20.02.2020

Ökotest Eier im Test: Aldi und Lidl fallen durch!

Welche Eier können wir ohne Bedenken kaufen und essen? Ökotest hat sich 20 Eier im Test angeschaut. Die Ergebnisse sind alarmierend – und traurig.

Foto: iStock/tagphoto

Welche Eier können wir ohne Bedenken kaufen und essen? Ökotest hat sich 20 Eier im Test angeschaut. Die Ergebnisse sind alarmierend – und traurig.

Hühnereier mit dem Bio-Siegel sind nicht immer so bio, wie es der Kunde glauben will. Das hat Öko-Test nun beim Blick auf 20 in Deutschland erhältliche Eier-Sorten bestätigt. Es geht vor allem um Haltung und das noch immer viel zu präsente Thema "Kükenschreddern". Wir geben Ihnen aber Tipps, wie Sie an "saubere" Eier kommen.

Wer in Deutschland Eier mit dem Bio-Siegel kauft, wähnt sich ja eigentlich auf der "guten" Seite der Konsumenten. Dass hinter der Silbe "Bio" aber oft nicht das drin steckt, was der gutgläubige Kunde vermutet, wird wieder einmal bei einem Lebensmitteltest bestätigt. Ökotest hat – auch im Hinblick auf das nahende Osterfest und den dann wieder steigenden Eierkonsum – 20 Eier-Sorten aus Bodenhaltung, Freilandhaltung und vom Bio-Betrieb getestet. Viele Eier im Test fielen durch.

Eier im Test: Darauf wurde geprüft

Schadstoffe, allgemeine Qualität der Eier, Haltung der Hühner – und Kükenschreddern. Diese Kategorien hat sich Ökotest angesehen. Auf Haltung und Transparenz lag im Test das Hauptaugenmerk. Auffällig: Vor allem in Sachen Hühnerhaltung und Kükenschreddern gibt es noch immer sehr viel Handlungsbedarf. Und das, obwohl beides schon lange in der Diskussion steht.

Angesehen haben sich die Tester für die Ergebnisse auch Belege, etwa Lieferscheine. In Laboren wurde dann auf Krankheitserreger und Schadstoffe geprüft, etwa auf Salmonellen, Dioxine – wir erinnern uns an den Dioxin-Skandal vor Jahren – sowie auf das Insektengift Fipronil.

Das Ergebnis ist erschreckend: Nur vier der getesteten Eier erhalten die Noten "sehr gut" oder "gut" – allesamt immerhin aus dem Biobereich. Fünf müssen sich ein "mangelhaft" aufdrücken lassen.

Hauptkritik: Verachtende Haltungsbedingungen und Kükenschreddern

Besonders ins Gewicht fallen bei den Testern schlechten Haltungsbedingungen in vielen Ställen sowie das industrielle Töten männlicher Küken. Sage und schreibe 15 der 20 getesteten Betriebe gehen nach wie vor dem Töten der für sie unbrauchbaren männlichen Küken nach. "Dies betrifft konventionelle Eier genauso wie Bio-Eier. Sie können aus unserer Sicht nicht 'gut' oder 'sehr gut' sein", heißt es seitens Ökotest.

Die frisch geschlüpften Tiere werden meist bei lebendigem Leibe geschreddert. Denn sie legen keine Eier und können auch nicht genug Fleisch ansetzen, um später verzehrt zu werden. Für die Betriebe also ein Minusgeschäft. Dabei gibt es mittlerweile bereits mehrere Konzepte, das Kükenschreddern zu vermeiden, etwa durch Methoden, mit denen sich das Geschlecht des Kükens vor dem Schlüpfen bestimmen lässt.

