18.10.2018

Trotz sinkender Ökoumlage Der Strompreis steigt – obwohl der Ökostrom günstiger wird

Dunkle Wolken ziehen auf über den Köpfen der privaten Verbraucher: Der Strom wird wohl teurer – und das, obwohl die Kosten für Ökostrom sinken. Schuld sind unter anderem fossile Brennstoffe – aber auch noch viele Faktoren mehr.

Foto: iStock/JFsPic

Dunkle Wolken ziehen auf über den Köpfen der privaten Verbraucher: Der Strom wird wohl teurer – und das, obwohl die Kosten für Ökostrom sinken. Schuld sind unter anderem fossile Brennstoffe – aber auch noch viele Faktoren mehr.

Seit 2000 zahlen wir als Verbraucher die sogenannte EEG-Umlage für erneuerbare Energien. Der Betrag sinkt nun – und doch wird der Strom ab 2019 teurer. Woran liegt das? Und wie fallen wir bei der nächsten Stromrechnung nicht komplett aus allen Wolken?

Bisher ist sie immer gestiegen, die EEG-Umlage, die wir als Stromverbraucher schon seit Jahren als Teil der Stromrechnung zahlen müssen. Jetzt sinkt sie zum ersten Mal – und das auch noch spürbar. Doch trotzdem sollen die Strompreise im Jahr 2019 ansteigen. Warum ist das so?

Strompreise steigen wieder – aber was hat der Ökostrom damit zu tun?

Viele verschiedene Faktoren fließen in den Strompreis in Deutschland ein. Einer dieser Faktoren ist die EEG-Umlage: ein gewisser Prozentsatz, der, gesetzt durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), den Betrieb von Ökostrom produzierenden Quellen gewährleisten soll.

Woher kommt die EEG-Umlage?

Durch das EEG wird geregelt, dass bevorzugt Strom aus erneuerbaren Energiequellen ins Stromnetz eingespeist wird – vor Strom, der durch Braunkohle, Atomkraft etc. produziert wird. Die Erzeuger des Stroms aus erneuerbaren Quellen, sprich Windkraft, Wasserkraft, Solaranlagen, Biomasse oder Geothermie, erhalten dafür feste Einspeisevergütungen.

Die Netzbetreiber müssen, verpflichtet durch die Regierung, diesen Strom bevorzugt abkaufen – zu einem auf 20 Jahre staatlich garantierten Preis. Den Strom verkaufen sie an der Strombörse weiter – aber meist nicht zu dem Preis, der an die Anlagenbetreiber geflossen ist. Durch die Differenz zwischen Vergütungen an die Erzeuger und Einnahmen wird die sogenannte EEG-Umlage ermittelt. Und die wiederum wird an die Verbraucher weitergegeben.

Warum stieg die Umlage bisher – und warum fällt sie jetzt?

Bisher ist die Umlage jedes Jahr gestiegen – im Jahr 2008 lag sie noch bei 1,2 Cent, zuletzt schon bei 6,79 Cent pro Kilowattstunde, die Verbraucher anteilsmäßig zu zahlen hatten. Der jährliche Anstieg liegt daran, dass immer mehr Anlagen für erneuerbare Energien ans Netz gegangen sind. Denn so mussten die Netzbetreiber dadurch auch mehr an die Produzenten zahlen. Gleichzeitig steigt aber auch das Stromangebot an der Strombörse, was wiederum den Strompreis senkt. Dadurch aber stieg die Differenz. Eine paradoxe Situation entstand: Je geringer der Strompreis war, desto höher die EEG-Umlage.

Diese EEG-Umlage sinkt nun seit der Einführung im Jahr 2000 erstmals. Die Netzbetreiber gehen davon aus, dass der Preisanteil im Jahr 2019 auf 6,405 Cent pro Kilowattstunde sinken wird – zuzüglich Mehrwertsteuer. Aber genau das ist die Umlage eben auch nur: ein Anteil am gesamten Strompreis.

Strompreis soll trotzdem steigen – aus diesen Gründen

Dennoch werden die Strompreise im kommenden Jahr laut Schätzung des Vergleichportals Verivox flächendeckend steigen – und zwar um zwei bis fünf Prozent. Und das liegt an den vielen anderen Faktoren, die in die beim Verbraucher ankommenden Strompreise einfließen.

Der Strompreis setzt sich zusammen aus verschiedenen Umlagen, zu denen auch die EEG-Umlage gehört, aus Steuern und Abgaben sowie Produktionskosten und Netzentgelten.

