07.12.2018

Zum Wohl der Tiere Darum ist eine Kastrationspflicht für Katzen sinnvoll

Die Zahl der freilebenden Katzen in Deutschland steigt stetig an. Viele Orte und Gemeinden führen deshalb eine Kastrationspflicht von Katzen ein.

Foto: VIER PFOTEN

Die Zahl der freilebenden Katzen in Deutschland steigt stetig an. Viele Orte und Gemeinden führen deshalb eine Kastrationspflicht von Katzen ein.

Immer mehr deutsche Gemeinden führen eine Kastrationspflicht für Katzen ein. Besitzern, die sich nicht daran halten, können hohe Strafen drohen. Hier gibt's die wichtigsten Fragen und Antworten zur Kastrationspflicht von Katzen.

Immer mehr Katzen in Deutschland haben keinen Besitzer, sie leben auf der Straße. Keiner kümmert sich um die Tiere. Um die Vermehrung der wildlebenden Katzen in Deutschland einzudämmen, führen immer mehr Städte und Gemeinden eine Kastrationspflicht für Katzen ein. Nach Informationen des Deutschen Tierschutzbundes gibt es bereits 671 Städte und Gemeinden mit sogenannten Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungsverordnungen für Katzen in Deutschland.

In Hannover tritt die Kastrationspflicht beispielsweise ab dem 1. Januar 2019 in Kraft. Dort müssen freilaufende Tiere künftig registiert und kastriert werden. Katzenbesitzer, die sich nicht daran halten, müssen mit Bußgeld von bis zu 5000 Euro rechnen. Ausgenommen sind Katzen, die sich ausschließlich in Wohnungen aufhalten.

Grund für die neue Verordnung ist eine Zunahme herrenloser Katzen in der Stadt. Örtliche Tierschützer schätzen die Zahl der freilaufenden Katzen alleine in Hannover auf etwa 20.000. Die Tiere vermehren sich unkontrolliert weiter. Dazu kommt, dass viele der Streuner von Krankheitserregern befallen sind, die auch für den Menschen ein Risiko darstellen können.

BILD der FRAU hat mit der Tierschutz-Organisation "Vier Pfoten" über die Kastrationspflicht von Katzen gesprochen. Eine Expertin erklärt im Interview, warum diese zum Wohl der Tiere ausgeweitet werden sollte.

Interview zur Kastrationspflicht von Katzen

Frau Stau, was halten Sie von einer Kastrationspflicht für Katzen?

Stau: Die Tierschutz-Organsation "VIER PFOTEN" setzt sich für die Einführung einer Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hauskatzen mit Freigang als das einzige Mittel zur nachhaltigen Eindämmung des Katzenelends ein.

Warum geht es den freilaufenden Tieren schlecht?

Schätzungen zufolge fristen über zwei Millionen Streunerkatzen in Deutschland ein Leben auf der Straße. Aus Tierschutzsicht ist das Leben dieser Tiere sehr bedenklich. Häufig treten Katzenkrankheiten wie Katzenschnupfen, Katzen-Aids (FIV) und Leukose (FeLV) auf sowie Parasiten. Die Tiere leiden unter der Witterung, Unterernährung, fehlender medizinischer Versorgung.

Welche Probleme können durch streundene Katzen entstehen?

Aus Sicht von Anwohnern und Behörden liegt das Problem der streunenden Katzen oft darin, dass die Tiere in Beeten und auf Spielplätzen ihr Geschäft verrichten, die Kater in der Paarungszeit laut schreien und die Tiere in Autounfälle verwickelt sind. Das Leid der Tiere ist vielen Menschen nicht bewusst, da die scheuen Katzen oft nur aus ihren Verstecken kommen, wenn keine Menschen in der Nähe sind.

Warum leben so viele Katzen in Deutschland auf der Straße?

Die freilebenden Katzen sind Nachfahren zurückgelassener oder ausgesetzter Katzen, die sich auch mit unkastrierten Hauskatzen mit Freigang paaren. Katzen sind bereits mit vier bis fünf Monaten geschlechtsreif. Eine Kätzin kann pro Jahr zwei Würfe mit durchschnittlich drei Kätzchen großziehen, die wiederum nach einem halben Jahr selbst für Nachwuchs sorgen. Die Zahl der Nachkommen von nur einer Katze steigt so nach wenigen Jahren in die Tausende.

Darum sollten Katzen kastriert werden

Warum sollten auch Hauskatzen kastriert werden?

Die Kastration der Streunerkatzen alleine reicht nicht für eine nachhaltige Stabilisation eines gesunden Katzenbestands aus. Erst durch eine Verpflichtung zur Kastration von Freigängerkatzen, lässt sich der Kreislauf nachhaltig unterbrechen.

Freilaufende Hauskatzen, die nicht kastriert sind, nehmen zwangsläufig Kontakt mit Streunerkatzen auf und tragen fortwährend zum Vermehrungsgeschehen bei. Die weitere Zunahme der Population freilebender Katzen geht also oft auf Halter zurück, deren Freigängerkatzen nicht kastriert worden sind.

Welche Vorteile hat eine Kastrationspflicht?

