09.05.2019

Protest gegen "Tampon-Steuer" Tampons in Büchern kaufen? Ja, das ist billiger!

Tampons im Buch? Ein cleverer Protest gegen die Luxussteuer auf Hygieneprodukte, auch gerne "Tampon-Steuer" genannt.

Foto: The Female Company

Tampons im Buch? Ein cleverer Protest gegen die Luxussteuer auf Hygieneprodukte, auch gerne "Tampon-Steuer" genannt.

Immer mehr Länder senken die sogenannte "Tampon-Steuer" – Steuern auf Hygieneprodukte wie Tampons und Binden. In Deutschland allerdings gelten nach wie vor 19 Prozent Mehrwertsteuer, wie auf Luxusgüter. Das Startup "The Female Company" protestiert dagegen äußerst clever und trickst den Staat aus: mit Tampons im Buchformat.

Grundsätzlich gibt es im deutschen Steuersatz zweierlei Umsatzsteuern: 19 Prozent und ein ermäßigter Satz von 7 Prozent. Mit dieser Regelung sollten, nach dem Gesetzesentwurf der Bundesregierung 1963, "bestimmte Güter des lebensnotwendigen Bedarfs" vergünstigt werden. Jedoch fallen unter die Ermäßigung auch jede Menge Gegenstände und Lebensmittel, die so lebensnotwendig gar nicht sind, etwa Trüffel, Froschschenkel, Schnittblumen und Hotelübernachtungen.

Tampons und Binden sind dagegen sind nach dem Gesetzesentwurf keine dieser "bestimmten" Güter, sondern zählen als Luxusgüter, so wie Armbanduhren, Autos oder mittlerweile Smartphones. Deswegen ist die "Tampon-Steuer" so ungerecht und diskriminierend, denn für gut die Hälfte der Bevölkerung, nämlich die weibliche, sind Tampons und Binden, aber auch Alternativen wie die Menstruationstasse durchaus Dinge des Alltags. Und zwar notwendige

So ungerecht ist die "Tampon-Steuer"

Der Meinung ist auch das Stuttgarter Startup "The Female Company". Die Gründerinnen Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmaier wollten ein Protestzeichen gegen die Steuerungerechtigkeit setzen und verkaufen seit Mitte April ihre Bio-Tampons einfach anders – eben in Büchern. Denn Bücher werden nur mit 7 Prozent besteuert – so umgeht das das findige, schwäbische Unternehmen äußerst clever und kreativ die fiese "Tampon-Steuer".

Kreativer Protest gegen die fiese Steuer

"The Tampon Book" erscheint auf den ersten Blick wie ein übliches Buch und erläutert über 46 Seiten auf humorvolle und erfrischende Art das Thema Menstruation. Der Clou: Hübsch fein eingebettet befinden sich darin zudem 15 Bio-Tampons.

Das Stuttgarter Unternehmen konzipierte das Buch in enger Zusammenarbeit mit der Agentur Scholz & Friends Berlin. Die Illustrationen stammen von der Künstlerin Ana Cuberlo.

Eine weltweite Ungerechtigkeit

Auf der ganzen Welt haben Frauen mit der Stigmatisierung ihrer monatlichen Blutung zu kämpfen. In Indien beispielsweise gelten Frauen während ihrer Periode noch immer als unrein und werden ausgegrenzt. In wirtschaftlich schwachen Regionen sind Menstruationsartikel eher die Ausnahme als die Regel. Erheben Staaten auf diese Produkte auch noch Steuern, erschweren sie so den Zugang und fördern damit die sogenannte Perioden-Armut. Können sich Mädchen keine Tampons oder Binden leisten, müssen sie von der Schule fern bleiben und ihre Möglichkeit auf Bildung und einer unabhängigen Existenz wird so beschnitten. Zwar gibt es mittlerweile auch günstigere und sogar umweltfreundliche Alternativen wie die Menstruationstasse, aber auch die müssen sich Frauen erst einmal leisten können (und hier gelten übrigens auch die 19 Prozent). Und nicht jede kommt damit klar.

Sogar der ehemalige US-Präsident Barack Obama findet die Besteuerung der Hygieneartikel ungerecht. Auf die Frage der US-amerikanischen Aktivistin Ingrid Nilsen, warum Luxussteuern auf solch elementare Artikel des täglichen Gebrauchs erhoben würden, antwortete Obama: "Ich habe keine Ahnung, warum. Ich vermute, es liegt daran, dass Männer diese Gesetze gemacht haben."

Die "Tampon-Steuer" wurde von Männern beschlossen

Da liegt wohl der Schlüssel des Problems. Denn auch in Deutschland wurde die "Tampon-Steuer" von Männern gemacht. Bei der Verabschiedung der Umsatzsteuer 1963 waren von 499 Bundestagsabgeordneten gerade mal 36 weiblich.

In Deutschland besteht auf dem Papier Gleichberechtigung. Frauen dürfen wählen und sich wählen lassen, sie dürfen arbeiten und ein eigenes Konto haben. Aber mit gleicher Bezahlung bei gleicher Leistung dürfen sie besipielsweise (noch) nicht rechnen. Tatsächliche Gleichbehandlung ist noch lange nicht erreicht. Die Abschaffung der sogenannten "Tampon-Steuer" – nach dem Vorbild Kanadas, Irlands, Indiens, Kenias, Teilen der USA und seit 2019 auch Australien – wäre ein weiterer Schritt zu mehr Gerechtigkeit. Vielleicht kann "The Tampon Book" als Protest da sogar etwas bewirken.

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Hygieneartikel müssen übrigens auch richtig angewendet werden, sonst können Tampons und Co gefährlich werden. Was hinter dem toxischen Schocksyndrom steckt und wie Sie hygienisch mit Ihrer Vagina umgehen, erklären wir Ihnen auch.

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