26.03.2019

Ratgeber für Eltern und Lehrer Mobbing in der Schule: Was tun, wenn das eigene Kind zum Opfer wird?

Mobbing ist in Schulen weit verbreitet. Aber was tun, wenn das eigenen Kind zum Opfer wird? Oder Mobbing-Attacken in der Klasse zum Alltag werden?

Foto: iStock/Ridofranz

Mobbing ist in Schulen weit verbreitet. Aber was tun, wenn das eigenen Kind zum Opfer wird? Oder Mobbing-Attacken in der Klasse zum Alltag werden?

Mobbing gehört in der Schule zum Alltag und ist weit verbreitet, das belegen aktuelle Studien. Aber was tun, wenn das eigene Kind betroffen ist? Und wie können Eltern und Lehrer die Situation beenden? Ein Experte gibt Rat.

Jedes sechste Kind in Deutschland ist einmal in seiner Schulzeit mobbingartigen Angriffen ausgesetzt, das ist das Ergebnis der aktuellen Pisa-Studie. Die schmerzhaften Erlebnisse belasten die Betroffenen oft noch viele Jahre. Dabei fängt es meist verhältnismäßig "harmlos" an. Zum Beispiel mit einem Spruch unter der Gürtellinie oder einem Augenverdreher. Mit der Zeit wenden sich Freude ab, das Opfer erlebt ein Gefühl der Isolation.

Thomas Dürst, Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut aus Berlin, beantwortet die wichtigsten Fragen zu Mobbing in der Schule – und der Experte erklärt, wie sich Eltern und Lehrer in solchen Fällen am besten Verhalten.

Mobbing in der Schule

Was ist Mobbing und wie kann es gestoppt werden?

Dürst: Mobbing an Schulen ist in dem Sinn kein neues Phänomen, da es sich um ein Gruppenphänomen handelt, wo es um Macht und Ohnmacht geht. Diese Gruppendynamik ist in Schulen ebenso präsent wie in an vielen Arbeitsplätzen und Freizeitgruppierungen; es ist unabhängig von Alter und Bildung. Mobbing ist ein Prozess, der durch körperliche oder verbale Gewalt und Unterdrückung gekennzeichnet ist und über einen längeren Zeitraum anhält.

Mobbingopfer leiden unter dieser verbalen, psychischen oder körperlichen Gewalt und fühlen sich gegenüber dieser meist ohnmächtig ausgeliefert. Sie gehen ganz unterschiedlich mit der Situation um, deshalb ist Mobbing so schwer zu erkennen. Viele Kinder ziehen sich zurück, wenn sie gemobbt werden. Sie sind massiv unter Druck und trauen sich nicht, irgendwem von ihren Problemen zu erzählen.

Wann sollten Eltern hellhörig werden?

Wenn sie eine Veränderung an ihrem Kind feststellen, sollten Eltern nachfragen. Das können beispielsweise wechselhafte Stimmungen sein, wenn das Kind plötzlich aggressiv reagiert oder sehr still wird – oder es nicht mehr in die Schule gehen mag. Mobbing kann aber auch körperliche Auswirkungen haben. Leidet das Kind unter ständigen Kopfschmerzen und Bauchschmerzen sollten Eltern aufhorchen.

Warum mobben Menschen sich gegenseitig?

Es geht dabei vor allem um Macht. Man will selber gut dastehen, den anderen schlecht aussehen lassen. In jeder Gruppe gibt es Menschen, die nach Macht streben und Menschen, die sich unterordnen. Das ist ganz normal. In einer Gruppe oder auch in einer Klasse nimmt jeder eine Rolle ein.

Wie kann Mobbing gestoppt werden?

Ein von Mobbing betroffenes Kind wird sein Problem nicht alleine lösen können. Das geht in der Regel nur mit der Macht Unterstützung der Gemeinschaft bzw. der Mehrheit. Um Mobbing in der Schule zu stoppen, sollten alle Klassenmitglieder einbezogen werden – auch die "Täter". Ziel muss es sein, dass jeder in der Klasse in seiner Rolle akzeptiert wird. Dabei können sich die Schüler gegenseitig helfen.

Hier sind vor allem die gefragt, die bisher eine neutrale Rolle eingenommen haben. Sie können dafür sorgen, dass ein Opfer aus seiner aktuellen Rolle ausbrechen kann. Wenn niemand die Täter unterstützt, dann macht Mobbing keinen Sinn mehr. Und wo es keine Opfer mehr gibt, da gibt es auch keine Täter.

Die Rolle der Eltern bei Mobbing

Wie sollten sich Eltern verhalten, wenn sie denken, dass ihr Kind gemobbt wird?

Eltern sollten natürlich immer ein offenes Ohr für ihre Kinder haben und eine vertrauensvolle Basis zu ihrem Kind aufbauen. Mobbing-Opfer brauchen meist sehr lange, bis sie jemand ihr Leid anvertrauen. Wenn sie darüber reden können, ist dies oft eine große Entlastung, weil sie sich nicht mehr ganz alleine fühlen.

Was können Eltern tun, wenn ihre Kinder gemobbt werden?

Nur Erwachsene können Mobbingprozesse zwischen Kindern unterbrechen. Wenn Eltern feststellen, dass ihr Kind gemobbt wird, sollten sie am besten die Schulleitung oder die Lehrer einschalten. Da beim Mobbing nicht nur – wie eben schon beschrieben – die Täter und die Opfer entscheidend sind, sollten Eltern nicht selbst aktiv werden und den Täter bzw. seine Eltern kontaktieren. Dadurch würde der Täter nur noch mehr Aufmerksamkeit bekommen. Das Problem sollte im Klassenverbund besprochen und gelöst werden. Eltern können ihren Kindern in dieser Situation nur unterstützend beiseite stehen und ihnen Zuspruch geben.

Wussten Sie, dass Schmerzen auch durch Gefühle verursacht werden können? Erfahren Sie hier mehr über Psychosomatik.

Welche Rolle spielt die Schule bzw. die Lehrer?

Die Lehrkräfte haben natürlich eine wichtige Rolle, wenn es um Mobbing in der Schule geht. Für sie kommt es darauf an, Zeit in ein Klassenklima zu investieren, in dem sich jeder wohlfühlt und gut lernen kann. Sie sollten ein gutes soziales Miteinander schaffen, jedes Kind im Klassenverbund sollte so akzeptiert werden, wie es ist. Die Schüler sollten Acht geben aufeinander. Sollte doch jemand unterdrückt und degradiert werden, müsste jeder einzelne den Mut aufbringen, einzuschreiten. Jedem Kind sollte bewusst gemacht werden, dass es selbst zum Opfer werden kann und deshalb die Gemeinschaft so wichtig ist.

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Thomas Dürst arbeitet als Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut in Berlin. Seine Spezialgebiete sind vor allem psychosomatische Erkrankungen, Burnout-Symptomatiken und sowie Angst- und Depressionserkrankungen. Mehr Informationen über Herrn Dürst und seine Kontakt-Daten finden Sie auf seiner Website.

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Mobbing kann krank machen. Erfahren Sie hier mehr über Depression.

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