19.10.2018

Verbraucherschützerin erklärt Darum sollten Sie keine Kundenkarten und Treuepunkte sammeln

Macht es Sinn Bonuskarten und Treuepunkte zu sammeln? Eine Expertin erklärt die Vor- und Nachteile für die Kunden.

Foto: iStock/Neustockimages

Macht es Sinn Bonuskarten und Treuepunkte zu sammeln? Eine Expertin erklärt die Vor- und Nachteile für die Kunden.

Fast in jedem Geschäft gibt es mittlerweile Kundenkarten und Treuepunkte. Aber was bringen diese Bonus-Systeme dem Kunden eigentlich? Eine Verbraucherschützerin erklärt die Vor- und Nachteile.

Kundenkarten, Bonus-Hefte oder Treuepunkte – mittlerweile gibt es kaum noch ein größeres Geschäft, dass kein zusätzliches Rabatt-System anbietet. Auf den ersten Blick wird dem Kunden versprochen, dass er oder sie dadurch Geld sparen kann. Aber ist das wirklich so? BILD der FRAU hat bei einer Verbraucherschützerin nachgefragt, ob es sinnvoll ist, Kundenkarten und Treuepunkte zu sammeln.

Bonuskarten und Treuepunkte sammeln: Was bringt das wirklich?

Julia Rehberg, Juristin von der Verbraucher-Zentrale Hamburg, sagt: "Dem Verbraucher bringen Kundenkarten in der Regel wenig. Die Vorteile sind oft im Cent-Bereich, das Einspar-Potential ist daher sehr gering. Vor allem, wenn man wegen der Kundenkarte immer nur in Laden A kauft. Aber in Laden B die meisten Produkte günstiger sind. Der Kunde spart dann im Endeffekt nichts durch die Kundenkarte – und zahlt im schlechtesten Fall sogar noch drauf."

Warum nutzen trotzdem so viele Verbraucher Kundenkarten und andere Bonus-Systeme?

Rehberg: "Das machen die Unternehmen natürlich ganz geschickt. Häufig ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen, wie hoch das Einspar-Potential wirklich ist. Außerdem werden die Kunden mit kleinen Geschenken oder speziellen Angeboten immer wieder in den Laden 'gelockt'. Die Kunden prüfen und vergleichen die Angebote häufig nicht mehr genau, sondern denken, dass das ein Schnäppchen sein muss. Es ist ein perfektes Kundenbindungssystem, und es funktioniert auch."

Wer am meisten von den Kunden-Karten profitiert

Die einzigen, die richtig von Kunden-Karten profitieren, sind die Unternehmen. Rehberg: "Für sie haben Bonus-Karten gleich zwei Vorteile. Die Karten sind zum einen ein sehr gutes Bindemittel, der Kunde identifiziert sich mehr mit der Marke und besucht im Idealfall häufiger das Unternehmen. Und zum anderen erfährt der Unternehmer etwas über seine Kunden, er kann mithilfe der gesammelten Daten sein Sortiment danach ausrichten oder personalisierte Werbung verschicken. Also für den Unternehmer ist das eine prima Sache."

Die Vor- und Nachteile von Treue-Punkten

Rehberg: "Auch die sogenannten Treue-Punkte sind ein perfektes Mittel, um den Kunden stärker an das Unternehmen zu binden. Wenn ich Treuepunkte sammle, dann gehe ich bevorzugt in dem Laden einkaufen, in dem es die Punkte gibt, damit ich die gewünschte Prämie irgendwann bekomme. Der große Vorteil von Treue-Punkten ist aber, dass der Kunde bei diesem System in der Regel keine persönlichen Daten abgeben muss."

Bei den angebotenen Waren einer Treue-Aktion sollte der Kunde genau hinsehen. Auch wenn ein Marken-Name auf der Ware steht, kann "die Qualität unterschiedlich sein. Es ist wohl so, dass speziell für diese Aktionen die Waren angefertigt werden, so dass man sie letztendlich nicht so richtig vergleichen kann. Wie häufig das vorkommt, das kann ich allerdings nicht sagen", so Rehberg.

Diese Rabatt-Aktionen sind zu empfehlen

Ein bestimmtes Rabatt-System kann die Verbraucherschützerin trotzdem empfehlen: "Wenn ein Laden eine Bonuskarte bzw. Stempelkarte hat, mit der beispielsweise der zehnte Kaffee umsonst ist oder es fünf Euro Rabatt auf den fünften Haarschnitt gibt. Diese Rabatt-Aktion ist komplett unbedenklich und gleich aus mehreren Gründen gut für den Kunden, wenn er diesen Laden grundsätzlich regelmäßig besucht. Denn das System ist transparent, der Kunde weiß ganz genau, was er mit der Karte sparen kann und wann er einen Bonus bekommt. Außerdem muss er keine persönlichen Daten preisgeben."

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Fazit: Nicht alle Bonus-Systeme sind schlecht, Verbraucher sollten aber genau hinsehen

Die Expertin rät, dass Verbraucher sich vorab genau überlegen sollen, für welches Unternehmen eine Kundenkarte für sie von Nutzen sein könnte. Es macht keinen Sinn Kundenkarten zu sammeln. "Denn es ist häufig so, dass man sich eine Kundenkarte holt, die aber nie benutzt wird. Alleine schon durch das Beantragen der Kundenkarte erfährt das Unternehmen viel über den Verbraucher."

Durch die Teilnahme an Bonussystemen wird der Kunde gläserner, die Weitergabe von persönlichen Daten sollte daher immer mit Bedacht geschehen. Rehberg: "Je mehr Daten man in Umlauf bringt, desto einfacher können die in falsche Hände geraten. Es kann damit Mißbrauch passieren oder Systeme können gehackt werden. Kunden sollten sich genau überlegen, bei welchen Läden sich eine Kundenkarte für sie wirklich lohnt." Und wer eine Kundenkarte über einen längeren Zeitraum nicht mehr nutzt, sollte sich von dem Bonus-System komplett abmelden, so die Verbraucherschützerin.

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