02.10.2018

Sind wir noch zu retten?! Zu viel Müll: 4 gute Gründe, um Plastik zu vermeiden

Es ist schierer Wahnsinn, wie viel Plastikmüll wir heute produzieren. Müssen denn Gurken & Co. noch eingeschweißt werden? Wie Sie effektiv Plastik vermeiden und so Ihren Müll reduzieren...

Foto: Matthias Liebich

Es ist schierer Wahnsinn, wie viel Plastikmüll wir heute produzieren. Müssen denn Gurken & Co. noch eingeschweißt werden? Wie Sie effektiv Plastik vermeiden und so Ihren Müll reduzieren...

Einzeln verpackte Äpfel, Tomaten im Plastikeimer, verschweißte Gurken: Wir alle kennen das Problem, doch wissen Sie eigentlich, warum und wie Sie Plastik vermeiden sollten und können?

Die Deutschen leben umweltfreundlich? Von wegen! Rund 220 Kilogramm Verpackungsmüll werden hier jährlich pro Kopf (!) entsorgt, der europäische Durchschnitt liegt bei 167 Kilogramm. Etwa ein Sechstel davon sind Kunststoffverpackungen – Tendenz stark steigend! Kein Wunder, bei den immer kleinteiliger verpackten Lebensmitteln. Wir haben 4 Gründe für Sie zusammengestellt, warum Sie bei Ihren Einkäufen künftig unbedingt Plastik vermeiden sollten.

Plastik vermeiden und Müll einschränken – warum?

Grund 1: Weil es eine Umweltschande ist

Einer der schwerwiegendsten Gründe, Plastik zu vermeiden, ist tatsächlich der Umweltfaktor, denn Plastik belastet das Klima gleich doppelt. Für die Produktion und Entsorgung werden Unmengen kostbarer Rohstoffe wie Erdöl verbraucht. "Unser Plastikkonsum trägt dazu bei, dass wir die Natur ausbeuten", sagt Rolf Buschmann vom BUND. "Weniger als die Hälfte der Kunststoffverpackungen wird recycelt. Der Rest landet in den Müllverbrennungsanlagen." Das Problem dabei: Die Verbrennung von Kunststoffen setzt immer noch zu viele Treibhausgase frei, die die Umwelt belasten und zur Klimaerwärmung beitragen.

Grund 2: Weil es zu teuer ist

"Wer im Supermarkt zu vorgeschnittenem Obst greift, zahlt oft doppelt drauf", sagt BILD der FRAU Haushaltsexpertin Yvonne Willicks. Beispiel Papaya: 150 g gewürfeltes Obst im To-go-Becher kosten 2,99 Euro. Dasselbe kostet eine Papaya im Ganzen, mit ca. 280 g Fruchtfleisch – also fast die doppelte Menge! Ähnlich sieht es bei Granatapfelkernen aus. Die Schale mit 80 g Kernen kostet 1,99 Euro, ein ganzer Granatapfel kostet 2,29 Euro. Dafür erhält man 170 g Kerne. "Ich empfehle, Obst und Salat am Stück zu kaufen", sagt Willicks. "Seien wir mal ehrlich: Die Papaya habe ich in fünf Minuten in Würfel geschnitten und kann sie in einer Tupperdose mitnehmen. Damit schone ich meinen Geldbeutel und die Umwelt!".

Grund 3: Weil es krank macht

"Das Problem von vorgeschnittenem Obst und Gemüse ist, dass die Schnittstellen für ein schnelles Wachstum verschiedener Mikroorganismen sorgen", erklärt Nina Banspach vom Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. In einer Untersuchung der Bundesländer konnten bei zwei Prozent der getesteten Blattsalate Listerien nachgewiesen werden, in einer anderen Untersuchung überschritten 11 Prozent der Obsthappen den Richtwert für Fäkalbakterien.

Gerade Schwangere und geschwächte Menschen sollten Produkte, die vorgeschnitten und in Plastik verpackt sind, vermeiden, denn diese können gefährliche Bakterien enthalten. "Braune Stellen und Flüssigkeit weisen bei vorgeschnittenen, verpackten Salaten auf mangelnde Frische hin. Ist die Verpackung gewölbt, hat womöglich eine Gärung stattgefunden. Im Zweifel lieber Finger weg", rät Banspach.

Grund 3: Weil es gute Alternativen gibt

"Verschiedene Supermärkte haben angefangen, Produktinformationen in Obst und Gemüse zu lasern", sagt Sylvia Ratzlaff vom WWF. "Netto praktiziert das zum Beispiel schon bei Gurken und Ingwer."

