24.05.2019

Alles für Likes, Shares & Co. Deswegen sind niedliche Tiervideos fragwürdig

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Süße Tier-Clips sind nicht immer gleich süß. Was der Zuschauer nicht weiß: Für die wenigen Sekunden müssen Tiere oft Qualen durchmachen.

Foto: Shutterstock/Tobias Schwindling

Süße Tier-Clips sind nicht immer gleich süß. Was der Zuschauer nicht weiß: Für die wenigen Sekunden müssen Tiere oft Qualen durchmachen.

Von Lemuren, die gekitzelt werden, bis Katzen, die sich über Gurken erschrecken: Tiervideos gibt es im Internet zur Genüge. Und oft dienen sie, um uns Menschen zu unterhalten. Doch in Wirklichkeit sind viele von ihnen fragwürdig.

In den vergangenen Jahren wurde der Aufschrei um Zirkusse, Zoos und Tierparks immer lauter, und das zu Recht. Denn durch den unbeschränkten Zugriff auf Informationen wird immer mehr Menschen darüber aufgeklärt, unter welchen Umständen Tiere leben müssen – und das alles nur zur unserer Belustigung. Ein weiteres besorgniserregendes Phänomen sind nun auch niedliche Tiervideos, die in Massen auf Facebook, Instagram & Co. geteilt werden – sehr zum Leidwesen der Tiere.

An sich ist die Ausbeutung von Tieren, die der Unterhaltung für Menschen dienen soll, traurigerweise nichts Neues: Dieses Phänomen reicht bis ins alte Rom zurück. Und mit dem Voranschreiten der Zeit nahm es leider nicht ab, sondern im Gegenteil sogar zu. Schuld sind folgende Trends, die immer präsenter werden und nicht aufhören wollen:

Niedliche Tiervideos sind nicht immer süß

Das Filmen und Hochladen von Filmchen von (Haus-)Tieren wurde durch die Generation "Millennials" leider immer häufiger. Gegenstand der Videos sind dabei häufig Tiere, die vermeintlich menschliche Reaktionen zeigen: Schock, Aufregung, Zuneigung durch "Schmusen". Dieses Verhalten wird jedoch lediglich von uns Menschen auf Tiere projiziert und komplett fehlinterpretiert. Ein Beispiel: In einem Video, das 2016 viral ging, wird ein Plumploris, ein südostasiatisches Nachttier, von einer Frau mehrmals gekitzelt. Das Tier streckt seine Arme hoch, wie wir Menschen es machen würden – und genauso deuten es auch alle: dass das Tier diese Handlung wirklich als kitzlig und spaßig empfindet. Das ist jedoch falsch, denn beim Hochstrecken seiner Arme bildet es ein Sekret in seinen Achselhöhlen, das zur Selbstverteidigung produziert wird. Das Plumploris empfindet nämlich gar keinen Spaß dabei, sondern hat Angst um sein Leben.

Ein weiteres Beispiel für Fehlinterpretation ist folgendes Video, das eine Braunbärin mit ihrem Jungen zeigt, wie sie einen steilen Schneehang hochkraxeln. Was viele so niedlich finden, ist in Wahrheit die verzweifelte Flucht von Mutter und Kind vor der bedrohlichen Drohne, die das Video aufnimmt. Das Schlimme: Kaum einer hätte hinter diesen Aufnahmen eine schlimme Situation vermutet – erst ein Aufruf von Tierschützern entfachte eine Diskussion um das Video.

Haustiere wollen nicht verkleidet werden

Ostern, Halloween, Weihnachten: Den Festen entsprechend dekoriert man gerne mal seine Wohnung, um sich in Festlaune einzustimmen. Von seinen Haustieren sollte man dennoch die Finger lassen, denn den Hund in einen Anzug zu kleiden oder ähnliches ist einfach wider seine Natur: Oft werden bei solchen Kostümen die Atemwege eingeengt oder wichtige Körperteile, wie die Ohren, bedeckt. Noch schockierender: Eine Russin sorgte für Furore im Netz, indem sie ihrer Katze ein Tattoo auf der Brust verpasste. Unsere tierischen besten Freunde sind doch auch so schon entzückend, also wozu die ganze Aufmachung?

Tourismus profitiert von Tierquälerei

Die Lust auf Reisen, die sogenannte #wanderlust, ist durch soziale Netzwerke nochmal in die Höhe gestiegen: Je exotischer, desto besser. Für die Foto-Sammlung, versteht sich. Dabei leiden jedoch auch exotische Tiere, die von Ferienorten, Hotels, Restaurants & co. für das Marketing benutzt werden, um die Besucherzahlen in die Höhe zu treiben. Elefanten reiten, Selfies mit Tigerbabies, mit Löwen spazieren: Hauptsache, das Foto sitzt. Dass die Lebewesen jedoch für touristische Zwecke früh aus ihrem vertrauten Umfeld gerissen und misshandelt werden, ist dabei scheinbar Nebensache.

Wie viel Tierquälerei hinter vermeintlichem Urlaubs-Spaß steckt , lesen Sie hier.

Tierheime werden gefüllt mit exotischen Tieren

Das Gefährliche an der wachsenden Beliebtheit von exotischen Tieren: Immer mehr Menschen wollen diese Tiere besitzen. So scheinen sie doch viel süßer und toller als "herkömmliche" Haustiere – dementsprechend steigt der Bedarf, und Züchter erweitern das Angebot durch gefährliches Züchten. Zudem ist es fragwürdig, dass man solche Tiere sogar legal erwerben kann, da nur vereinzelte Spezies vom Verkauf ausgeschlossen sind. Also landen die exotischen Lebewesen in einem fremden Umfeld, das überhaupt nicht ihrem gewohnten Habitat entspricht, und sind plötzlich doch nicht mehr so süß, da sie ungewohnte, gestresste Verhaltensmuster zeigen. Die Besitzer sind überfordert und geben die Tiere wieder ab, was wiederum die ohnehin schon überlasteten Tierheime zusätzlich überfüllt.

Tiere Tiere sein lassen

Fazit: Durch die oben genannten Trends werden Tiere zunehmend psychisch sowie physisch belastet und tragen erhebliche Traumata davon.

Nicht immer werden niedliche Tiere in Videos gequält; manchmal sind sie wohlauf, und es geht ihnen blendend. Doch das Tierwohl wird leider zu häufig ignoriert. Bevor Sie also das nächste Mal ein vermeintlich süßes Filmchen teilen, gehen Sie in sich und fragen Sie sich, ob das Tier sich seiner Art entsprechend verhält oder es vermenschlicht bzw. erzwungen wirkt. Ein Hund, der auf zwei Beinen läuft, ist nämlich überhaupt nicht süß – das ist schlichtweg Tierquälerei.

Denn was die Halter solcher Tiere vergessen und was auch wir uns vor Augen halten müssen: Tiere sind bereits so perfekt wie sie sind, und so sollten wir sie auch lassen.

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Nicht jeder Zoo ist eine Zumutung für Tiere, doch dieser Horror-Zoo schon! Eine Rettungsaktion führte neulich dazu, dass die Tiere dort befreit werden konnten .

Und lesen Sie hier noch von einem schönen Beispiel der Tierliebe: Das Möbelhaus Ikea hat Straßenhunden während eines Unwetters Obdach gegeben. Die tollen Bilder dazu – sehen Sie hier.

Mehr Ratgeber und interessante Artikel zu Haustieren finden Sie auf unserer umfangreichen Themenseite.

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