11.07.2019

Wissenschaftler warnen bereits Die Braune Hundezecke breitet sich aus: Hunde sind in Gefahr

Die Braune Hundezecke ist nicht nur eine unangenehme Plage, sie kann den Vierbeinern auch richtig gefährlich werden.

Foto: iStock (2) Collage BILD der FRAU

Die Braune Hundezecke ist nicht nur eine unangenehme Plage, sie kann den Vierbeinern auch richtig gefährlich werden.

Schon wieder eine neue Zeckenart: Die Braune Hundezecke breitet sich bei uns aus, vermehrt sich rasend schnell – und kann Hunden sehr gefährlich werden!

Schon wieder wird Deutschland von einer neuen Art an Parasiten heimgesucht: Die sogenannte Braune Hundezecke wandert bei uns ein, wie Forscher der Universität Hohenheim jetzt mitteilten. Und sie warnen vor ihrer Ausbreitung, denn die Zecken vermehren sich rasend schnell – und können für Hunde sehr gefährlich werden.

Neuer Parasit: Forscher warnen vor der Braunen Hundezecke

Die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) ist eigentlich im Mittelmeerraum und Nordafrika heimisch. Doch aufgrund der steigenden Temperaturen scheint sie sich mittlerweile auch in Deutschland wohl zu fühlen: Am liebsten hat sie es nämlich um die 25 Grad und trocken – und natürlich, wenn ein Hund in der Nähe ist. Dann krabbelt die Braune Hundezecke aus ihren vorzugsweise kleinen, steinigen Spalten und schlägt – bzw. sticht – zu.

Weil in Deutschland extrem viele Hunde in Wohnungen leben, kann das zu einem echten Problem werden, denn "anders als unser Gemeiner Holzbock kann die Braune Hundezecke sehr gut in Wohnungen überleben", weiß Katrin Fachet vom Fachgebiet Parasitologie der Uni Hohenheim. In unseren warmen und vor allem trockenen Wohnungen fühle sich das Tierchen aus dem Mittelmeerraum demnach äußerst wohl.

Rasend schnelle und explosionsartige Verbreitung

Das Schlimme: Hat sich die Braune Hundezecke erst einmal eingenistet, kann sie sich rasend schnell vermehren, wie Katrin Fachet berichtet: "Ein Holzbockweibchen kann bis zu 2000 Eier legen – ein Hundezeckenweibchen bis zu 4000. Innerhalb weniger Monate hat man dann schnell mehrere Tausend Zecken in der Wohnung", so die Forscherin. So kann die Braune Hundezecke sehr schnell zu einer sehr unangenehmen Plage werden. Und nicht nur das, denn sie birgt auch Gefahren.

Denn: "Normalerweise befällt die Braune Hundezecke – wie es der Name schon sagt – fast ausschließlich Hunde. Ist die Population aber zu groß und der Wirt reicht nicht mehr aus, dann ist sie nicht wählerisch und sucht sich das Nächstbeste: den Menschen", warnt Katrin Fachet. Und das kann unter Umständen eben gefährlich werden, nicht nur für die Hunde, sondern eben auch für Menschen.

Diese Krankheiten überträgt die Braune Hundezecke

Zwar wurden FSME oder Borreliose-Erreger bei dieser Zeckenart bislang nicht festgestellt. Doch laut der Forscherin andere Krankheiten: "Die Braune Hundezecke kann zu schweren Erkrankungen der Hunde führen."

Welche genau, hat BILD der FRAU bei zwei Experten nachgefragt. "Das sind vor allem die Babesiose und Ehrlichiose, aber auch Anaplasmose und Hepatozoonose", weiß Martin Komorek, der für die Kommunikation bei parasitenportal.de zuständig ist. Und fährt fort: "Die Krankheitsbilder bzw. –symptome sind unterschiedlich und reichen unbehandelt von Fieberschüben und Durchfall bis hin zum Tod des Hundes – etwa bei der akuten Form der Babesiose."

Tierärztin Astrid Behr vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V. geht vor allem von der Ehrlichiose Gefahr aus: "Sie ist eine in den Mittelmeerländern weit verbreitete – aber auch bereits im Saarland nachgewiesene – Hundekrankheit. Der Erreger befällt die zu den weißen Blutkörperchen zählenden Monozyten und gelangt in Lymphknoten, Milz und andere Organe. Ein bis zwei Wochen nach der Ansteckung kommt es zum Krankheitsausbruch mit wiederkehrendem Fieber, Appetitlosigkeit, Atemnot, Blutungen, Milz- und Lymphknotenschwellungen sowie weiteren Symptomen. Im weiteren Verlauf führt die Erkrankung zur dauerhaften Blutarmut."

