13.02.2019

Toller Auftritt in TV-Sendung "Mit dieser Rente kommt keiner zurecht": Putzfrau kanzelt Politiker ab

"Respekt für Rentner oder Wahlgeschenk: Was bringt die neue Grundrente?": Zu Gast bei Frank Plasberg waren unter anderem (v.l.n.r): Hubertus Heil (SPD, Bundesminister für Arbeit und Soziales), Verena Bentele (Präsidentin des Sozialverbands VdK) und Susanne Holtkotte (Reinigungskraft in einem Krankenhaus).

Foto: WDR/Thomas Ernst

"Respekt für Rentner oder Wahlgeschenk: Was bringt die neue Grundrente?": Zu Gast bei Frank Plasberg waren unter anderem (v.l.n.r): Hubertus Heil (SPD, Bundesminister für Arbeit und Soziales), Verena Bentele (Präsidentin des Sozialverbands VdK) und Susanne Holtkotte (Reinigungskraft in einem Krankenhaus).

In Frank Plasbergs TV-Sendung "Hart aber fair" ging es diesmal hoch her: Zum Thema Grundrente war auch eine Putzfrau zu Gast, die vor allem die anwesenden Politiker in den Senkel stellte...

Was für ein Großreinemachen: In der TV-Sendung "Hart aber fair" hat eine Putzfrau für Furore gesorgt – und den anwesenden Politikern, vor allem Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD), in Sachen fairer Lohn, Grundrente und Bedürftigkeitsprüfung so richtig die Meinung gegeigt.

Putzfrau in TV-Sendung "Hart aber fair" über ihre Rente: Damit kommt keiner zurecht

Arbeits- und Sozialminister Hubertus Heil wird von Talkmaster Frank Plasberg mit den Worten "Galionsfigur der SPD" abgekündigt, der mit der Respektrente, wie die von ihm geforderte Grundrente auch genannt wird, angetreten ist, um Menschen im Alter vor Armut zu bewahren. Denn wer immer viel gearbeitet hat, aus dem Billiglohnsektor aber nicht herausgekommen ist, soll später nicht auch noch mit Minirenten abgespeist werden.

Das findet auch Susanne Holtkotte, Jahrgang 1970. Die ehemalige Verkäuferin und Altenpflegehelferin arbeitet jetzt als Reinigungsfachkraft in einem Krankenhaus in Bochum. Und sie antwortet mit einem bitteren Lachen auf die Frage von Frank Plasberg, ob sie mit ihrer Rente, wie sie sich momentan darstellt, zurechtkommen würde: "Mit 715 Euro? Nein. Da kommt ja keiner mit zurecht."

Würde die Grundrente kommen, würde sie das zwar ruhiger schlafen lassen – aber nur ein bisschen. Denn ihre Rente würde dann auf 1002 Euro aufgestockt. Immer noch zu wenig – und vor allem brutto. "Dann muss man ja gucken, ob man dann wieder an der Grenze zur Grundsicherung ist, dann beißt sich die Katze ja wieder in den Schwanz." Denn dann müsse sie ja wieder aufstocken lassen.

Darum geht es bei der Grundrente

"Respekt für Rentner oder Wahlgeschenk auf Kosten der Jungen: Was bringt die neue Grundrente?" So lautet das Thema der Sendung "Hart aber fair" – worum es dabei eigentlich geht, erfahren Sie hier:

Darum ist die Grundrente so umstritten – und das bringt sie

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Vernünftige Löhne müssen her

Wer auf Grundsicherung – Frank Plasberg nennt es "Alters-Hartz IV" – angewiesen ist, muss sich einer Bedarfsprüfung unterziehen. Das findet Susanne Holtkotte überhaupt nicht in Ordnung: Es sei das gute Recht eines jeden, sein Angespartes auszugeben und zu behalten, ohne dass es irgendwo angerechnet wird.

"Es ist eine Frechheit, dass die Menschen so bestraft werden", sagt sie weiter, dass das hart ersparte Geld auf der hohen Kante, das im Laufe eines langen Arbeitslebens zusammenkam, der Bedürftigkeitsprüfung zu Grunde liegen soll. "Die tun ja was für ihr Alter", sagt sie. Warum es ihnen also wegnehmen, indem es angerechnet wird?

Der Grundgedanke ist einfach schon falsch, sagt Susanne Holtkotte: "Wir brauchen vernünftige Löhne, dann zahlen die Leute auch vernünftig in die Rentenkasse ein". Ohne Lohnsteigerung, so die Putzfrau, wird die Debatte immer wieder geführt werden.

Keine Kompromisse – und mal den Job tauschen

Hubertus Heil rät sie, bei der Grundrente keine Kompromisse einzugehen: "Konzepte werden ja immer erstellt, es gibt immer irgendwelche schlauen Ideen, das ist aber nichts Neues, das gibt es schon 20 und 30 Jahre". Es passiere eben immer nichts. Und Recht hat sie: Vollmundige Pläne, um kümmerliche Renten aufzustocken, gab es in den vergangenen Jahren immer wieder – umgesetzt wurde davon nichts!

Versöhnlicher Schluss: Hubertus Heil und Susanne Holtkotte wollen gerne mal für einen Tag den Job tauschen – der Arbeitsminister würde sich dann den harten Putzalltag in der Klinik anschauen, während die Reinigungskraft einen Einblick in Heils Ministerium bekommen soll. Hubertus Heil sagte dazu im Interview mit "Bild": "Susanne Holtkotte wird mich in Berlin einen Tag begleiten und sich meinen Arbeitsalltag anschauen. Und andersherum werde ich sie in Bochum besuchen und mit ihr einen Tag gemeinsam arbeiten."

Wir sind gespannt, ob daraus etwas wird. Wenn dem Arbeitsminister wirklich an einer gerechten Rente gelegen ist, sollte er sich einen Einblick in den harten, schlecht bezahlten Joballtag am Beispiel von Putzkräften verschaffen. Das wäre ein Anfang!

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