16.04.2019

Feuerdrama um Frankreichs Wahrzeichen Notre Dame: So spenden sich Menschen Trost inmitten der Katastrophe

Notre Dame: So spenden Menschen sich Trost inmitten der Katastrophe

Notre Dame: So spenden Menschen sich Trost inmitten der Katastrophe
Di, 16.04.2019, 11.07 Uhr

Notre Dame: So spenden Menschen sich Trost inmitten der Katastrophe

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Notre-Dame in Flammen! Und die ganze Welt ist fassungslos. Was Menschen in der Trauer dennoch tröstet, wie es um die Kathedrale jetzt steht, wie es weitergeht.

Drama, Tragödie, Katastrophe: Kein Wort kann fassen, kann es ausdrücken, was mit der Pracht-Kathedrale Notre-Dame passiert ist. Ein regelrechtes Feuer-Inferno hat das Pariser Wahrzeichen weitestgehend zerstört – und lässt eine Nation entsetzt und tief bestürzt zurück. Ganz Europa, ja die ganze Welt trauert mit Frankreich um dieses einzigartige Baudenkmal, das wie kaum ein anderes für die europäische Kultur steht.

Feuerkatastrophe Notre-Dame: Menschen spenden sich singend Trost

Mittlerweile ist der Brand in der Pariser Kathedrale komplett gelöscht – "das ganze Feuer ist aus", heißt es von Seiten der Feuerwehr, die mit rund 400 Mitarbeitern seit dem gestrigen frühen Abend im Dauereinsatz war. Das Feuer hatte sich rasend schnell auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern ausgebreitet, große Teile von Notre-Dame unwiederbringlich zerstört. Rund 100 Feuerwehrwehrleute sollen noch immer vor Ort sein, um die Bausubstanz zu überwachen und mögliche Brandnester sofort löschen zu können.

Kann es Trost geben angesichts dieses Flammen-Infernos, dem die Menschen macht- und fassungslos zusehen müssen? Ja, kann es. Und genau das macht Mut, auch und sogar im Angesicht des blanken Entsetzens. Denn rund um Notre-Dame hatten sich den ganzen Abend über bis in die Nacht hinein immer wieder kleinere und größere Gruppen von Personen zusammengefunden, die miteinander gesungen und gebetet haben. Gemeinschaft in tiefer Trauer, Solidarität im Moment des Unbegreiflichen: Dazu sind Menschen imstande, das tröstet ungemein!

So steht es momentan um die berühmte Kathedrale

Das Ausmaß des verheerenden Brandes fassen zu können: um das festzustellen, wird es wohl noch eine ganze Weile dauern. Sicher ist: große Teile des Dachstuhls sowie der kleine Spitzturm in der Mitte des Dachs sind restlos zerstört.

Die berühmte Fassade und die beiden Haupttürme sollen aber gerettet worden sein. Nach Angaben des französischen Innenministeriums besteht allerdings immer noch Einsturzgefahr. Die meisten Kunstschätze und religiösen Relikte konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Frankreichs Kulturminister Franck Riester postete Bilder in Sozialen Medien, auf denen zahlreiche Kunstwerke von freiwilligen Helfern verpackt und in Lastwagen verladen wurden.

Die Brandursache ist noch unklar. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft könnte der Brand mit Arbeiten am Dach der Kathedrale im Zusammenhang stehen, wo Baugerüste installiert waren.

Darum ist Notre-Dame weltberühmt und einzigartig

Warum ist die berühmte Kathedrale so herausragend? Zum einen, weil ihre Dimensionen so gewaltig sind: Notre-Dame ist 127 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch. Baubeginn der im gotischen Stil konstruierten Kirche mit ihren beiden majestätischen Türmen war Mitte des 12. Jahrhunderts. Fast 200 Jahre vergingen bis zur Fertigstellung.

Zum anderen, weil sie so geschichtsträchtig ist: 1431 etwa ließ sich der englische König Heinrich VI dort zum König von Frankreich krönen, 1804 krönte Napoleon sich selbst zum Französischen Kaiser. 1455 war in Notre-Dame Prozessbeginn gegen Johanna von Orléans, 1558 wurde Maria Stuart dort getraut.

Und schließlich, weil der Sakralbau Hort so vieler großartiger Schätze ist. Einige Passionsreliquien Jesu gehören dazu, für Christen von unschätzbarem Wert: Zweige der Dornenkrone, ein Nagel sowie ein Splitter des Kreuzes. Außerdem das Rosenfenster, das zu den berühmtesten Glasmalereien der Welt zählt. Hinzu kommen die Altäre, Orgeln sowie zahlreiche Gemälde und Skulpturen.

Notre-Dame gehört seit 1979 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Hilfe von allen Seiten für den Wiederaufbau

Notre-Dame ist nicht verloren! "Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen", verkündete Frankreich Staatschef Emmanuelle Macron bereits gestern Abend. "Denn das ist es, was die Franzosen erwarten."

Und schon an Tag eins nach der Katastrophe wird Unterstützung von allen Seiten angekündigt. So hat etwa der Gatte von Schauspielerin Salma Hayek,der französische Luxus-Unternehmer François-Henri Pinault (56), angekündigt, 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau von Notre Dame zur Verfügung zu stellen.

Die französische Kulturerbe-Stiftung Fondation du Patrimoine hat außerdem eine Spendensammlung gestartet. Auf Twitter heißt es: "Damit Notre-Dame aus der Asche wiedergeboren werden kann, starten wir einen internationalen Aufruf."

Paris: Feuer in Notre-Dame ausgebrochen

Paris: Feuer in Notre-Dame ausgebrochen

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Die Region Île-de-France, die größtenteils dem Großraum Paris entspricht, kündigte eine Soforthilfe von zehn Millionen Euro an. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sagte, die Stadt Paris werde sich mit 50 Millionen Euro beteiligen. Sie will außerdem eine internationale Geberkonferenz ins Leben rufen.

Noch viel wäre zu sagen zum Drama von Notre-Dame – ein tröstliches Schlusswort für den Moment liefert der frühere US-Präsident Barack Obama: "Es liegt in unserer Natur zu trauern, wenn wir sehen, wie Geschichte verlorengeht – aber es liegt auch in unserer Natur, mit all unserer Kraft am Wiederaufbau für die Zukunft zu arbeiten." Kein leichter Weg, den es nun zu gehen gilt. Aber einer, der sich lohnt. Und: gemeinsam ist er zu schaffen!

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