Auch auf den Menschen übertragbare Krankheiten wie das Mittelmeer-Fleckfieber bringt die Braune Hundezecke mit sich.

Wer in seinem Haushalt einen Befall mit den Braunen Hundezecken vermutet, sollte sich schnell mit einem Experten zu dieser Art in Verbindung setzen, empfiehlt Katrin Fachet: "Werden in Eigeninitiative die falschen Maßnahmen ergriffen, kann es zu einer erheblichen Verschlimmerung des Befalls mit stark erhöhtem Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier kommen."

Wie Sie Ihre Hunde schützen können

Was können Hundebesitzer tun, um ihre Lieblinge vor den Zecken zu schützen? Tierärztin Astrid Behr empfiehlt ein sorgfältiges Absuchen der Hunde nach jedem Spaziergang: "Werden Zecken auf einem Tier entdeckt, müssen diese umgehend entfernt werden, um eine potenzielle Übertragung von Krankheitserregern zu verhindern. Zur Entfernung von Zecken sollten geeignete Instrumente wie Zeckenzangen verwendet werden." Aber bitte nicht mit einem Draußenverbot für die Tiere reagieren, mahnt Martin Komorek: "Hunde nicht mehr in den Wald oder auf die Wiese zu lassen, ist unsinnig."

Doch Astrid Behr warnt: "Durch alleiniges Absuchen des Tieres wird allerdings keine Sicherheit erreicht, denn zu viele Zecken werden bei dieser Methode selbst von Fachleuten übersehen. Deshalb sollten in der Zeckensaison prophylaktisch wirksame Ektoparasitika eingesetzt werden. Diese stehen als Spot-on-Präparate, Sprays oder antiparasitäre Halsbänder in den Tierarztpraxen zur Verfügung." Martin Komorek ergänzt: "Hier gibt es wirksame Kautabletten, die gleichzeitig noch gegen andere Parasiten wirken."

So ist die Zecke nach Deutschland gekommen

Nach Deutschland ist die Braune Hundezecke übrigens nicht von alleine gekrabbelt, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit mit Urlaubern hierher gebracht worden. Das vermutet auch Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Parasitologin und Expertin für Zecken an der Universität Hohenheim: "Wir können davon ausgehen, dass Besitzer, die mit ihren Hunden im Ausland im Urlaub waren, die Braune Hundezecke nach Deutschland bringen. Es wurden aber auch bereits Exemplare an Hunden gefunden, die ihren Hof nie verlassen hatten – ein Hinweis darauf, dass die Art hier möglicherweise bereits Fuß gefasst hat."

Um die Braune Hundezecke noch besser erforschen zu können, bitten die Wissenschaftler der Universität Hohenheim die Bevölkerung um Hilfe bei ihrem Forschungsprojekt. Wer also eine ungewöhnliche Anzahl an Braunen Zecken in einem Gebäude bemerken oder der Hund sehr stark von Zecken befallen sein sollte, die der Braunen Hundezecke ähnlich sehen, soll bitte eine E-Mail mit Bild der Zecke an hundezecken@uni-hohenheim.de schicken.

Eine weitere Zeckenart hat sich bei uns niedergelassen: Die gefährliche Hyalomma-Zecke hat bei uns sogar schon überwintert .

Aber auch die bereits heimische Zecken haben Deutschland leider fest im Griff – vor allem im vergangenen Jahr gab es so viele Zecken wie noch nie. Eine echte Plage!

Zecken und FSME

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Wussten Sie, dass auch Zecken stechen und nicht etwa beißen, wie die meisten fälschlicherweise glauben? Die Tierchen "sägen" nämlich ein Loch in die Haut, in das sie dann ihren Stechrüssel stecken. Zecken sind Überträger von Krankheitserregern und können etwa die gefährliche Borreliose auslösen oder FSME, eine Art der Hirnhautentzündung, hervorrufen.

Welches Insekt Sie da gerade gestochen oder gebissen hat, können Sie an verschiedenen Anzeichen erkennen. Und dann auch entsprechend handeln.

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