Zudem sind die Preise für Strom aus fossilen Quellen zuletzt angestiegen, da der Preis für CO2-Emissionen in Europa gestiegen ist (Unternehmen wie Kohlekraftwerke müssen CO2-Zertifikate erwerben, damit sie eine bestimmte Menge des Gases ausstoßen dürfen) und zudem Gas und Kohle als Grundmittel teurer geworden sind – unter anderem aufgrund der Sanktionen der USA gegen den Iran. Zusätzlich werden die Kosten für den Anschluss der Offshore-Windparks, also Windparks auf hoher See, nun ebenfalls per Umlage eingetrieben – ab jetzt ersichtlich auf der Stromrechnung. Diese Umlage beträgt 0,416 Cent pro Kilowattstunde und wird nur von privaten Stromverbrauchern eingeholt. Industrielle Großverbraucher sind davon befreit.

Dies kritisiert auch die Verbraucherzentrale: "Das Grundlegende Problem bleibt: Der Strompreis für private Verbraucher bleibt hoch, die Stromkosten sind unfair verteilt", erklärt vzbv-Chef Klaus Müller. Viel Strom verbrauchende Industriebetriebe erhalten auf viele der Faktoren, die den Strompreis ausmachen, Rabatte.

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Netzentgelte werden teurer – Tendenz steigend

Die Netzentgelte nehmen bereits rund ein Viertel der gesamten Kosten ein – Tendenz steigend. Denn aktuell werden Stromleitungen stark ausgebaut, auch um den Ökostrom aufnehmen zu können, und es bedarf immer wieder Instandhaltungen, um das Netz zu stabilisieren.

Die EEG-Umlage wird wohl weiter sinken, denn die alten Ökostromanlagen aus den 2000er Jahren fallen ab 2020 aus der 20-jährigen Förderung, werden also über die Umlage nicht mehr abgedeckt. Dadurch wird aber das Netz teurer. Zudem müssen in Flautezeiten (Windstille, Dunkelheit & Co.) noch immer Reservekraftwerke mit fossilen Brennstoffen einspringen. Und die werden über Netzentgelte abgerechnet.

Ein wenig ist aber auch der heiße Sommer Schuld. Denn aufgrund der Hitze werden nicht nur Lebensmittel teurer. Auch mussten zum einen Kernkraftwerke oft gedrosselt werden, da das Kühlwasser aus Flüssen zu warm gewesen wäre. Und Windkraftwerke brachten nicht die erhoffte Leistung.

Kurz gesagt: Alles wird teurer – bis auf die EEG-Umlage

Im kommenden Jahr sieht es nun also kurz zusammengefasst so aus: Aufgrund der höheren Strompreise am Markt und das noch immer gut gefüllte EEG-Konto ist die Differenz in diesem Jahr nicht mehr so hoch und die EEG-Umlage sinkt.

Und dennoch werden die Endverbraucher am Ende wohl mehr zahlen müssen, denn weltweiter Energiepreis und Beschaffungskosten steigen, unter anderem weil Erdgas und Kohle teurer geworden und die Preise für Emissionszertifikate gestiegen sind. Gleichzeitig müssen die Netzbetreiber mehr Geld für den Netzausbau und Modernisierungen aufwenden. Insgesamt werden, so geht man aus, diese Kosten, die an die Verbraucher weitergegeben werden, die gesunkene EEG-Umlage überwiegen.

Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sagte dem Sender n-tv gegenüber jedoch: "Wir wissen aus der Vergangenheit allerdings, dass die Stromkonzerne sich häufig schwer tun und immer versuchen, die Preise nach oben zu bringen."

Im Kleinen sparen und selbst etwas tun

Man darf gespannt sein, wie es dann im Endeffekt im kommenden Jahr aussehen wird. Eines aber könnte Ihnen als Verbraucher schon einmal helfen – und gleichzeitig die Umwelt schonen: Am besten direkt anfangen Strom zu sparen. Dazu gibt es einige einfache Tricks, die Ihre Stromrechnung am Ende von unnötigem Verbrauch bereinigen und sie damit weitaus ansehlicher (und bezahlbarer) ausfallen lassen. Zwar hat man als Einzelverbraucher oft den Gedanken "Was kann ich alleine schon ausrichten?" Aber wenn wir alle an einem Strang ziehen, kann Großes passieren. Wie heißt es so schön? "Kleinvieh macht auch Mist". Zudem haben wir noch weitere Tipps, wie Sie im Alltag Geld sparen können.

Die Sache mit den Strompreisen ist immer auch eine Rechtliche. Benötigen Sie in anderen Themen einen Rat? Dann schauen Sie doch auf unserer Themenseite "Ratgeber Recht" vorbei.

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