10.01.2019

Aufregen lohnt sich nicht Zu Yann Moix' Aussage, Frauen über 50 nicht lieben zu können – na und?

Da hat Yann Moix mit seiner Aussage, er könne Frauen über 50 nicht lieben, aber für reichlich Aufregung gesorgt. Lohnt sich aber nicht, finden wir...

Foto: imago/PanoramiC

Da hat Yann Moix mit seiner Aussage, er könne Frauen über 50 nicht lieben, aber für reichlich Aufregung gesorgt. Lohnt sich aber nicht, finden wir...

Der Franzose Yann Moix sagt, er sei nicht imstande, Frauen über 50 zu lieben. Wir finden diese Aussage weniger empörend, sondern vielmehr bedauernswert – für ihn. Warum, lesen Sie hier.

Seit zwei Tagen ist Yann Moix, französischer Regisseur und Autor, in aller Munde: der 50-Jährige hat sich mit einer Aussage jede Menge Empörung eingehandelt. Die besagt im Wesentlichen, dass er nicht imstande sei, Frauen über 50 zu lieben. Warum? Weil er jüngere Frauen bevorzuge.

Eigentlich ist dazu jetzt schon genug gesagt worden. Soll BILD der FRAU jetzt auch noch auf den Zug aufspringen? Ja. Weil wir unserer Leserschaft – überwiegend Frauen, viele über 50 darunter – zumindest das mit auf den Weg geben wollen: bitte nicht darüber aufregen! Das ist es doch gar nicht wert. Wir sagen Ihnen, weshalb wir das so sehen.

Yann Moix mag Frauen über 50 nicht lieben: verwechselt er nicht Liebe und Sex?

"Mit 50 Jahren bin ich nicht in der Lage, eine Frau mit 50 zu lieben", sagte Moix im Interview mit dem Magazin "Marie Claire". Und fährt fort: "Ich bevorzuge die Körper junger Frauen, das ist alles." Okay. Das ist sein gutes Recht, so zu denken.

Was bei uns hängenbleibt, ist: Hat der arme Mann keine Frau, die er liebt? Oder verlässt er die Liebste, sobald sie älter wird? Wer seinen Partner liebt, wird in der Regel zusammen älter und irgendwann alt – kennen Sie jemanden, der glücklich in seiner Beziehung ist und den Partner dennoch verlässt, weil er nicht mehr jung und knackig ist? Wir nicht – Kurzschlusshandlungen in der Midlife-Crisis einmal ausgenommen. Yann Moix verwechselt also offenbar schlicht Liebe mit Sex – möglicherweise, weil er gar nicht weiß, was Liebe ist. Und das ist irgendwie traurig.

Alt zu werden fällt allen schwer – ein alter Hut

"Der Körper einer 25-Jährigen ist außergewöhnlich. Der Körper einer 50-Jährigen ist überhaupt nicht außergewöhnlich" – auch das sagt Yann Moix. Was heißt das? Junge Körper sind grundsätzlich außergewöhnlich, so ganz pauschal? Uff, da fallen einem spontan aber nun wirklich viele Gegenbeispiele ein. Und es gibt sensationelle Ü-50-Körper. Aber egal, auch diese Aussage sei dem Schriftsteller zugestanden.

Fakt ist: Wir wären alle gerne immer jung und knackig, sind wir aber eben nicht – und zwar alle nicht. Die eine sieht vielleicht länger frischer aus als die andere, der eine verliert sein Haar früher als der andere. Was soll's: Das sind Symptome, das Alter bleibt dennoch. Wer das nicht akzeptiert, hat ein Problem. Was ist mit Erfahrung, Verständnis füreinander, kurz: die nötige Reife, die Menschen verbindet? Trägt das nicht mehr und länger durchs Leben? Für uns klingt die Aussage von Yann Moix nach einem Mann, der sich schwer tut zu akzeptieren, dass auch er dem Altwerden nicht entrinnen kann. Und das ist irgendwie auch traurig.

Es gibt genügend Menschen, die andere Werte schätzen

Wenden wir uns doch lieber Menschen zu, die eher auf innere Werte als die äußere Schale setzen. Glücklicherweise gibt es davon genügend. Ein sehr schönes Beispiel ist auf der populären Website Reddit zu lesen. Dort schreibt ein Irak-Veteran einer unglücklichen Frau, die ihr Äußeres nicht akzeptieren kann. Auf sehr berührende Weise baut er sie auf. Teile davon möchte man umgehend an Yann Moix weiterleiten.

Etwa den, in dem er beschreibt, dass ein Mann, der eine Frau liebe, nicht objektiv fühle und sehe. Natürlich nicht. "Es ist wie ein Filter (...) Er sieht nicht, was du im Spiegel siehst. Was er sieht, ist wunderschön und perfekt und großartig (...) Schau dir ältere Paare an, die seit Jahrzehnten verheiratet sind. Schau in die Augen dieser Männer. Okay, vielleicht schaut er auch mal einer jungen Frau in Yogapants hinterher... aber achte auf seine Augen, wenn er seine Ehefrau ansieht. Wenn du ganz genau hinsiehst, kannst du fast sehen, wie der Filter eingeschaltet wird, wenn er sie anblickt, wie dieser Filter zu wirken beginnt (...) Er sieht etwas Wunderbares." Es gibt sie, diese Männer, die so sind. Und das ist alles andere als traurig.

Fazit: Aufregen lohnt sich nicht

Und dann ist es ja auch so: jede Empörung, jedes Echauffieren über Aussagen wie die von Yann Moix ist eine willkommene Bestätigung für Menschen, die sich zu Aussagen dieser Art hinreißen lassen. Warum sie das tun, darüber lässt sich nur spekulieren. Minderwertigkeitskomplexe? Anerkennung? Geltungssucht? Angst vor dem Älterwerden? Den Verkauf des gerade erschienenen Romans ankurbeln – im Falle von Yann Moix? Wir wissen es nicht.

Es spielt aber auch keine Rolle: Wir sollten uns einfach gar nicht mit den Befindlichkeiten und polarisierenden Äußerungen dieser Menschen beschäftigen. Vielmehr sollten wir akzeptieren, dass es das gibt, immer geben wird, dennoch oder gerade deswegen hoch erhobenen Hauptes unser Ü-50-Leben genießen – und am ehesten ein kleines bisschen Mitleid für Personen empfinden, die es nötig haben, sich so ins Gespräch zu bringen. Am besten fahren wir aber, wenn sie uns einfach egal sind.

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