Zu wenig Platz für zu viele Hühner

Auch der Platz, den die Legehennen sich teilen müssen, ist oft viel zu knapp bemessen. Erzeuger von Bio-Eiern müssen laut Vorgabe einen Quadratmeter für höchstens sechs Tiere bereitstellen. Bei Boden- und Freilandhaltung werden dagegen oft bis zu neun Hennen auf einem Quadratmeter gehalten – so erlaubt es leider auch das Gesetz – ebenfalls ein Kritikpunkt der Tester. Denn Experten empfehlen nicht mehr als sechs bis sieben Legehennen auf einem Quadratmeter.

Keine gesetzlichen Vorgaben gibt es für das Halten von Jungtieren: Auch wenn der Tierschutzbund maximal 14 Junghennen pro Quadratmeter in der Aufzucht empfiehlt, sieht die Realität oft anders aus. Hier stehen auch Bio-Eier von EZ Fürstenhof, Rewe, Edeka und Real in der Kritik.

Die enge Haltung der Tiere hat vor allem zur Folge, dass sich die Hühner nicht richtig entwickeln können und zeitlebens gestresst sind. Sie entwickeln Verhaltensstörungen, werden aggressiv, verletzen sich selbst und ihre Leidensgenossinnen. Nebst Vorwurf der Tierquälerei zieht dies auch Infektionskrankheiten mit sich, gegen die die Hennen dann behandelt werden müssen. Und das spiegelt sich zusammen mit dem Stress, dem sie ausgesetzt sind, auch in der Qualität der Eier wider.

Auch bestätigte Ökotest, dass den Hennen in den Legebetrieben beider von Aldi Süd getesteten Produkte sowie in den konventionellen Betrieben von Rewe und Lidl die Sandbäder für die Gefiederpflege fehlt. Die Hühner aus Bodenhaltung haben zudem bei drei Produkten keine Auslaufmöglichkeiten.

Schlechte Diät und nicht belegte Produktionskette

Auch bei der Ernährung der Tiere hapert es. 40 bis 60 Prozent ihrer Lebenszeit verbringen Hennen mit der Nahrungssuche. In einigen Betrieben wird jedoch ausschließlich Mehl gefüttert. Naturland und Bioland hingegen füttern auch Körner.

Weiterhin wurde kritisiert, dass über die Hälfte der Legebetriebe die Produktionskette nicht transparent genug darlegen konnten: Vor allem die Herkunft der Legehennen ist oft nicht bekannt.

Meist positive Ergebnisse in puncto Schadstoffe

Immerhin fielen die Mängel an der Qualität der Eier im Test gering aus. Lediglich Aldi Nord muss sich für einen zu hohen Dioxin-Anteil in den GutBio6-Eiern verantworten. Der gesetzliche Grenzwert für Dioxine wird dort zur Hälfte erreicht. Zu viel für die Tester. Schuld an Dioxin-Verseuchungen sind unter anderem Verunreinigungen im Futter oder aufgepickte Bodenpartikel. Dioxine können sich aber auch im menschlichen Fettgewebe anreichern und stehen im Verdacht, auch beim Menschen zu Fruchtbarkeitsstörungen zu führen.

Fazit: Vor allem Eier von Aldi fallen durch

Drei von vier getesteten Aldi-Eiern gehen mit der Note "mangelhaft" aus dem Test heraus. Das betrifft beide getesteten Sorten von Aldi Nord – die "Hofland 10 frische Eier aus Bodenhaltung" sowie die "GutBio 6 frische Bio-Eier" – und die "Landvogt 10 frische Eier aus Bodenhaltung" von Aldi Süd. Die Bio-Eier von Aldi Süd erhalten die Note "befriedigend".

Auch die "10 Frische Eier aus Bodenhaltung" von Lidl sowie die "Real Bio Frische Deutsche Bio-Eier" von Real fallen mit der Note "mangelhaft" durch.

Was kann ich tun, um gute Eier zu kaufen?

