02.08.2019 - 14:01

Obermaat Kimberly Stein im Interview Frauen bei der Bundeswehr: Mein Leben als Soldatin

Obermaat Kimberly Stein bei der Arbeit. Im Interview erzählt die Soldatin, wie es ist, als Frau bei der Bundeswehr tätig zu sein.

Foto: Maike Barnebeck

Obermaat Kimberly Stein bei der Arbeit. Im Interview erzählt die Soldatin, wie es ist, als Frau bei der Bundeswehr tätig zu sein.

Wie ist es eigentlich, als Frau bei der Bundeswehr zu arbeiten? BILD der FRAU hat mit einer Soldatin gesprochen. Sie gibt Einblicke in ihren Arbeitsalltag, berichtet über die Herausforderungen mit den männlichen Kameraden und zeigt, wie vielfältig eine Karriere bei der Bundeswehr sein kann.

Seit 2001 dürfen Frauen in der Bundeswehr dienen. Von den derzeit rund 182.000 Soldaten sind zwölf Prozent (ca. 22.000) Frauen. Aber wie ist das, als Frau eine militärische Karriere einzuschlagen? BILD der FRAU hat bei Soldatin Kimberly Stein nachgefragt. Die 24-Jährige ist Obermaat im San-Regiment I in Berlin-Kladow. Im Interview hat sie über ihre persönliche Einschätzung zu Chancen und Problemen von Frauen bei der Bundeswehr gesprochen.

Frauen bei der Bundeswehr: Interview mit einer Soldatin

Liebe Frau Stein, warum haben Sie sich für die Karriere bei der Bundeswehr entschieden?

Kimberly Stein: Ich wollte früher immer zur Polizei, aber mein Bruder ist Soldat, er hat mir eine Karriere bei der Bundeswehr so schmackhaft gemacht, dass ich diesen Weg ebenfalls einschlagen wollte. Ich habe nach der Schule eine Ausbildung als Einzelhandelskauffrau gemacht und ein Jahr in dem Bereich gearbeitet. Danach habe ich mich bei der Bundeswehr beworben – und eine Zusage bekommen.

Wie ging es dann weiter?

Am 01. April 2015 habe ich bei der Bundeswehr angefangen. Ich arbeite im Sanitätsdienst und bis jetzt bereue ich meine Entscheidung nicht. Ich habe mich ausbilden lassen als Einsatzsanitäterin. Der Job ist sehr vielfältig und spannend. Ich war bereits fünf Monate im Auslandseinsatz. Dazu habe ich weitere Fortbildungen gemacht, so dass ich andere Kolleginnen und Kollegen ausbilden darf. Ich unterstütze unter anderem beim Kompetenzerhalt der Einssatzsanitäter, Notfallsanitäter und Einsatz der Ersthelfer-Bravos (so werden die Einsatzersthelfer der Ausbildungsstufe B umgangssprachlich genannt, Anm. d. Red) im Ausbildungssimulationszentrum in Berlin.

Wie sieht ein normaler Tagesablauf bei Ihnen aus?

Um 6.45 Uhr ist Dienstbeginn und Vollzähligkeit. Der Zugführer erfasst, wer anwesend ist und wer fehlt. Um 7 Uhr haben wir bei uns ein internes Kompanie-Antreten. Und dann geht’s los. Die Aufgaben werden besprochen und verteilt. Diese sind sehr vielfältig: Wir gehen regelmäßig auf den Truppenübungsplatz, bereiten Ausbildungen vor, leiten Fortbildungen. Dazu müssen die Materialien und Fahrzeuge regelmäßig gewartet und gecheckt werden. Und auch Sport steht jede Woche mehrmals bei uns auf dem Programm, damit wir fit für den Einsatz sind. Es gibt auf jeden Fall genug Aufgaben, so dass uns garantiert nicht langweilig wird.

Was ist das Schönste an Ihrem Job?

Die Zusammenarbeit mit den Kameraden macht einfach Spaß und ich lerne sehr viele verschiedene Menschen kennen. Dazu ist der Job abwechslungsreich und natürlich sehr verantwortungsvoll. Jeder Fehler, der im Einsatz passiert, kann über Leben und Tod entscheiden.

Gleichbehandlung zwischen Frauen und Männern bei der Bundeswehr

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen, die Frauen bei der Bundeswehr meistern müssen?

Grundsächlich werden Frauen gut akzeptiert bei der Bundeswehr. Sie sind mittlerweile auch schon lange dabei und aus den Truppen nicht mehr wegzudenken. Eine Herausforderung ist manchmal der Umgang mit Kollegen, die schon viel länger da sind. Vor allem als Frau muss man sich die nötige Akzeptanz hart erarbeiten.

Aber das gehört aus meiner Sicht auch dazu bei der Bundeswehr. Ich finde das nicht schlimm, denn damit zeigt man, dass man Lust auf den Job hat und man sich als Soldat identifiziert. Ich möchte keine Sonderbehandlung, nur weil ich eine Frau bin.

