22.03.2019

Wie können wir umdenken? Weltwassertag 2019: Hilfe, unser Wasser wird knapp!

Mi, 27.03.2019, 17.34 Uhr

Tipps zum Wasser sparen im Alltag

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Wasser ist lebenswichtig. Das wissen wir alle. Und doch wird damit viel zu oft verschwenderisch umgegangen – während andere Durst leiden. Warum der bewusste Umgang mit Wasser zwar nicht so einfach, aber umso wichtiger ist, und was jeder im Kleinen tun kann, führt der Weltwassertag vor Augen.

Am 22. März ist Weltwassertag – ein Tag, der in der Bevölkerung weltweit das Bewusstsein für Trinkwasser und dessen weiten Weg zu uns fördern soll. Wo kommt unser Trinkwasser eigentlich her? Warum leiden so viele Menschen weltweit unter dem Mangel an Trinkwasser? Und wie können wir auch schon im Kleinen unterstützen und etwas dafür tun, dass jeder Mensch auf der Welt mit dem Lebenselixier versorgt ist?

Einige Unternehmen haben sich dieser Sache angenommen und arbeiten als sogenannte "soziale Marken" darauf hin: ein Umdenken zu erreichen, nicht nur beim Verbraucher, sondern auch im Handel selbst und bei Großkonzernen. Denn die Wasserproblematik geht uns alle an.

Der Weltwassertag: Mehr Bewusstsein für den Luxus Wasser

Trinkwasser ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Wir können den Wasserhahn aufdrehen und es direkt genießen. Auch der Weg in den Laden ist nicht weit. Dort erwarten uns mittlerweile unzählige Marken an Wasser – still, mit wenig oder viel Kohlensäure, sogar mit Geschmack.

Diesen Luxus können sich bei weitem nicht alle Menschen auf der Welt leisten. In vielen Gegenden gibt es keine ausreichende Wasserversorgung, oft fehlt ein Anschluss an Trinkwasser gänzlich. Die Wege zum einzigen Brunnen in der Umgebung sind weit, das Wasser oft nicht einmal gereinigt. Die erschreckende Zahl: Weltweit haben 2,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Das ist mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung.

Das Kuriose: Das ist sogar in Gegenden der Fall, in denen große Grundwasservorkommen in Fabriken aufbereitet werden – um anschließend in ganz anderen Teilen der Welt teuer verkauft zu werden. Den Menschen vor Ort hilft das nicht. Sie können sich das teure Flaschenwasser nicht leisten, müssen auf nicht gereinigte Quellen zurückgreifen. Krankheiten und Wassermangel resultieren.

"Aber was können wir schon tun? Und warum?"

Warum wir, die wir ja selbst kein Problem mit der Wasserversorgung haben, auch umdenken sollten? Weil es eine Sache der Menschlichkeit ist. Und auch, weil es uns selbst irgendwann treffen könnte – vielleicht sogar früher als gedacht:

In den vergangenen heißen Sommern hat man es sogar am eigenen Leib spüren können. Selbst bei uns wurde stellenweise das Trinkwasser knapp. Und auch die Versorgung mit anderen Konsumgütern wird dann schwierig. Etwa durch erschwerten Transport, weil Flüsse zu wenig Wasser führen. Oder aufgrund knapper Ernten, weil Felder nicht mehr zu Genüge bewässert werden können.

Damit hierzulande jeder versorgt bleibt, heißt es gerade im Sommer: Lediglich so viel Wasser nutzen, wie nötig – sonst kommen auch die Klär- und Aufbereitungsanlagen nicht mehr hinterher. Vollbäder braucht im Sommer keiner. Beim Duschen und auch beim Händewaschen das Wasser beim Einseifen abstellen. Die Toilettenspülung lässt sich an vielen Toiletten heute auf sparsamen Verbrauch einstellen. Und das Auto muss nicht zwingend alle drei Wochen gewaschen werden – um nur ein paar Tipps zu nennen.

Auch selbstgemachtes Waschmittel schont die Umwelt und hält das Wasser sauberer Sowieso hilft ein auch ein Einlesen in die Thematik "richtig Wäsche waschen" auch beim Wasser sparen.

Ein Ansatz, wie jeder helfen kann

Aber auch über andere Wege können wir helfen – sogar weltweit. Und dabei helfen auch die "Größeren". Den konsumorientierten Großunternehmen und der Problematik Wasserknappheit stehen mittlerweile eine Reihe sozial eingestellter Marken gegenüber, darunter Start-ups wie share oder Fördervereine wie Viva con Agua.

