Aktualisiert: 24.12.2019 - 13:12

Widerruf, Umtausch und Reklamation Weihnachtsgeschenke umtauschen ohne Kassenbon? So geht's!

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Sie haben sich beim Weihnachtsgeschenk vergriffen? Keine Sorge, in vielen Fällen klappt der Umtausch ohne Kassenbon. So sind Ihre Rechte bei Umtausch, Reklamation und Widerruf.

Foto: iStock / zoranm

Sie haben sich beim Weihnachtsgeschenk vergriffen? Keine Sorge, in vielen Fällen klappt der Umtausch ohne Kassenbon. So sind Ihre Rechte bei Umtausch, Reklamation und Widerruf.

Falsche Farbe, falsche Größe, nicht den Geschmack getroffen? Zwischen den Feiertagen werden Weihnachtsgeschenke fleißig umgetauscht. Was geht und was nicht?

Das Geschenk gefällt oder funktioniert nicht? Wann kann man umtauschen oder den Kauf widerrufen? Was macht hier den Unterschied zwischen Online- und Ladenkauf? Wie lange greift eine Reklamation? Und kann man Weihnachtsgeschenke umtauschen ohne Kassenbon? Das sind Ihre Rechte!

Waren umtauschen ohne Kassenbon: Geht nicht? Geht doch!

Wer kennt das nicht: Der Kassenbon ist weg und wurde daheim vergessen und die Antwort an der Kasse ist: Ohne Kassenbon geht's nicht. Das stimmt nicht, denn wenn Sie auch anders beweisen können, wo und wann Sie die Ware gekauft haben, ist das ausreichend. Wenn Sie Kartenzahlung geleistet haben, genügt der Kontoauszug. Streng genommen reicht sogar ein Zeuge. Außerdem gibt es für Forderungen, eine Ware sei nur in der Originalverpackung zu reklamieren, keine Rechtsgrundlage.

Welche anderen Rechte stehen Ihnen bei Reklamation und Umtausch zu?

Das Widerrufsrecht beim Online-Kauf

Wer Ware im Internet gekauft hat, kann den Kauf 14 Tage lang widerrufen. Die Frist läuft erst ab dem Tag nach Lieferung und verlängert sich bis zum Ablauf des nächsten Werk­tags, wenn das Fristende auf einen Sonn- oder Feiertag fällt. Sehen Sie im Zweifel auf der Händlerseite nach. So kann der Beschenkte das Präsent entspannt ausprobieren. Bei Nichtgefallen, erklärt der Käufer beim Händler den Widerruf und schi­ckt die Ware einfach zurück.

Allerdings nur, wenn das Geschenk beim Händler gekauft wurde. Wird von privat zu privat verkauft, gilt das gesetzliche Widerrufsrecht nicht. Beachten Sie das bei ebay-Privatkäufen. Wer bei einem ebay-Händler kauft, profitiert dagegen von seinem gesetzlichen Recht. Eine E-Mail oder ein Fax reichen als Widerruf. TIPP: Fordern Sie in jedem Fall eine Eingangs­bestätigung an.

Welche Waren sind vom Widerruf ausgeschlossen?

Maßanfertigungen, Veranstaltungstickets, versiegelte Datenträger und Hygieneartikel sind vom Widerruf ausgeschlossen.

  • Wenn Waren wie Bekleidung oder Vorhänge auf Verbraucher­wunsch ange­fertigt wurden, können Sie nicht widerrufen. Wer sich aber zum Beispiel online einen PC aus Stan­dard­bausteinen zusammen­stellen lässt, kann von seinem Widerrufsrecht Gebrauch machen. Hier handelt es sich nicht um eine Maßanfertigung.
  • Veranstaltungs­tickets können nicht widerrufen werden, wenn sie termingebunden sind.
  • Versiegelte Daten­träger wie Konsolen­spiele, DVD und CD sind ebenfalls vom Widerrufs­recht ausgeschlossen, sobald die Versiegelung aufgebrochen wurde.
  • Aus Gründen des Gesund­heits­schutzes oder der Hygiene sind bestimmte Artikel nicht zur Rück­gabe geeignet. Dazu zählt auch Erotikspielzeug (Ober­landes­gericht Hamm, Az. 4 U 65/15).