Das Nonplusultra sind natürlich Eier vom Biobauern, bei dem Sie die Hühner direkt beim Freilaufen beobachten und sich von einer guten Haltung überzeugen können. Leider ist das nicht jedem von uns möglich. Aber es gibt noch ein paar Dinge, auf die Sie achten können:

  • Schauen Sie sich den auf dem Ei aufgedruckten Code genau an. Dieser informiert, ob das Ei aus Käfig-, Boden-, Freiland- oder Bio-Haltung kommt, in welchem Land es gelegt wurde und von welchem Betrieb es stammt. Ein Bio-Ei erkennen Sie an der ersten Ziffer 0. Freilandeier haben als erste Ziffer die 1. Auf Bodenhaltung und vor allem auf Käfighaltung sollten Sie verzichten. Dann folgt der Ländercode: DE steht für Deutschland. Am Ende steht die Erzeuger-Kennnummer. Bei denen stehen die ersten beiden Zahlen für das Bundesland (Schleswig-Holstein (01), Hamburg (02), Niedersachsen (03), Bremen (04), Nordrhein-Westfalen (05), Hessen (06), Rheinland-Pfalz (07), Baden-Württemberg (08), Bayern (09), Saarland (10), Berlin (11), Brandenburg (12), Mecklenburg-Vorpommern (13), Sachsen (14), Sachsen-Anhalt (15) und Thüringen (16)). Mehr erfahren können Sie auch über die App "KAT Eiercode" oder auf der Website was-steht-auf-dem-ei.de.
  • Gefärbte Eier aus dem Supermarkt müssen übrigens nicht deklariert werden. Meist handelt es sich allerdings um Eier aus der ganz schlechten Käfig-Haltung, weil die einfach am günstigsten sind. Also: lieber Bio-Eier kaufen und selbst Ostereier färben! Macht dazu auch noch Spaß!
  • Achten Sie auf Bio-Siegel, etwa das deutsche Bio-Siegel ("BIO" im Sechseck) oder das EU-Bio-Siegel (ein weißes Blatt auf grünem Hintergrund). Das sollte als Minimum vorhanden sein.
  • Wird auf der Pappschachtel zudem darauf hingewiesen, dass die Eier ohne Kükenschreddern auskommen bzw. dass männliche Küken aufgezogen werden? Super!
  • Schauen Sie auf die Gewichtsklasse. XL-Eier sind eine Qual für Hühner!

Übrigens liegt das Haltbarkeitsdatum von Eiern bei maximal 28 Tage nach dem Legedatum. Jedoch sind viele Eier darüber hinaus genießbar. Ein guter Tipp, um herauszufinden, ob das Ei noch gut ist, ist der Wassertrick: Füllen Sie ein hohes Glas mit Wasser und legen Sie das intakte Ei vorsichtig hinein. Sinkt es zu Boden und legt sich seitlich, ist es noch gut. Stellt es sich auf dem Boden auf, ist es auch noch genießbar, sollte aber schnell gegessen und am besten auch gut durchgekocht/gebraten/gebacken werden. Schwimmt es hingegen, sollten Sie es entsorgen.

Ökotest – sowie auch wir von BILD der FRAU – empfehlen Ihnen, sowohl beim Eier färben als auch das ganze Jahr über auf Bio-Eier zurückzugreifen, die auf das Kükenschreddern verzichten. Den Test finden Sie hier. Infos über Verkaufsstellen gibt es etwa bei der Bruderhahn Initiative.

Wie es auf einem Biohof zugehen kann, auf dem sich um das Wohl der Tiere gekümmert wird? Biobauer Christian Riedel im Interview: Diese Hühner sind glücklich

Mehr Tests gesucht? Schauen Sie auf unserer Themenseite zur Stiftung Warentest vorbei! Noch weitere Infos zu LIDLund ALDI ? Dann durchstöbern Sie auch gerne diese Themenseiten!

Coronavirus: Das alles sollten Sie jetzt wissen

Coronavirus: Das alles sollten Sie jetzt wissen

Beschreibung anzeigen