26.06.2019

Urlauber aufgepasst Airline-Streik im Juli droht! Ist meine Flugreise jetzt in Gefahr?

Flugstreiks ab Juli – diese Rechte haben Urlauber
Do, 20.06.2019, 11.26 Uhr

Flugstreiks ab Juli – diese Rechte haben Urlauber

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Ausgerechnet in der Urlaubszeit: Bei einigen Fluggesellschaften sind demnächst Streiks zu erwarten. Was das für Ihre Flugreise bedeutet – und welche Rechte Ihnen zustehen.

Vor wenigen Tagen hat die Unabhängige Flugbegleiter-Organisation UFO angekündigt, dass bei einigen Airlines Urabstimmungen zu Arbeitsniederlegungen beginnen werden. Das heißt im Klartext: Demnächst, nämlich im Juli, könnte es zu Streiks des Flugpersonals an deutschen Flughäfen kommen. Also mitten in der Urlaubszeit! Lesen Sie hier, welche Fluggesellschaften betroffen wären, was das dann für die gebuchte Flugreise bedeutet und welche Rechte Sie haben, wenn der Streik Ihren Flug ausfallen lässt.

Drohender Streik: Diese Airlines sind betroffen

Streik droht bei der Fluggesellschaft Lufthansa sowie deren Tochtergesellschaften Eurowings und Germanwings.

Die Urabstimmungen über Streiks bei Eurowings und Germanwings werden in rund zwei Wochen enden. Wird dafür gestimmt, will UFO umgehend die ersten konkreten Streiktermine nennen. Und die sollen zeitnah erfolgen, würden also noch im Juli liegen.

Bei Lufthansa selbst werden derzeit noch Tarifforderungen verfasst, die anschließend ebenfalls zur Urabstimmung gestellt werden. Auch hier wird UFO ihre Mitglieder zu Streiks aufrufen – das selbe Prozedere also, nur um einige Zeit nach hinten verzögert.

Allerdings: Ob es wirklich zu Streiks kommt, steht noch nicht definitiv fest. Noch besteht die Chance, dass sie in den Urabstimmungen abgeschmettert werden. Doch die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass eine gütliche Einigung im Vorfeld eher unwahrscheinlich ist.

Und: Auch wer nicht bei einer der betroffenen Airlines gebucht hat, könnte im Juli und August Probleme mit dem Flug bekommen. Fluggastrecht-Expertin Laura Kauczynski warnt auf dem Portal "reisereporter.de" vor den überquellenden Flughäfen: "In Frankfurt etwa sind die Abflugzeiten so eng getaktet, dass Probleme schnell auf andere Fluggesellschaften überschwappen können."

Streik befürchtet: Dürfen Fluggäste im Vorfeld stornieren?

Nein, Fluggäste dürfen nicht einfach prophylaktisch ihren Flug kostenlos stornieren. Es muss feststehen, dass der gebuchte Flug ausfällt. Dann muss der Fluggast zunächst eine Ersatzbeförderung verlangen. Wird die abgelehnt, dürfen sich Betroffene selbst einen Ersatzflug buchen.

Wer dennoch im Vorfeld stornieren will, muss sich vorher kundig machen, denn für jede Airline gelten eigene Stornierungsgebühren.

Was ist, wenn der Flug wegen des Streiks tatsächlich gestrichen wird?

Werden die Streiks konkret angekündigt und es steht fest, welche Flüge konkret betroffen sind, sind die Airlines bei einer Flugannullierung verpflichtet, zeitnah einen Ersatzflug zur Verfügung zu stellen.

Außerdem muss die Fluggesellschaft kostenfrei Betreuungsleistungen anbieten, etwa Verpflegung und Getränke, zwei Telefongespräche, Email-Versand und, falls nötig, auch ein Hotel inkl. Transfer. Reiserechtsexperte Kay P. Rodegra gegenüber "bild.de": "Betreuungsleistungen müssen bei Problemen immer erbracht werden, egal wer Schuld an der Verspätung und Annullierung hat."

Das gilt übrigens auch, wenn der Flug Teil einer Pauschalreise ist. Dann ist auch der Reiseveranstalter in der Pflicht, die vertraglichen Leistungen zu erbringen. Auch hier greifen die Fluggastreche genauso wie bei einer reinen Flugbuchung.

Wie sieht es mit Entschädigung aus?

Bei Verspätungen von über drei Stunden sowie Annullierungen können je nach Flugstrecke zwischen 250 und 600 Euro pro Person fällig werden, wenn die Schuld bei der Airline liegt und sie die Passagiere weniger als 14 Tage vor dem Abflug darüber informiert hat.

Allerdings muss die Fluggesellschaft nicht bezahlen, wenn sie sich auf einen sogenannten außergewöhnlichen Umstand, etwa schlechtes Wetter, berufen kann. Ein Streik fällt aber mittlerweile nicht mehr automatisch darunter, wie das vor einiger Zeit noch häufig der Fall war. So hat der Europäische Gerichtshof im vergangenen Jahr festgelegt, dass Fluggäste bei wilden Streiks entschädigt werden können. Es wird in der Regel im Einzelfall entschieden, ob gezahlt werden muss. Fluggäste sollten ihre Forderungen also auf jeden Fall einreichen.

Wer haftet, wenn der Rückflug aus dem Urlaub ausfällt?

Die gute Nachricht zuerst: Auch bei einem annullierten Rückflug gilt natürlich, dass die Airline für eine Ersatzbeförderung sorgen muss.

Aber: Wer nicht rechtzeitig beim Job bzw. am Arbeitsplatz ist, weil der Rückflug storniert wurde, trägt das komplette Risiko leider alleine. Ein Recht auf Gehalt für die versäumte Zeit haben Arbeitnehmer nicht. Bekommen sie Ärger wegen der versäumten Arbeitszeit, können sie sich auch dann auf keinerlei Rechtsgrundlage berufen – nur darauf hoffen, dass der Chef kulant ist und Verständnis für die ohnehin schon ärgerlichen Umstände hat, die ein ausgefallener Flug mit sich bringt.

Informationen zu Rechtsfragen rund um Streikfragen und anderer Art finden Sie auf unserer Themenseite Ratgeber Recht.

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