Dürfen Geschenke ausprobiert werden?

Ein eindeutiges JA! Das Widerrufs­recht gilt trotz des Ausprobierens der Ware. Denn es existiert ja, weil Sie beim Onlineshopping keine Möglich­keit haben, vor dem Kauf zu testen. Wer z.B. mit einer Kaffee­maschine schon probeweise Kaffee gekocht hat, darf das! Wenn ihm das erworbene Gerät nicht gefällt, kann er von seinem Widerrufsrecht Gebrauch machen.

Wie oft darf das Geschenk ausprobiert werden?

Wie oft ausprobiert werden darf, hängt natürlich auch vom Produkt ab. Wer es über­treibt, kann die Ware zwar dennnoch zurückgeben, muss aber im Zweifel einen Wertersatz zahlen. Beispiel: Der Käufer einer online bestellten Matratze schlief darauf fünf Tage lang und erklärte anschließend den Widerruf. Die Entscheidung des Amts­gerichts: Zwei Nächte hätten zum Ausprobieren ausgereicht. Die Kaufpreissumme von 329 Euro wurde ihm zwar erstattet, allerdings musste der Käufer für die drei Tage über­mäßige Nutzung ca. 60 Euro zahlen (Az. 119 C 462/11).

Das Gesetz regelt nicht, wie weit die normale Nutzung im Einzel­fall gehen darf. Das entscheiden die Gerichte und natürlich der gesunde Menschenverstand. Um Ärger beim Widerruf zu vermeiden, sollte man mit dem Nutzungsrecht vorsichtig umgehen. Ein Kleidungsstück anzuprobieren und damit kurz herumzulaufen ist sicher etwas anderes, als mit einem intakten Schlitten in den Winterurlaub zu fahren und ihn nach der Reise wieder zurückgeben zu wollen, weil man ihn nicht mehr benötigt.

Das Umtauschrecht beim Laden­kauf

Hier haben Sie kein gesetzliches Widerrufs­recht, aber die meisten Geschäfte gewähren Ihnen­ freiwillig ein Umtauschrecht wegen Nichtgefallen, das oft länger als 14 Tage gilt. Heben Sie hierfür den Kassenbon auf. Da es hier keine gesetzliche Regelung gibt, kann jeder Händler die Konditionen selbst bestimmen. Das betrifft die Länge des Rückgaberechts und das Produkt. Unter­wäsche z.B. ist aus hygienischen Gründen oft vom Umtausch ausgeschlossen. Auch die Form der Erstattung wird individuell gehandhabt. In manchen Geschäften erfolgt diese nicht über Bargeld, sondern Wertgutscheine. Tipp: Informieren Sie sich beim Kauf im Laden vor dem Bezahlen über die Rückgabekonditionen.

Reklamation bei Online- und Laden­kauf

Das teure Technikprodukt funktioniert nicht wie versprochen? Bei Produktmängeln haben Sie beim Händler ein Reklamationsrecht von zwei Jahren. Der Verkäufer hat das Recht auf zwei Reparaturversuche. Gelingt die Behebung des Defekts nicht, können Sie ihm eine Frist setzen, treten anschließend vom Kauf zurück und erhalten dann Ihr Geld wieder.

Das Problem: Wenn sich ein Mangel erst ab dem siebten Monat nach dem Kauf zeigt, muss der Käufer beweisen, dass der Produkt­mangel schon zum Kauf­zeit­punkt latent im Gerät vorhanden war. Ein schwieriges Unterfangen. Auch ein teures Gerichts­verfahren gegen den Händler ist für Kunden ohne Rechts­schutz­versicherung in der Regel nicht empfehlenswert. Tipp: Manchmal lohnt sich dann der direkte Kontakt zum Hersteller.

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Wie man am besten gar nicht erst wegen Nichtgefallen umtauschen muss? Mit diesen Tipps vermeiden Sie Fehlkäufe.

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