Warum werden Bio-Produkte überhaupt in Plastik verpackt? "Damit man sie gemäß Gesetz von den konventionellen Produkten unterscheiden kann. Und weil Bioware weniger verkauft wird, wird die verpackt." Der Verpackungsexperte des NABU, Benjamin Bongardt, fordert: "Die Supermärkte müssen verpflichtet werden, Plastik zu vermeiden, Obst und Gemüse lose anzubieten. Wo Plastik notwendig ist, müssen wir auf Recycelbares setzen." Die Supermarktkette Edeka testet gerade Mehrwegdosen an Frischetheken. Der richtige Weg, findet Bongardt. "Wir müssen auf Mehrweg setzen. Unsere To-go-Kultur ist Gift für die Umwelt!"

Und was ist mit vermeintlich umweltfreundlichen Alternativen wie Bambus? Davon hält der Verpackungsexperte nichts. "Ersetzen wir Plastikeinwegbesteck durch Bambus oder andere Materialien, lösen wir keine Probleme. Im Gegenteil – im schlimmsten Fall schaffen wir dadurch neue." Es gibt mittlerweile in größeren Städten auch einige Läden, die komplett auf Verpackungsmaterialien verzichten, wie z. B. "Zero Waste" in Köln.

Und das sagt die Politik ...

Wo bleibt der politische Druck auf Supermärkte, Plastik zunehmend zu vermeiden? Warum werden umweltschädliche Verpackungen nicht verboten? Maren Klein, Pressesprecherin des Bundesumweltministeriums erklärt dazu: "Der Verbrauch von Plastiktüten ist bereits seit 2016 um fast zwei Drittel zurückgegangen.

Kunststoff ist aber nicht per se schlecht. Wichtig ist, dass weniger aufwendig verpackt wird. Das Verpackungsgesetz fördert ab 2019 den Einsatz ressourcenschonend hergestellter, leicht recycelbarer Verpackungen." Ab 1.1.2019 soll die Recyclingquote von Kunststoffen von bisher 36 Prozent auf 58,5 Prozent steigen, bis 2022 auf 63 Prozent. "Die festgelegte Quote ist ein Anfang, aber wir sind noch weit entfernt von einer annähernd geschlossenen Kreislaufwirtschaft", sagt Benjamin Bongardt vom Naturschutzbund.

Drei Umwelt-Irrtümer:

  1. "Papiertüten sind besser als Plastiktüten": Eine Papiertüte benötigt in der Herstellung mehr Ressourcen als eine aus Plastik. Grundsätzlich gilt: Die Tüte, die am häufigsten verwendet wird, ist die beste.
  2. "Lieber Glas als Plastik": Glasflaschen belasten die Umwelt in der Herstellung fast um ein Viertel mehr als PET-Flaschen. Werden PET-Flaschen mehrfach verwendet, können sie sogar klimafreundlicher sein als Glas.
  3. "Bioplastik ist die Lösung": Tüten aus Bioplastik, zum Beispiel aus Maisstärke, versprechen eine besonders umweltfreundliche Entsorgung. Das Problem: Bioplastiktüten werden in der Sortieranlage noch nicht als solche erkannt. Und die scheinbar grüne Alternative wird zu langsam abgebaut, um auf den Kompost zu wandern.

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Plastik zu vermeiden, ist im hektischen Alltag oft nicht so einfach, aber bewusster mit dieser Thematik umgehen schafft jeder. Stecken Sie beispielsweise den Stoff-Einkaufsbeutel einfach immer in Ihre Handtasche statt ständig eine neue Papiertüte im Supermarkt zu kaufen. Entscheiden Sie sich bewusst für die unverschweisste statt für die mit Plastik überzogene Gurke usw.

Bereits diese kleinen Achtsamkeiten können enorm viel bewirken. Finden Sie hier noch mehr Anregungen, wie Sie ganz leicht Plastik aus Ihrer Küche verbannen können.

Auch auf unserer Themenseite Haushaltstipps sowie unter Nachhaltig leben werden Sie sicher fündig.

Übrigens:

Selbst die Royals sind in Sachen Umweltschutz äußerst bewusst. Lesen Sie dazu, wie die Queen Plastik aus dem Palast verbannt.

Nach der dramatischen Verschmutzung der Weltmeere durch nicht recycelbaren Plastikmüll plant auch die EU-Kommission ein Verbot von Plastikgeschirr.

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