Sie geben uns, die wir einen einfachen Zugriff zu sauberem Trinkwasser und zu Konsumgütern haben, einfache Unterstützungsmöglichkeiten an die Hand. Und sogar, wie wir helfen können, ohne selbst zurückstecken zu müssen.

share trifft den Nerv

Das Unternehmen share existiert seit nunmehr einem Jahr. Die Gründer hatten sich damals auf die Fahne geschrieben, mit verkauftem Wasser Brunnen zu bauen und mit dem Erlös von Müsliriegeln sowie Seife Mahlzeiten und Hygienemittel an Bedürftige zu spenden – und zwar nach dem 1+1-Prinzip: Wer einen Müsliriegel kauft, spendet eine vollwertige Mahlzeit.

Im Verkauf arbeitet share mit Rewe und dm zusammen – und konnte in einem Jahr damit Erfolge erzielen, mit denen wohl anfangs die wenigsten gerechnet haben. Innerhalb dieses einen Jahres konnten aufgrund der Menge der verkauften Wasserflaschen bereits 51 Brunnen in verschiedenen Ländern gebaut werden. Damit werden 5.725.859 Tage Trinkwasser gewährleistet. Anders aufgezogen: 798 Schulen und Kindergärten konnten bereits unterstützt werden. Inzwischen spendet alle zwei Sekunden jemand mit dem Kauf eines Produktes von share. Über acht Millionen Hilfeleistungen haben diese Spender – vielleicht auch Sie schon – damit möglich gemacht.

Mittlerweile erweitert share sein Produktportfolio sukzessive. Dazugekommen sind unter anderem Schokoladen. Das Tolle dabei: Zwar handelt es sich bei den vertriebenen Produkten in gewisser Weise um Luxusgüter. Die aber werden nicht teurer verkauft als andere, ähnliche Marken. Zudem lassen sich die Spenden verfolgen. Über einen Code auf der Verpackung können wir im Internet sehen, wo genau die Hilfe ankommt.

Und wer hilft sonst noch so?

Aber nicht nur mit dem Kauf der share-Produkte können wir als Verbraucher helfen. Eine Reihe weiterer Organisationen hat sich der weltweit faireren Verteilung von Trinkwasser verschrieben – nicht nur zum Weltwassertag, sondern das gesamte Jahr über:

  • Viva con Agua: Gemeinnütziger Verein, fördert Wasserprojekte und Aktionen im In- und Ausland, um Menschen weltweit Zugang zu sauberem Trinkwasser zu gewähren. Gesammelt wird unter anderem bei Aktionen auf Konzerten. Zudem arbeitet der Verein mit Schulen und Universitäten sowie mit verschiedenen Unternehmen zusammen. Wasserprojekte werden u.a. in Äthiopien, Nepal, Indien und Ruanda gefördert.
  • Stop the water while using me!: Hamburger Kosmetik-Marke – verwenden so wenig Wasser wie möglich für die Produktion, sprechen ihre Kunden an, selbst Wasser zu sparen (Stichwort Einseifen und Wasserhahn zudrehen) und bringen einen Teil der Erlöse in Gegenden, in denen Trinkwasser Mangelware ist. Unter anderem wurde bereits ein Wasserkiosk in Madagaskar gebaut und Nebelnetze in Tansania angelegt, die Nebel in Trinkwasser für Schulkinder umwandeln.
  • Soulbottles: Spenden einen Euro pro verkaufter Flasche an Viva con Agua und das WASH-Projekt (Water Sanitation Hygiene) der Welthungerhilfe in Nepal.
  • Drink & Donate: Arbeiten u.a. mit Restaurants zusammen, die statt weit transportiertem Flaschenwasser einfach Leitungswasser ausschenken und Einnahmen teils als Trinkwasserspende weitergeben.
  • Charitea: Unterstützen mit den Einnahmen verkaufter Tees und Softdrinks gemeinnützige Sozialprojekte in Südafrika, Sri Lanka und Lateinamerika. Konnten damit bereits über 3 Millionen Euro für Schulen, Solarprojekte und weitere Initiativen sammeln.

