07.08.2019

Alters-WG, Mehrgenerationenhaus... Wie wollen wir wohnen, wenn wir alt sind?

Wohnen im Alter: Ob in der Alters-WG, im Mehrgenerationenhaus oder im Seniorenheim – frühzeitig planen ist wichtig.

Foto: iStock / Eva Katalin

Wohnen im Alter: Ob in der Alters-WG, im Mehrgenerationenhaus oder im Seniorenheim – frühzeitig planen ist wichtig.

Die meisten Deutschen möchten, so lange es geht, in den eigenen vier Wänden wohnen. Welche Möglichkeiten es neben Seniorenheimen noch gibt, wenn mehr Hilfe oder Pflege nötig wird.

Die meisten von uns denken nicht gerne darüber nach: Was wird mit uns, wenn wir nicht mehr so können, wie wir wollen – wenn wir alt sind? Doch spätestens, wenn die eigenen Eltern in genau diese Situation kommen, stellt sich in der Familie die Frage, wie können die älteren Leute möglichst angenehm und selbstbestimmt leben? Was kann, aber was muss auch beispielsweise an Hilfe, Pflege oder Betreuung geleistet werden? Dann denken sicher auch einige jüngeren Menschen ein paar Jahre weiter und fragen sich, wie wollen wir eigentlich wohnen, wenn wir alt sind?

Wie wollen wir wohnen im Alter?

Obwohl es uns schließlich irgendwann alle angeht, beschäftigt sich offenbar nur knapp die Hälfte der Deutschen mit der Wohnform, die sie sich fürs Alter wünscht (49 Prozent). Eine Studie des Marktforschungsinstituts dialego* fragte vergangenes Jahr 1.000 Menschen in Deutschland unter anderem: “Wie möchten Sie im Alter von 70 Jahren wohnen?”

Gefragt wurde nach weiteren oder alternativen Wohnformen – neben dem Wohnen zuhause oder dem klassischen Pflegeheim –, die sich die Menschen besonders gut für sich vorstellen können. Interessanterweise landeten Mehrgenerationenhäuser dabei auf dem ersten Platz. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) können sich diese Wohnform im Alter vorstellen – und zwar über alle Altersgruppen hinweg und vor allem Frauen (61 Prozent).

Platz 2 ging an das Wohnen mit Service (55 Prozent), gefolgt von der Pflege-WG (49 Prozent), in die deutlich mehr Frauen (56 Prozent) einziehen würden als Männer (42 Prozent). Dass Pflegeheim im Ausland ist nur für jeden Zehnten (11 Prozent) eine realistische Option.

Welche Wohnform auch immer in Frage kommt, die meisten Modelle benötigen zeitlichen Vorlauf – der Platz ist begrenzt. Denn: Laut Statistischem Bundesamt hat die demografische Entwicklung in Deutschland einen klaren Trend und im Jahr 2050 wird mehr als jeder Dritte Deutsche über 60 Jahre alt sein. Es lohnt sich also, vorauszudenken und zu planen, was planbar ist.

