16.11.2018

Gefangen, angekettet, gequält Darum ist Elefantenreiten Tierquälerei – und kein Touristenspaß

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Elefantenreiten im Urlaub? Lieber nicht, denn oft werden die Tiere dafür geschlagen und angekettet. Lesen Sie mehr über den vermeintlichen Touristenspaß.

Foto: imago/Peter Widmann

Elefantenreiten im Urlaub? Lieber nicht, denn oft werden die Tiere dafür geschlagen und angekettet. Lesen Sie mehr über den vermeintlichen Touristenspaß.

Im Urlaub mal auf einem Elefanten reiten? Was vor allem in Asien und Afrika zum bunten Unterhaltungsprogramm vieler Touristen gehört, ist in Wahrheit eine einzige Tierquälerei. Eine junge Frau erzählt, warum.

Eigentlich wollte Adeline Fischer in Thailand den Hausgecko erforschen. Doch dann besucht die Studentin ein Elefanten-Camp, sieht das Leid der sanften Riesen – und schwört sich: "Diesen Tieren werde ich helfen." Lesen Sie hier die beeindruckende Geschichte einer Frau, die sich für den Schutz von Tieren einsetzt – und das Elefantenreiten als Tierquälerei anprangert.

Adeline Fischer: Elefantenreiten ist kein Touristenspaß, sondern Tierquälerei

Um traurige Tiere hat sich Adeline Fischer schon als Kind gekümmert: "Meine Familie wohnte gegenüber von einem Gnadenhof. Meine komplette Freizeit hab ich da verbracht, Ställe ausgemistet, mich um alle gekümmert, egal ob Pferd, Esel, Kaninchen, Hund oder Katze."

Nach dem Abitur wird die Tierliebe auch zu ihrer Berufung: Adeline studiert Wildlife Management in Holland, fliegt für ihre Bachelorarbeit über Moskitos und Hausgeckos nach Thailand. "Aus Neugier habe ich dann auch ein Elefanten-Camp besucht", erzählt sie. "Ich war so schockiert! Die Elefanten waren angekettet, wurden vor den Augen der Touristen geschlagen." Den Ritt auf einem Elefanten, ein besonders beliebter "Touristenspaß", macht die Studentin nicht mit. "Für mich war das unerträglich. Ich hab damals sofort entschieden, dass ich für die Würde dieser Tiere kämpfen will."

Gefangen, angekettet, gequält

Ein Schicksal als Beispiel: Duen Phen. Die Elefantenkuh ist 55 Jahre alt, viele davon trug sie einen Sattel auf ihrem Rücken, der ihre Haut aufscheuerte – die Narben reichen tief. Als Zweijährige kam sie in ein Elefanten-Camp, gefangen aus der Wildnis. Als Tierschützer sie entdeckten, war sie krank, ausgezehrt und musste immer noch Tricks vor Touristen zeigen. Experten von "Thai-Elephant-Refuge" kauften sie schließlich frei – heute darf Duen Phen in einem geschützten Reservat leben.

Sie musste auf der Straße betteln, schuftete davor als Trekking-Elefant. Dabei trug sie große Sättel, in denen bis zu sechs Menschen saßen. Mit schlimmsten Druckstellen und einem kaputten Rückgrat wurde sie gerade noch gerettet. "Es ist schrecklich", beschreibt Adeline Fischer das Leben der Arbeitselefanten. "Die Elefantenführer, die Mahouts, arbeiten oft mit Haken, mit denen sie die Elefanten schlagen und verletzten. Die Tiere leben angekettet, können sich kaum bewegen. Viele sind so gestresst, dass sie weben – also ständig vor und zurück schaukeln."

Erste Reiseveranstalter streichen Elefantenreiten aus ihrem Programm

Zurück in Deutschland fängt Adeline Fischer bei der Artenschutzorganisation "Pro Wildlife" an, die gerade eine Kampagne zur Rettung der Elefanten gestartet hat. "Die Ausbeutung der Elefanten ist ein Milliardengeschäft, an dem viele verdienen", klagt sie. Sie setzt dort an, wo sie am meisten erreichen kann, führt Hunderte Gespräche mit Reiseveranstaltern – und kann überzeugen: "Als Erstes hat die TUI Group Angebote mit Elefantenreiten aus ihrem Programm gestrichen." Dann reagiert auch der deutsche Reiseverband, der alle deutschen Reiseunternehmen vertritt: "In einem Info-Papier haben sie die Haltung von Elefanten für touristischen Einsatz in fast allen Fällen als nicht artgerecht und in der Regel illegal eingestuft."

Ein Riesenerfolg, für den Adeline sogar ausgezeichnet wurde – mit der "Trophée de femmes". Besonders freut sie sich über das Preisgeld: "Dafür konnten wir eine Info-Broschüre drucken und an 120 Reiseveranstalter schicken.".

Denn eines ist klar: Adeline Fischer kämpft weiter, "bis kein Elefant mehr für Touristen leiden muss".

Gibt's auch! Tourismus, der Elefanten guttut

  • Im Elephant Transit Home in Sri Lanka werden Elefanten-Waisen liebevoll aufgepäppelt – und später ausgewildert. "Sie leben in der Herde. Urlauber können zuschauen, wie sie spielen, rangeln, baden - da geht einem das Herz auf", sagt Adeline Fischer.
  • In der Wildlife Friends Foundation in Thailand haben ehemalige Arbeitselefanten wieder ein fast "wildes" Leben: "Zu sehen, wie Tiere, die so gelitten haben, wieder aufblühen – das ist unbeschreiblich", sagt Adeline Fischer. Infos: www.thaielephantrefuge.org.

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Nicht nur Elefantenreiten sollte absolut tabu sein: Lesen Sie hier, wie viel Tierquälerei hinter vermeintlichem Urlaubs-Spaß steckt, etwa wenn Affen Kokosnüsse pflücken oder Haie für Selfies herhalten müssen.

Wussten Sie, dass auch die angesagten Fisch-Spas oft reine Tierquälerei sind? Und dass leider auch hinter Büffelmozzarella brutale Tierquälerei steckt, die bereits seit Jahren bekannt ist?

Sehen Sie hier, woran Sie erkennen können, ob Tiere für die Herstellung dieser Lebensmittel leiden mussten:

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Dieser Artikel erschien zuerst in BILD der FRAU.

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