Mit einer Katzenschutzverordnung mit Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht sind Gemeinden langfristig in der Lage, die Katzenpopulation freilebender Katzen zu kontrollieren und somit vorbeugenden Tierschutz zu leisten. Die mit solch einer Verordnung verpflichtende Kastration dämmt die Anzahl der Streunerkatzen erheblich ein und verringert zusätzlich das damit verbundene Katzenelend.

Und welchen Sinn haben die Kennzeichnungs- und Registrierungs-Pflicht?

Die Kennzeichnung und Registrierung der Katzen ist wichtig, um die Kastration nachvollziehbar zu machen und hilft im Falle eines entlaufenen Tieres eine schnelle Zuordnung und Rückgabe an den Katzenhalter. So werden die Tierheime entlastet, die häufig am Limit Ihrer Kapazitäten arbeiten.

Die einzig nachhaltige und tierfreundliche Lösung ist das flächendeckende Kastrieren der Katzen, sowohl der weiblichen als auch der männlichen Tiere.

Kontrolle der Kastrationspflicht

Und wie kann die Kastrationspflicht kontrolliert werden?

Die Katzenschutzverordnung verpflichtet Halterinnen und Halter von "Freigängerkatzen", diese durch einen Mikrochip kennzeichnen und gleichzeitig registrieren zu lassen. Fortpflanzungsfähige Katzen dürfen künftig nur dann freien Auslauf haben, wenn sie kastriert sind.

Werden nicht kastrierte Katzen aufgegriffen und kann der Halter ermittelt werden, kann er die Auflage erhalten, seine Katze unfruchtbar machen zu lassen. Oftmals können Halter aufgegriffener Katzen wegen deren fehlender Kennzeichnung und Registrierung nicht ermittelt werden. Dann darf durch die Verwaltung oder durch Tierheime und Tierschützer die Kennzeichnung und Registrierung – und bei Bedarf auch die Kastration – durchgeführt oder veranlasst werden.

Wann muss der Besitzer eine Strafe zahlen?

Wenn Katzenhalter ihrer Pflicht nicht nachkommen, ist das eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße geahndet werden kann. Aber der Kosten- und Personalaufwand für Kontrollen und Ordnungswidrigkeitsverfahren ist hoch, deshalb setzt man auf die Einsicht der Tierhalter.

Was können Katzenbesitzer tun, wenn sie trotz Kastrationspflicht möchten, dass ihr Tier Nachwuchs bekommt?

Es gibt viel zu viele Katzen, die Tierheime sind überfüllt, da muss das Tierwohl im Vordergrund stehen und das Bedürfnis eines Einzelnen in den Hintergrund rücken. Wenn jeder Katzenbesitzer absichtlich laufend weiteren Nachwuchs produziert, dann werden wir das Katzenleid nie kontrollieren können.

Für die Zucht von Rassekatzen können auf Antrag Ausnahmen von der Kastrationspflicht zugelassen werden, sofern eine Kontrolle und Versorgung der Nachzucht glaubhaft dargelegt wird.

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Darum sollten weibliche und männliche Katzen kastriert werden

Müssen alle Katzen kastriert werden oder nur die weiblichen?

Auf jeden Fall müssen sowohl weibliche als auch männliche Tiere kastriert werden. Eine Kastration von Katzen hat viele Vorteile:

  • Kastrierte Katzen haben eine höhere Lebenserwartung und Widerstandskraft.
  • Kastrierte Kater sind weniger in Revierkämpfe verwickelt und ihre Streunerlust ist minimiert, wodurch die Gefahr von Unfällen sinkt.
  • Kastration hilft, die Ausbreitung von Krankheiten (z.B. FIV – Katzenaids) zu verhindern, da eine Ansteckung unter den Katzen meist bei Revierkämpfen oder beim Deckakt geschieht.
  • Das strengriechende Markieren durch Kater entfällt.
  • Bei Katzen sinkt das Risiko hormoneller Erkrankungen wie Zysten- und Gesäugetumore. Zusätzlich wird der Katze eine kräftezehrende Dauerrolligkeit erspart, die sich nach mehreren erfolglosen Rolligkeiten entwickeln kann.
  • Weiterer Nachwuchs bleibt aus

Können Katzen durch die Kastrationspflicht vielleicht irgendwann aussterben?

Das ist sehr unwahrscheinlich. Zunächst wird es schwierig werden, wirklich sämtliche Streunerkatzen einzufangen und zu kastrieren, da sie sehr scheu sind und eher im Verborgenen leben, so dass immer eine restliche Anzahl an unkastrierten Katzen geben wird. Mit einer Kastrationspflicht wird man die Population eindämmen und stabil halten können.

Gibt es noch andere Haustiere, für die eine Kastrationspflicht Sinn machen könnte?

In Deutschland gibt es zum Glück keine Streunerhunde mehr. Sehr viele Tierhalter sind sehr verantwortungsbewusst und kümmern sich darum, dass kein ungewollter Nachwuchs entsteht. Daher gibt es zurzeit keinen Grund eine Kastrationspflicht für andere Heimtiere zu fordern.

Hätten Sie das gedacht? So kreativ sind Hunde und Katzen, wenn sie allein zu Hause sind. Und hier erfahren Sie, was der der Name des Haustieres über den Charakter aussagt.

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