22.10.2019 - 16:31

Das müssen Sie als Sammler wissen Pilze sammeln: Das dürfen Sie und dafür riskieren Sie eine Anzeige

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Pilze sammeln: Das müssen Sie beachten

Pilze sammeln: Das müssen Sie beachten

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Die zunächst als schlecht vorhergesagte Pilz-Saison 2019 entwickelt sich seit den letzten Tagen prächtig. Denn jetzt gucken sie wieder aus dem feuchten Waldboden. Wir verraten Ihnen, welche Pilze Sie in welchen Mengen sammeln dürfen.

Sie schießen wieder aus dem Boden und wecken Lust auf leckere Gerichte. Nach den letzten Regentagen ist wieder einiges los in deutschen Wäldern. Pilzsammler sind zuhauf unterwegs, um Steinpilze, Pfifferlinge und Co zu ernten. Einige Hinweise sollten Sie aber beim Pilze sammeln beachten, um sich keine Anzeige einzuhandeln.

Hier dürfen Sie keine Pilze sammeln

Als Pilzsammler dürfen Sie zunächst jeden Wald betreten, mit diesen Ausnahmen: Sammeln verboten heißt es in flächenhaften Naturdenkmälern, in Naturschutzgebieten und geschützten Moorgebieten, da Sie hier die angelegten Wege nicht verlassen dürfen. Auch nach Anbruch der Dunkelheit dürfen Sie den Wald nicht betreten, um den Wildschutz nicht zu gefährden. Betreten verboten heißt es außerdem bei Wildruhezonen sowie die durch Zäune geschützten Junganpflanzungen (Schonung). Den Wald betreten dürfen Sie natürlich auch nicht bei Unfallgefahr, zum Beispiel bei angeordneten Baumfällarbeiten oder genehmigten Treibjagden.

Artenschutz: Diese Pilze dürfen Sie sammeln

Die Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung (BArtSChuV) schützt einige Pilzarten. Dazu gehören z.B. Schaf-Porling, Semmel-Porlinge, Kaiserling, Weißer & Gelber Bronze-Röhrling, Echter Königs-Röhrling, Erlen-Grübling, Saftlinge, März-Schneckling, Grünling und Trüffel.

Von dieser Regelung sind gemäß § 2 I BArtSchV bestimmte Pilzarten ausgenommen, die für den eigenen Bedarf in geringen Mengen gesammelt werden dürfen. Dazu gehören Rotkappen, Morcheln, Pfifferlinge, Brätlingpilze sowie Birken-, Schweinsohr- und Steinpilze. Und gerade Letzteres kommt in der Küche besonders fein zum Einsatz – entweder in Form einer Steinpilzcremesuppe mit Kartoffel oder mit diesem Steinpilz-Risotto.

Mengenbegrenzung: So viele Pilze dürfen gesammelt werden

Zum Artenschutz sollten nur so viele Pilze gesammelt werden, wie zeitnah verbraucht werden können. Kleinere Exemplare sollten Sie stehen lassen, damit genügend Pilze bis zur Sporenbildung reifen können. Wichtig: Reißen Sie Pilze nicht heraus, sondern schneiden Sie sie ab. So können sie wieder nachwachsen.

Welche Menge einen Eigenbedarf ausmacht, ist von Bundesland zu Bundesland aufgrund des § 30 V BNatSchG unterschiedlich geregelt. Allerdings wird ein Richtwert von einem Kilogramm pro Person und pro Tag angenommen. Die Höchstsammelmenge liegt bei rund zwei Kilogramm. Wer mehr als zwei Kilo sammelt, macht sich strafbar und muss mit einer Bußgeld-Verhängung rechnen. Diese kann in Extremfällen bis zu mehrere Tausend Euro betragen.

Außerdem darf man ohne Genehmigung nach § 2 II BArtSchV keine wild gesammelten Pilze in Deutschland verkaufen.

Pilze sammeln und essen: Das sollten Sie außerdem wissen!

Die meisten Pilze mit Ausnahme von Austernpilzen und Champignons sollten nicht roh verzehrt werden, sondern müssen mindestens 15 Minuten in einer Pfanne erhitzt werden.

Entgegen eines Mythos dürfen Pilzgerichte auch nach dem neuerlichen Aufwärmen bedenkenlos gegessen werden.

Wer mehr Pilze gesammelt hat, als er essen kann, kann sie durch Trocknen, Einfrieren und Einlegen konservieren.

  • Trocknen: Schneiden Sie die Pilze in dünne Scheiben legen Sie sie bei Zimmertemperatur auf einen Rost. Alternativ können Sie die Pilze bei 50 Grad ca. 2 Stunden im Backofen trocknen.
  • Einfrieren: Blanchieren Sie die gesammelten Pilze portionsweise und lassen Sie sie gut abtropfen. Jetzt können Sie im Gefrierbeutel eingefroren werden.
  • Einlegen: Kochen Sie die überschüssigen Pilze ca. 8 Minuten, füllen Sie sie in Gläser und übergießen Sie sie mit Essig. Jetzt können Sie die verschlossenen Gläser 30 Minuten lang bei 100 Grad einwecken.

Probieren Sie Ihre gesammelten Pilze doch mal in unserem deftigen Rindergulasch mit Pilzen und Klößen

Pilze: Schon gewusst?

Wussten Sie, dass Pilze per Definition Lebewesen sind? Sie sind keine Pflanzen, da sie keine Wurzeln haben und selbst keine Zuckerstoffe produzieren, wie zum Beispiel durch Photosynthese. Pilze sind aber auch keine Tiere, deshalb belegen sie jetzt einen eigenständigen Bereich. So spricht man von Flora, Fauna und Funga.

In den Zellwänden von Pilzen kann man Chitin nachweisen, das z. B. der Maikäfer, Spinnen- und Krebstiere in ihrem Panzer haben. Chitin kann unser Körper nicht aufspalten, das macht Pilze schwerer verdaulich.

Die falschen Pilze gesammelt und gegessen: Der Giftnotruf

Bei selbst gesammelten Pilzen ist aber immer auch Vorsicht wichtig. Denn bei einigen Pilzen herrscht . Bei akuten auftretenden Krankheitssymptomen von Vergiftungen ist der Giftnotruf die richtige Nummer, um Erste Hilfe zu erhalten. Die W-Fragen erleichtern dabei die Erste Hilfe: Wer ist betroffen, womit und in welcher Menge ist die Vergiftung eingetreten, wann hat die Vergiftung stattgefunden und wie sehen die Symptome aus.

Der Giftnotruf ist nicht bundeseinheitlich geregelt. Die regionalen Nummern finden Sie in der Tabelle unten. Ist bereits eine lebensbedrohliche Situation eingetreten sollte der Rettungsnotruf 112 gewählt werden.

  • Baden-Württemberg: 0761 19240
  • Bayern: 089 19240
  • Berlin, Brandenburg: 030 19240
  • Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen: 0551 19240
  • Hessen, Rheinland-Pfalz: 06131 19240
  • Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen: 0361 730730
  • Nordrhein-Westfalen: 0228 19240
  • Saarland: 06841 19240
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