Dass sozial bewusster Konsum in unseren Köpfen ankommt, beweisen auch andere Marken:

  • WADO: Der Sneaker-Hersteller pflanzt für jedes verkaufte Paar Schuhe zwei Bäume und trägt damit zur Sauerstoffversorgung unseres Planeten bei.
  • Einhorn: Die Kondom-Marke, die mittlerweile auch Hygieneprodukte für Frauen vertreibt, investiert die Hälfte ihrer Einnahmen in soziale Projekte – etwa für faire Arbeitsbedingungen im Kautschukanbau (der bei der Kondomherstellung ja nicht zu unterschätzen ist) oder Menschenrechtsprojekte.

Und was soll jetzt der Weltwassertag?

Im Jahr 2019 steht der Weltwassertag übrigens unter dem Motto "Niemanden zurücklassen – Wasser und Sanitärversorgung für alle". Damit spiegelt auch das Motto die Bemühungen der sozialen Unternehmen und Organisationen wider.

Mit dem jährlich zelebrierten Weltwassertag soll vor allem die breite Öffentlichkeit auf die Ziele der Vereinten Nationen im Hinblick auf die weltweite Wasserversorgung sowie deren lokale Bedeutung – im Grunde also auf die Bedeutung des Wassers als Lebensgrundlage für die Menschheit – aufmerksam gemacht werden. Ausgerufen wurde er erstmals 1993 von der UNESCO.

Unser Trinkwasser ist begrenzt

Wir dürfen nicht vergessen: Auch wenn es nicht so aussieht, Trinkwasser ist eine begrenzte Ressource, die weltweit immer knapper wird. Zwar sind zwei Drittel der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt – über 97 Prozent davon sind allerdings Salzwasser, das zum Trinken ohne teure Aufbereitung nicht genießbar ist. Von den rund zweieinhalb Prozent Süßwasser stecken wiederum etwa zwei Drittel in Gletschern und in den Eiskappen der Pole. Das andere Drittel lagert in unterirdischen Grundwasservorkommen. Nur 0,3 Prozent des Süßwassers füllt oberflächlich Seen, Flüsse und Bäche.

Aufgrund unseres hohen Bevölkerungswachstums und der auch damit verbundenen steigenden Abfallproduktion sowie dem Klimawandel wird es immer schwieriger, das wenige verfügbare Süßwasser auf Trinkqualität aufzubereiten. Diverse Großkonzerne tun ihr Übriges – und zapfen Trinkwasser aus Grundwasservorkommen etwa in Teilen Afrikas ab, in denen ebendiese Vorkommen im Vergleich nur klein sind – um es bei uns teuer zu verkaufen. Obwohl wir einfach nur den Wasserhahn aufdrehen müssen. Die Menschen vor Ort hingegen haben diesen Wasserhahn meist nicht, können sich das teure Wasser nicht leisten, leiden gleichzeitig unter trockenem Klima. Aussagen wie "Wasser ist kein Grundrecht" erschrecken. Und wir finden: doch. Wasser sollte ein Grundrecht sein. Für jeden.

Zu viel Menschheit für zu wenig Wasser

Gleichzeitig schwimmen wir hier sozusagen im Wasser. Noch. Um das einmal vor Augen zu führen: Der Verbrauch an Wasser hat sich weltweit in den vergangenen 100 Jahren fast verzehnfacht, sagen die Vereinten Nationen. Die Bevölkerungszahl hat sich währenddessen mehr als verfünffacht.

Es ist an der Zeit, umzudenken. Im Großen wie im Kleinen. Auch wir als Verbraucher können unseren Beitrag leisten, alleine mit den wassersparenden Haushaltstipps ist schon ein wichtiger Anfang gemacht. Lassen wir uns unser wertvolles Trinkwasser gemeinsam bewahren – für alle. Für Mensch, für Tier, für Pflanzenwelt überall auf der Erde. Denn wir haben nur diesen einen Planeten.

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Auch anderweitig lässt sich helfen. Denn nicht nur an Wasser fehlt es vielen Menschen auf der Welt. Auch hierzulande gibt es viele, die von Armut betroffen sind. Vor allem Kinder leiden darunter. Aktionen wie "Deutschland rundet auf" helfen mit Online-Shopping und im Laden gegen Kinderarmut. Und immer öfter hört man von Lebensmittelmärkten, die "Food-Sharing" ausprobieren und nicht mehr verkäufliche Lebensmittel verschenken.

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