Gängige Alterswohnformen in Deutschland

  • Seniorenheim
    Die Klassiker beim Wohnen im Alter sind Senioren- und Pflegeheime, denn hier ist umfassende medizinische und pflegerische Betreuung garantiert. Aber nicht nur stark hilfsbedürftige Menschen sind hier gut aufgehoben. Das abwechslungsreiche Tagesprogramm und der intensive Kontakt mit anderen Senioren in Seniorenheimen sind auch für rüstige Rentner interessant. Wie luxuriös die Residenz dann ausfällt, hängt natürlich sehr eng mit dem zur Verfügung stehenden Budget zusammen. Wichtig: Worauf Sie bei der Suche nach dem für Sie besten Pflegeheim achten sollten.
  • Seniorenwohnungen
    Für alle, die sich noch ganz gut allein zurechtkommen, allerdings das eigene Haus mittlerweile zu groß geworden ist, Wege zu weit werden – sei es im Haus oder zum nächsten Supermarkt. Seniorenwohnungen sind altersgerecht ausgestattet, befinden sich beispielsweise im Erdgeschoss oder verfügen über einen Treppenlift. Es gibt im Bad meist Halte- und Stützvorrichtungen. Zudem liegen diese Wohnungen meist auch in günstiger Lage für Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. Apotheken, Supermärkte und Ärzte sind in der Regel schnell erreichbar.
  • Betreutes Wohnen oder Wohnen mit Service
    In einer eigenen Wohnung innerhalb einer darauf ausgerichteten Wohnanlage kann auf einen Betreuungsservice zurückgegriffen werden. Pflegekräfte stehen 24 Stunden am Tag für Notfälle bereit. Haushaltshilfen und Essenslieferungen sind meist inbegriffen. Möglichkeit, Kontakte zu anderen Senioren zu knüpfen und gemeinsame Freizeitangebote wahrzunehmen.
  • Alters- oder Pflege-WG
    Bei dieser alternativen Wohnform leben mehrere Senioren selbstbestimmt in einer Wohn- oder Hausgemeinschaft. Bei steigenden Mieten und teuren Heimplätzen werden Kosten auf mehrere Schultern verteilt. Jeder hat seinen eigenen Bereich oder sein eigenes Zimmer. Gemeinschaftsräume wie Küche, Bad und Esszimmer werden gemeinsam benutzt. Je nach Bedarf kommt dann ein Pflegedienst zum Einsatz. Auch eine 24h-Betreuung für alle WG-Mitglieder ist möglich.
  • Wohnen gegen Hilfe
    Wenn ältere Menschen nicht auf ständige Hilfe oder Pflege angewiesen sind, können sie auch ein Zimmer in ihrer Wohnung an einen jungen oder alleinstehenden Menschen "vermieten". Die Miete wird dann in Form einer Leistung erbracht. Das heißt, der "Untermieter" übernimmt – je nach Vereinbarung – zum Beispiel den Einkauf, das Putzen der Wohnung, oder leistet einfach nur Gesellschaft und zahlt im Gegenzug für diese Dienstleistung keine oder weniger Miete.
  • Mehrgenerationenhaus
    Hier leben je nach Konzept ältere und jüngere Menschen, körperlich beeinträchtigte oder auch nicht beeinträchtigte zusammen in Miet- oder Eigentumswohnungen, einem Haus oder in einer Wohnanlage. Senioren betreuen beispielsweise die Kinder berufstätiger Eltern, fühlen sich so weiterhin gebraucht. Im Gegenzug kauft die mittlere Generation für die Senioren ein, kümmert sich um Reparaturen in ihren Wohnungen usw. Dabei muss es sich nicht zwangsweise um die klassische Großfamilie handeln. Teilweise sind ganze Wohnquartiere auf das Mehrgenerationen-Wohnen ausgelegt.

Welche Wohn- und Pflegeform ist eigentlich die beste für Menschen, die an Demenz oder deren häufigsten Form Alzheimer erkrankt sind? Ein interessanter Ansatz sind Demenzdörfer – was ist das eigentlich?

Oder mal ganz neue Technologie ausprobieren: Roboter in der Altenpflege? In Kiel singt und tanzt "Emma" einmal in der Woche mit den Senioren.

Schwerer Schritt Umzug: Das alte Haus aufgeben

Hilfs- oder Pflegebedürftigkeit, Einsamkeit, Haus zu groß oder nicht mehr altersgerecht, also beispielsweise nicht barrierefrei – viele Gründe können einen Umzug im Alter notwendig machen. Laut einer aktuellen Umfrage des des Full-Service Immobiliendienstleisters McMakler entscheiden sich heute 74 Prozent der älteren Eigentümer für einen Verkauf ihrer Immobilie, vor zehn Jahren waren es gerade einmal 25 Prozent.**

Meist ist dies ein großer und schwerer Schritt für ältere Menschen, raus aus ihrer alten Umgebung, aus dem gemeinsamen Haus mit den vielen Erinnerungen. Schön, wenn Ihnen dabei jemand zur Seite steht, beispielsweise ihre Kinder. Doch auch für die ist das Begleiten ihrer Eltern bei dieser Veränderung eine echte Herausforderung.

Über den emotionalen Prozess, das alte Haus und die gewohnte Umgebung zu verlassen, hat die Journalistin Ursula Ott ein Buch geschrieben. Sie half ihrer 87 Jahre alten Mutter 2016 gemeinsam mit ihrer Schwester beim Umzug: "Das Haus meiner Eltern hat viele Räume". Diese lesenswerten 192 Seiten sind eine Mischung aus Biografie und Ratgeber für alle, die den Umzug ihrer Eltern noch vor sich haben – oder vor sich herschieben.

* Dialego befragte im Juni 2018 1.000 Frauen und Männer im Alter von 18+ Jahren aus Deutschland.

** Die Online-Umfrage wurde im Mai 2019 von McMakler unter den 255 Maklern des Unternehmens durchgeführt.

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Wie sieht eigentlich Ihre Altersvorsorge aus oder die Ihrer Eltern? Wichtig zu wissen: Wann müssen Kinder für ihre Eltern Unterhalt zahlen?

Wenn Sie weitere Fragen zu Rechtsthemen haben, schauen Sie in unseren Ratgeber Recht.

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