Wie ist das Verhältnis zwischen Männern und Frauen?

Das hängt ein wenig davon ab, in welchem Bereich man tätig ist. Im Sanitätsdienst ist mir noch nicht aufgefallen, dass es die Frauen schwerer haben als die Männer. Der Bereich war aber auch immer schon mit Frauen besetzt.

Sind Männer und Frauen gleichberechtigt?

Die Vorgesetzten behandeln alle gleich, das müssen sie auch. Wir sind ja in erster Linie alle Soldaten. Und in erster Linie sind wir auch Kameraden, das ist geregelt durch Paragraf 12 des Soldatengesetzes.

Aber es gibt natürlich Bereiche, in denen es Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. Das ist zum Beispiel bei den sportlichen Leistungen der Fall. Die Frauen haben bei Sport-Prüfungen natürlich mehr Zeit als die Männer. Aber ansonsten werden keine Unterschiede gemacht.

Die Uniform gehört für jeden Soldaten dazu

Mal unter Frauen gefragt: Wie ist das, immer eine Uniform tragen zu müssen?

Ich habe absolut gar kein Problem mit der Uniform, ich finde sie sogar ganz gut. Die Uniform ist ein Grund, warum ich mich für die Bundeswehr entschieden habe. Die einheitliche Kleidung zeigt, dass wir alle zusammen gehören – egal welcher Dienstgrad, alle tragen die gleiche Uniform.

Ein weiterer Vorteil: Ich muss morgens nicht lange überlegen, was ich heute zur Arbeit anziehe. Ich finde das ganz praktisch, und grün steht mir grundsätzlich auch ganz gut (lacht).

Gibt es spezielle Uniformen für Frauen?

Ja, es gibt auch Frauenschnitte bei den Hosen und den Blusen, so dass wir etwas Passendes anziehen können, wenn wir wollen.

Hätten Sie das gedacht? Deshalb finden Frauen Männer in Uniform so sexy – hier mehr erfahren.

Warum sollte es mehr Frauen bei der Bundeswehr geben?

Die Bundeswehr braucht natürlich immer Soldaten und da sind natürlich Männer und Frauen gleichermaßen herzlich willkommen. Bei uns in der Abteilung ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern ungefähr ausgeglichen. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich persönlich lieber mit Männern zusammenarbeite. Aber natürlich komme ich auch mit anderen Soldatinnen gut zurecht.

Ein Auslandseinsatz ist eine ganz neue Erfahrung

Sie haben erzählt, dass Sie im Auslandseinsatz waren. Können Sie bitte mehr darüber berichten?

Klar, im Mai 2017 bin ich in den Irak geflogen und war dort bis September im Einsatz. Ich wollte dorthin, um den Soldatenberuf von einer anderen Seite kennenzulernen. Ich wollte wissen, unter welchen Bedingungen man dort unten lebt. Wie die Kameradschaft in Extrem-Situationen ist und welche Aufgaben es dort gibt.

Und wie war es im Irak?

Diese fünf Monate waren auf jeden Fall eine wichtige Erfahrung in meiner Karriere und auch in meinem Leben. Denn alles war anders als zu Hause. Ich habe mit einer anderen Frau in einem Container gewohnt, die Hitze – meist hatten wir über 40 Grad – hat das Arbeiten erschwert und dazu waren meine Aufgaben sehr vielfältig. Ich bin dort zur Ausbildungsunterstützung hingefahren, aber ich war unter anderem auch bei der Lagerbewachung sowie bei der Realversorgung beteiligt.

Wie ging es Ihnen persönlich in dem Einsatz?

Grundsätzlich gut, aber man ist weit von zu Hause weg, hat ein bisschen Heimweh. Man kann zwar telefonieren, vermisst aber trotzdem die Familie. Aber man hat ja seinen Auftrag da unten und muss sich darauf fokussieren. Trotzdem ist die Distanz zur Heimat ein Problem für viele Soldaten im Einsatz.

Jeder freut sich zum Beispiel sehr über Feldpost. Ich habe noch nie Leute gesehen, die so strahlende Augen bekommen haben, als Post für sie da war. In Deutschland ist das ganz selbstverständlich, dass man Post bekommt, aber im Auslandseinsatz ist jeder Brief ein echtes Geschenk.

Der Kontakt zur Familie oder zu Freunden ist im Auslandseinsatz einfach etwas ganz Besonderes. Denn auch Internet oder Telefon sind nur begrenzt vorhanden.

Wie ist Ihr Fazit vom Auslandseinsatz?

Es war natürlich anstrengend, aber der Einsatz im Irak hat mir echt Spaß gemacht. Ich konnte in der Zeit sehr viel lernen, mich beruflich und persönlich weiterentwickeln. Ich denke gerade darüber nach, mich im kommenden Jahr für einen weiteren Auslandseinsatz zu melden.

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