29.05.2019

Arbeitskleidung nicht vorrätig TV-Doku "Hartz und herzlich": Darum bekommt Jens keinen Job

Jens von "Hartz und herzlich" will so gerne wieder arbeiten – als er eine Schulung nicht machen darf, weil er zu dick ist, platzt ihm der Kragen...

Foto: RTL II

Jens von "Hartz und herzlich" will so gerne wieder arbeiten – als er eine Schulung nicht machen darf, weil er zu dick ist, platzt ihm der Kragen...

Die Sozialdoku "Hartz und herzlich" zeigt den Alltag von Menschen, die von Hartz IV leben müssen. Darunter Jens: Der 52-Jährige will unbedingt arbeiten. Als er endlich einen Job in Aussicht hat, kann er ihn nicht antreten – er sei zu dick, heißt es...

Ein Leben auf Hartz-IV-Basis ist in der Regel kein leichtes: Geld ist rar, Lage und Situation führen nicht selten zum sozialen Abseits. Mit diesem Schicksal müssen viele Menschen in Deutschland aber zurechtkommen. Die RTL-II-Sendung "Hartz und herzlich" dokumentiert den Alltag von Menschen, die Hartz IV beziehen. Die aktuellen Folgen nehmen die Zuschauer mit nach Pirmasens ins Winzler-Viertel, ein Problem-Stadtteil. Dort lebt auch Jens. Und Probleme hat er genug...

Update vom 29.05.2019: "Hartz und herzlich" – Jens kriegt endlich einen Job

Jedes dritte Kind lebt von Hartz IV, die Arbeitslosenquote liegt bei 11 Prozent: Das ist die traurige Bilanz des Städtchens Pirmasens in Rheinland-Pfalz. Extrem betroffen ist das Winzler Viertel: Die dortigen Bewohner sind zu einem Großteil arbeitslos. Auch Jens. Der Gelegenheits-Jobber hat vor rund acht Monaten seinen letzten Arbeitsplatz verloren. Seitdem hat der 52-Jährige, der 16 Jahre als LKW-Fahrer berufstätig war, fast 200 Bewerbungen geschrieben – ohne Erfolg. Doch endlich bekundet eine Chemie-Firma Interesse, ihn als Gabelstapler-Fahrer einzustellen.

Und tatsächlich: Jens wird eingestellt, er bekommt einen auf ein Jahr befristeten Arbeitsvertrag, der Stundenlohn liegt bei etwas mehr als zehn Euro. Der 52-Jährige ist völlig aus dem Häuschen – und hofft, dass er sich bei seinem neuen Arbeitgeber als Gabelstapler-Fahrer beweisen kann, damit er über die Jahresbefristung hinaus bleiben kann. "Das ist wie ein Lottogewinn", freut er sich.

... und verliert ihn gleich wieder

Doch die Freude währt nicht lange: Jens hat schlechte Nachrichten – das sei mal wieder Verarsche gewesen, erzählt er schwer enttäuscht. Die Firma hat ihm nur acht Tage nach Arbeitsantritt innerhalb der Probezeit gekündigt. Zunächst sei ihm kein Grund genannt worden, doch auf Nachfrage habe es dann geheißen, er sei nicht schnell genug und habe nicht genug Erfahrung.

In der ersten Euphorie hat Jens auch gleich seine Essenskarte für die Tafel abgegeben – die muss er sich kurz darauf wieder holen, um weiterhin eine kostenlose warme Mahlzeit zu erhalten. "Alles wieder beim alten", sagt er resigniert. Wie schwer ihn die schnelle Absage trifft, zeigt auch seine Antwort auf die Frage hin, was er sich wünschen würde, wenn er einen Wunsch frei hätte: "Arbeit".

Wieder keine Arbeit, weil Jens zu dick ist

Es folgt die nächste herbe Schlappe: Für einen möglichen weiteren Job soll Jens eine Pflichtschulung machen – an der könne er nicht teilnehmen, heißt es in der Absage, weil die erforderliche Arbeitskleidung in seiner Größe nicht vorliege. Heißt soviel wie: Er ist zu dick! Diesen lapidaren Grund will Jens nicht hinnehmen: "Ich lass mir das nicht gefallen!", beschwert er sich. Er fühlt sich diskriminiert – und wendet sich damit an einige große deutsche Medien. Gleichzeitig weiß Jens, dass es gut wäre, endlich mal ein wenig abzunehmen, allein aus gesundheitlichen Gründen.

