17.07.2019

Im privaten Haushalt Schwarzarbeit: Fast alle Putzkräfte arbeiten illegal

Putzdienst zuhause – muss angemeldet werden, machen aber die wenigsten. Eine Studie hat ergeben: 90 Prozent aller Haushaltshilfen arbeiten schwarz.

Foto: Shutterstock/VGstockstudio

Putzdienst zuhause – muss angemeldet werden, machen aber die wenigsten. Eine Studie hat ergeben: 90 Prozent aller Haushaltshilfen arbeiten schwarz.

Eine Putzkraft, die einmal die Woche die Wohnung oder das Haus säubert – ein Luxus, den sich heute viele Menschen gönnen. Da gibt es nur leider ein Problem...

Es ist so wunderbar praktisch: Reinigungspersonal für die eigenen vier Wände ist heute so einfach zu finden wie nie. Und wer sich mit Putzen ein paar Euro dazuverdienen möchte, findet immer jemanden, der Bedarf hat. Putzen ist eine Arbeit wie jede andere – sollte man meinen. Doch offensichtlich wird dieser Job von vielen nicht nicht als solcher anerkannt – und da liegt das Problem. Laut einer Studie arbeiten in Deutschland 90 Prozent aller Haushaltshilfen schwarz.

Putzkräfte und Schwarzarbeit – ein Problem für viele Seiten

Genau genommen sind es 88,5 Prozent aller Haushaltshilfen, die laut der Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in Deutschland schwarz arbeiten – also nicht angemeldet.

Das Problem dabei: Den Beschäftigten fehlt bei dieser illegalen Arbeit die Sicherheit. Denn eigentlich hätten sie Anspruch auf bezahlten Urlaub, Rentenbeiträge und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – so, wie es bei jeder anderen Arbeit als Angestellte eben auch ist. Aber dann werden natürlich auch Steuern fällig, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen müssen. Zwar sind Haushaltshilfen als haushaltsnahe Dienstleistungen mittlerweile zu 20 Prozent von der Steuer absetzbar und die Anmeldung über die Minijobzentrale stark vereinfacht. Dennoch liegt es oft an den Putzkräften selbst – übrigens zu 90 Prozent weiblich – dass sie ihre Beschäftigung nicht anmelden wollen.

Für den Beschäftigenden, der die Putzkraft illegal bei sich arbeiten lässt, kann es indes unangenehm teuer werden. Wer erwischt wird, muss mit mehreren Tausend Euro Strafe rechnen. Und wenn etwa ein Unfall bei der Arbeit passiert, die Haushaltshilfe aber nicht versichert ist, können hohe Forderungen für die Krankenbehandlung, vielleicht sogar Rentenzahlungen auf den illegal beschäftigenden Arbeitgeber zukommen.

Anteil zwar gesunken – doch noch immer viel zu hoch

In der Studie ging Dominik Enste, Leiter der Bereiche Verhaltensökonomik und Wirtschaftsethik und Verfasser der Studie, von 41 Millionen Haushalten in Deutschland aus. In etwa 3,3 Millionen Haushalten ist eine Hilfe für Arbeiten wie Putzen, Einkaufen und ähnliches beschäftigt – gelegentlich bis regelmäßig. Davon aber seien 2,9 Millionen schwarz "angestellt".

Aufgrund der vereinfachten Bedingungen sei die Zahl ans schwarz arbeitenden Haushaltshilfen zwar seit 2005 gesunken – damals lag der Anteil bei rund 93 Prozent. Dennoch ist die Zahl noch immer unglaublich hoch.

Laut Enste sei es oft sogar schwierig, überhaupt eine Haushaltshilfe zu finden, die sich anmelden lasse. Vielen sei das Geld ohne Abzüge wichtiger als die oben genannten Sicherheiten. Eigentlich müssten sie entweder selbstständig oder auf Minijob-Basis arbeiten. Das Problem ist aber oft, dass viele so vielen Putzstellen nachgehen, dass es unmöglich ist, sich anzumelden, ohne sozialversicherungspflichtig zu werden. Andere gehen "nebenbei" noch putzen, neben ihrer eigentlichen Tätigkeit. Wer etwa auf 450-Euro-Basis arbeitet, würde mit einem weiteren angemeldeten Job aus diesem Modell herausfallen und könnte nicht mehr steuerfrei arbeiten.

Legale Beschäftigung für den Arbeitgeber meist sogar günstiger

Viele, die sich Hilfe im Haushalt suchen, denken erst einmal, dass sie mehr zahlen müssten, wenn sie ihre Reinigungskraft legal anstellen. Aufgrund der steuerlichen Absetzbarkeit kann sich das aber so rechnen, dass der Beschäftigende am Ende sogar weniger berappen muss.

Oft wird die geringe Rente kritisiert, die man als Putzkraft am Ende trotz immer legaler Anstellung bekommt. Doch: Wer sich gar nicht anmeldet und nicht in die Rentenkasse einzahlt, bekommt später nichts – und das ist eben auch nicht das Gelbe vom Ei.

Was ist eigentlich, wenn ich mir zur Rente noch etwas dazuverdienen will? Manche Jobs lohnen sich mehr als andere.

Mehr zu Steuerthemen und Co finden Sie auch in unserem Ratgeber Recht.

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