassenbon überprüfen, um Anspruch auf Rückgabe oder Umtausch zu haben?

Aufgrund der Schnelligkeit der Preisverbuchung durch das automatische Scannen an der Kasse und der Tatsache, dass man die Ware auch schnellstmöglich verstauen will oder muss, bleibt oft keine Zeit die Preise zu überprüfen. Wie lange geht rückwirkende Reklamation?

Checken Sie den Kassenbon unbedingt nach dem Einkauf, am besten noch im Kassenbereich. Wer den Laden verlässt oder erst am Auto die Positionen und Preise überprüft, kann kaum mehr beweisen, dass ein Produkt zu viel oder zu einem falschen Preis abgerechnet wurde. Freundlich nachfragen hilft aber auch hier oft weiter.

3. Ware ist heruntergefallen und kaputt gegangen – wer kommt für den Schaden auf?

Das kommt einerseits auf das Produkt an, andererseits auf die Kulanz des Händlers. Wenn ein Ei oder ein Marmeladenglas kaputt gehen, sind die meisten Händler kulant, da das keinen großen Verlust bedeutet. Wenn aber ein Hightech-Gerät beschädigt wird, müssen Sie im Zweifel für den entstandenen Schaden aufkommen. Gut zu wissen: Nach Informationen der Verbraucherzentralen müssen Sie aber nur den Einkaufspreis des Händlers entrichten und und nicht den auf der Ware angegebenen Verkaufspreis.

4. Darf ich verdorbene Lebensmittel zurückbringen?

Da Sie einen Anspruch auf mangelfreie Ware haben, können Sie das tun, wenn das Produkt schon am Kaufdatum verdorben war. Auch hier ist die Vorlage des Kassenbons wichtig. Oft ist es aber schwer, zu beweisen, dass Waren wie zum Beispiel loses Gemüse und Obst genau in diesem Laden erstanden wurden. In der Regel gibt es aber im Supermarkt bei Zweifeln dieser Art keine Kulanzprobleme.

5. Habe ich ein Rückgaberecht, auch wenn die Waren in einwandfreiem Zustand sind?

Im Onlinehandel haben Sie ein gesetzliches Widerrufsrecht. Das gilt aber nicht für den stationären Handel. Hier entscheidet einzig und allein die Kulanz des Händlers, ob die Ware zurückgenommen wird, wenn sie nicht beschädigt ist. Wichtig: Nehmen Sie in jedem Fall den Kassenzettel mit, sonst gehen die Chancen eines Umtauschs trotz Kulanz gen Null.

6. Darf ich im Supermarkt an der Obst- und Gemüsetheke probieren?

Auf Märkten ist das Probieren gang und gäbe, mitunter können sich Händler:innen sogar beleidigt fühlen, wenn Sie das Angebot ausschlagen. In Supermarkt und Discounter verhält sich die Sache aber anders. Hier gilt: Die Ware ist nicht gekauft und lässt sich auch nicht nachträglich abrechnen. Also handelt es sich um Diebstahl. Sie können aber beim Verkaufspersonal nachfragen, ob Sie die Weintrauben einmal probieren dürfen, um etwa den Reifegrad zu überprüfen.

7. Darf man bei Obst und Gemüse auch nur Teile kaufen?

Die Bananenstaude ist zu groß und das Stück Ingwer so gigantisch, dass Sie im Ingwertee baden könnten? Das ist kein Problem: Sie können sowohl Bananenstauden teilen und einzelne Früchte abreißen, als auch kleinere Stücke von der Ingwerwurzel abbrechen. Lediglich das Durchschneiden einzelner Obststücke, etwa Orangen oder Äpfel, ist nicht gestattet. Aber ein Messer sollten Sie sowieso nicht mit in den Markt nehmen.

8. Darf man Verpackungen bereits im Laden öffnen und naschen?

Manchmal ist der Hunger einfach so groß, dass der Schokoriegel schon im Laden verputzt wird. Gerade bei Eltern mit kleinen Kindern zeigt sich diese Vorgehensweise gerne. Die Verpackung kann man ja schließlich an der Kasse zahlen – oder? Rechtlich gesehen ist das nicht ganz korrekt. Denn bevor Sie die Ware gezahlt haben, gehört sie nicht Ihnen, sondern den Ladenbesitzern. Damit wäre der Verzehr vor der Kasse genau genommen Diebstahl. Viele zeigen aber Kulanz – solange Sie die Verpackung dann tatsächlich mit aufs Band legen.

9. Darf man kaputte Eier austauschen?

Tatsächlich: nein! Nachsehen, ob die Eier im Karton noch ganz ist, ist natürlich erlaubt. Ist eines oder mehrere kaputt, sollten Sie sich aber eine Schachtel mit intakten Eiern nehmen und die Packung mit dem kaputten Inhalt gerne dem Verkaufspersonal melden. Einzelne Eier austauschen ist dagegen nicht gestattet – denn jeder Eierkarton besitzt eine Chargennummer, die mit der auf den Eiern übereinstimmt. Sie gibt an, woher die Eier stammen, wie groß sie sind und welche Haltungsform zugrunde liegt. Ein Durcheinanderbringen könnte Täuschung bedeuten.

10. Wie viel Zeit habe ich, einen Pfandbon einzulösen?

Ein Pfandbon ist per Gesetz drei Jahre lang und zusätzlich noch bis zum Ende des Kalenderjahres einlösbar. D.h. Sie bekommen Ihr Geld für einen Pfandbon aus 2019 noch bis Ende 2022 zurück. Dafür müssen Sie ihn aber in genau der Filiale, die ihn ausgegeben hat, einlösen.

11. Ich habe ein Produkt in einem Prospekt gesehen. Muss ein Angebot daraus im Laden verfügbar sein?

Das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb schreibt vor, dass ein Supermarkt Waren des täglichen Bedarfs, die er in einem Prospekt bewirbt, für einen "angemessenen Zeitraum" vorrätig haben muss. Laut Verbraucherzentralen dürfen Kunden davon ausgehen, dass die im Prospekt beworbenen Produkte mindestens zwei Tage dort erhältlich sind. Ist die Ware vorher weg, ist der Supermarkt in der Pflicht nachzuweisen, dass dies an unvorhersehbaren Ereignissen lag.

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