Doch mit dem Gleichstellungsgesetz, das ein Anwalt für seinen Fall bemühen will, kommt Jens auch nicht weiter: Es kann nicht auf Leibesfülle angewendet werden. Auch das erhoffte Medien-Echo bleibt aus. Es bleibt ihm also nichts anderes übrig, als sich weiter zu bewerben, das Job-Center aufzusuchen und auf die Möglichkeit einer Umschulung zu hoffen. Doch sein kaputter Rücken und schmerzende Hüftgelenke machen ihm immer wieder einen Strich durch die Rechnung. "Die Aussichten sind eher besch... eiden", fasst der 52-Jährige seine Situation zusammen. Doch aufgeben will er nicht. Noch nicht.

"Hartz und herzlich" wird dienstags um 20:15 Uhr bei RTL2 ausgestrahlt.

Update vom 15.05.2019: "Hartz und herzlich" – Patricia aus Pirmasens

Patricia lebt ebenfalls im Winzler Viertel – seit 19 Jahren ist die gelernte Hauswirtschafterin ohne Job, lebt von Hartz IV. "Ich wär froh, ich hätte Arbeit, würde Arbeit bekommen – aber ohne Schulausbildung, ohne Führerschein, ohne irgendwelche Vorlagen findest Du nix (...) und schon gar nicht als Langzeitarbeitslose", erzählt sie in der Reality-Doku.

Die 42-Jährige rechnet vor, was ihr monatlich an Geld bleibt: "Also ohne Mietgeld, ohne die Nebenkosten und das Ganze habe ich 409 Euro zum Leben, und das reicht hinten und vorne nicht." Ihr Mann Patrick, mit dem sie seit drei Jahren verheiratet ist, arbeitet seit zwei Jahren als LKW-Fahrer. Jetzt verdient er knapp 2000 Euro im Monat, davon werden 800 Euro wegen hoher Schulden gepfändet. "Ich geh arbeiten und bin eigentlich im Endeffekt genauso gut ein Hartz-IV.Empfänger", sagt er. Und weiter: "Bei den Kosten, die ich tragen muss, das steht in keiner Relation mehr."

Zu wenig Geld, Beziehung kaputt

Zusammen haben die beiden 736 Euro im Monat zum Leben – das zermürbt: "Ich verstehe die Welt nicht mehr", weint Patricia. Doch ihr Gatte verkrümelt sich lieber an den PC, um zu zocken. Kein Wunder, dass die Ehe von Patricia und Patrick kurz vor dem Scheitern ist. Die gemeinsame Wohnung nutzen sie schon länger als WG, jeder hat seinen Bereich. Patricia beklagt sich über den Teil ihres Nochgatten: Dort türmen sich Kisten mit allem möglichen Kram, der ganze Boden ist voll davon.

"En Leben kannst Du das gar nicht mehr nennen, eine Ehe kannst Du das auch nicht nennen", klagt die 42-Jährige. "Ich war schon immer ein Sexmuffel", gesteht ihr Noch-Ehemann – "das letzte Mal" habe vor zwei Jahren stattgefunden. Hinzu kommt, dass er auch von folgendem Umstand genervt sei: "Die Dame da auf der Couch ist ja eifersüchtig auf meinen LKW." Patricia bleibt bei all dem nur noch das Fazit: "Das Leben ist nur noch Scheiße."

Es kommt noch schlimmer: Zahlungen werden gekürzt

Doch ein Unglück kommt selten allein: Als wäre das alles noch nicht genug, kürzt das Amt die Zahlungen an Patricia empfindlich, denn ihr Mann weigert sich, Auskunft über sein Einkommen zu geben, wozu er aber verpflichtet ist. Dann erfährt sie, dass Patrick bei der Arbeit einen leichten Herzinfarkt erlitten hat. Er muss ins Krankenhaus. Und trotz aller Streitigkeiten macht sich die 42-Jährige große Sorgen um ihren Mann – sie ist am Ende ihrer Kräfte und resümiert: "Manchmal denk ich echt, ich bin gestraft fürs ganze Leben."

Und so berichtete BILD der FRAU am 11.04.2019:

Nach zwei Jahren gab es jetzt ein Wiedersehen mit Dagmar aus den Mannheimer Benz-Baracken. Die darf sich über gleich zwei neue Jobs freuen.

"Hartz und herzlich": Dagmar steht kurz vor der Rente

Die Benz-Baracken in Mannheim gelten mit ihren knapp 2000 Bewohnern als Deutschlands bekannteste Hartz-IV-Blöcke – auch Dagmar ist dort zu Hause. Die 65-Jährige hat acht Kinder zur Welt gebracht, steht kurz vor dem Beginn ihrer Rente. Die gute Seele der Benz-Baracken ist dann keine Hartz-IV-Empfängerin mehr. Was das finanziell zu bedeuten hat, weiß sie nicht. Das muss noch ausgerechnet werden, sagt sie, wie hoch der Anteil an Mütterrente sein wird, der hinzukommt.

Dabei würden sogar zehn Kinder angerechnet, denn zwei Enkelkinder hat sie von Geburt an mit großgezogen. Und 30 Jahre habe sie insgesamt in ihrem Leben ja auch gearbeitet. Doch egal, wie hoch die Rente letztlich ausfallen wird, von ihrer ersten Rente will sie sich einen schönen Kaffee und ein schönes Stück Torte holen, "dann setz' ich mich auf meine Hollywood-Schaukel und bestaune alle die, die vom Schaffen kommen", freut Dagmar sich schon.

Hilfe für kranken Nachbarn – dafür gibt's Pflegegeld

Dabei arbeitet Dagmar ja selbst nicht zu knapp: seit einem Jahr kümmert sie sich ehrenamtlich um ihren Nachbarn Johann – der 54-Jährige ist Alkoholiker und liegt wegen einer Leberzirrhose im Krankenhaus. Wenn er wieder rauskommt, würde die Bald-Rentnerin gerne ganz offiziell seine Pflegerin werden und sich so ein wenig dazuverdienen. Denn der gelernten Zootechnikerin stünde somit ein Pflegegeld zu.

Ihrem Nachbarn hilft sie nicht wegen des Geldes, doch der Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Und siehe da: Dagmar hat Anspruch auf Pflegegeld! Vielleicht bekommt sie sogar eine Nachzahlung, weil sie schon so viele Monate für Johann tätig ist. Zudem ist sie dadurch auch noch versichert.

Ein, zwei Putzstellen mehr würde sie auch machen

Wenn Dagmar dann bald Rentnerin ist, darf sie noch mehr dazuverdienen. "Wenn die Möglichkeit sich anbietet, dass ich ein, zwei Putzstellen mehr habe, dann mach ich die auch", erklärt die rüstige 65-Jährige. So käme sie endlich von ihrer Schuldenbasis runter, sagt sie, und kann noch einigermaßen so leben, wie sie es bislang nicht konnte.

Einen Putzjob hat sie schon: bei einem älteren Herren namens Roland macht sie dreimal die Woche sauber. Den Nebenverdienst hat sie einem Zuschauer der Sendung zu verdanken: er hatte sie ausfindig gemacht und sie als Haushaltshilfe für seinen Vater angeworben, weil er begeistert von ihrer sozialen Art war. Sie sei für ihn das große Los, erzählt Roland, denn ohne Dagmar würde es ihm "weitaus schlechter gehen als vorher".

Egal wie hoch ihr Rentenbescheid ausfällt: die 65-Jährige möchte auch in Zukunft weiter für Roland arbeiten. "Das spielt keine Rolle", sagt sie, "es wird trotzdem weiter geschafft. Ich seh' doch, dass ich gebraucht werde, und das ist das Wichtigste." Tolle Einstellung!

Wenn das so weiter geht, könnte es für Dagmar jedenfalls reichen mit Rente und Zuverdienst. Ihre gute Laune und ihren Humor verliert sie so oder so nicht: "Vielleicht bin ich dann Ende nächsten Jahres ein Millionär", scherzt sie. Wir drücken ihr die Daumen!

"Mit dieser Rente kommt keiner zurecht" – sagte neulich erst auch eine Putzfrau im TV. Und kanzelte einen Politiker damit ordentlich ab.

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