21.09.2018

Elefantenritt, Hai-Selfies... So viel Tierquälerei steckt hinter vermeintlichem Urlaubs-Spaß

Von

Elefantenreiten in Südostasien: Oft werden die Tiere brutal behandelt, damit sie nicht aufmucken. Lesen Sie hier, wieviel Tierquälerei hinter vermeintlichem  Urlaubs-Spaß steckt.

Foto: imago/ZUMA Press

Elefantenreiten in Südostasien: Oft werden die Tiere brutal behandelt, damit sie nicht aufmucken. Lesen Sie hier, wieviel Tierquälerei hinter vermeintlichem Urlaubs-Spaß steckt.

Auf Elefanten reiten, sich von Affen Kokosnüsse pflücken lassen, mit Haien für Selfies posieren: was als Urlaubsspaß gedacht ist, ist in Wahrheit oft brutale Tierquälerei!

Exotischen Tieren mal ganz nahe sein! "Diese Sehnsucht steckt in vielen Menschen", sagt Adeline Fischer von der Artenschutzorganisation "Pro Wildlife". Und so buchen Touristen – oft ohne es zu ahnen – Ausflüge, Trips und Abenteuer, für die "wilde" Tiere leiden müssen. Und unterstützen damit brutale Tierquälerei, was als harmloser Urlaubs-Spaß gedacht ist.

Eisbären beobachten: eine von vielen Tierquälereien im Urlaub

Tausende Euro zahlen zum Beispiel Kreuzfahrt-Passagiere, um Eisbären zu beobachten - von so dicht dran wie möglich. Im Juli kam die "MS Bremen" auf ihrer Tour nach Spitzbergen einem Eisbär in der Arktis zu nah. Das Tier reagierte artgerecht aggressiv – ein Crew-Mitarbeiter erschoss es "aus Notwehr". Letzter tödlicher Höhepunkt in einer Tourismus-Branche, die immer häufiger auf Kosten hilfloser Tiere mit Abenteuern lockt. Und die Branche boomt.

"Die Sehnsucht, Exoten zu treffen, sie am liebsten auch noch anzufassen, ist groß", erklärt Artenschützerin Adeline Fischer (31). "So groß, dass vergessen wird, wie viel Stress das für die Tiere bedeutet." Dass Exoten oft extra für solche "Abenteuer" ruhig gestellt, gefügig gemacht werden? "Das blenden die Leute lieber aus".

Auch der Wunsch nach der ganz besonderen Erinnerung heizt die Qual-Industrie weiter an: "Die Jagd nach dem spektakulärsten Selfie mit einem wilden Tier kennt keine Grenzen mehr", sagt die Expertin.

Auch Tierfreunde fallen auf Geschäftemacher rein. Adeline Fischer: "Da gilt so ein bisschen das Motto 'fremde Länder -fremde Sitten'. Bei uns wird auf Pferden geritten, da können doch Kamelritte in Afrika oder Elefantenritte in Asien nichts Schlimmes sein. Aber doch, das können sie!"

Acht Fälle von Tierquälerei im Urlaub

Walhaie: angelockt zum Schnorchel-Spaß

Fischer füttern die Giganten der Meere täglich mit Shrimps an – und fahren dann die Touristenboote an die Futterplätze. Für den Schnorchel-Spaß mit Walhai! Viele der sanften Riesen werden von den Schiffen verletzt.

Löwenbabys: geboren, um zu sterben

"Löwen werden gezüchtet, die Babys direkt von den Müttern getrennt", sagt Adeline Fischer. Die Kleinen landen oft in "Schutzstationen", die sogenannte Volunteer-Programme anbieten: "Menschen zahlen bis zu 2000 Euro, um die Löwenkinder mit der Flasche aufzuziehen. Ihnen wird erzählt, die Babys seien Waisen." Danach werden die Kleinen "Foto-Löwen" für Touristen - und zum Schluss zur "Trophäe" von Jägern.

Makaken: pflücken Kokosnüsse für Touristen

In Asien lassen angebliche Kokosnuss-Bauern Nüsse für Touristen von kleinen Makaken vom Baum holen. Die Pflück-Show kostet 5 Euro - danach verschwindet das Äffchen wieder angekettet im Mini-Käfig.

Ammenhaie: für Selfies gefangen

In Mexiko bietet ein Restaurant Selfies mit den kleinen Haien an. Touristen steigen in das abgetrennte Becken, ein Mitarbeiter hält den Hai aus dem Wasser, damit er nach Luft schnappt und das Maul aufreißt – "sieht cooler aus".

Elefanten: zum Gehorsam gequält

In Thailand, Myanmar, Sri Lanka, Laos und jetzt auch in Südafrika werden Elefantenritte angeboten, die Tiere mit Haken brutal geschlagen und gefügig gemacht.

Orang-Utans: in Boxkämpfe gezwungen

In Thailand müssen die vom Aussterben bedrohten Menschenaffen im Boxring gegeneinander antreten. Die meisten Tiere, so die Expertin, werden zuvor misshandelt, leben in engsten Käfigen.

Tiger: für Folklore missbraucht

Es klingt zu schön, das Märchen von den thailändischen Mönchen im "Tiger-Tempel", die verletzte Tigerbabys großziehen, sich liebevoll um die Raubkatzen kümmern. Die Wahrheit: Die Tiger werden mit Medikamenten ruhig gestellt, geschlagen, als Fotomotiv missbraucht.

Esel: das Leid der Lasttiere

Lustig für Touristen, Schwerstarbeit für die Esel: Sie warten oft in sengender Sonne angebunden auf die nächsten Kunden, werden mit Stockschlägen vorwärts getrieben.

9 Warnsignale, die stark auf Tierquälerei hindeuten

Artenschutz-Expertin Adeline Fischer erklärt, wann wir skeptisch werden sollten:

  1. Viel zu nah: Wenn direkter Kontakt zu Wildtieren, also Streicheln, Kuscheln, Berühren erlaubt ist -Finger weg!
  2. Ganz viel Nachwuchs: Schlechtes Zeichen. Seriöse Stationen für Wildtiere züchten nicht, Jungtiere sind selten. Ausnahmen sind Zoos.
  3. Die große Show: Ob Delfin, Affe, Elefant - dressiertes Verhalten ist erzwungen.
  4. Viele geschlossene Türen: Wird nicht gezeigt, wie die Tiere untergebracht sind - hat das meistens einen Grund.
  5. Nasenringe: Kamele mit Nasenring, Wärter mit Elefantenhaken? Sollte Ihnen keinen Cent wert sein!
  6. Kaum Infos: "Ticket ziehen, durchgehen, fertig" - verzichten Sie auf solche Touren. Gute Anbieter erklären viel zu "ihren" Tieren.
  7. Mager und struppig: Schauen Sie hin: Sehen Sie Narben, die Rippen, zerrupftes Fell? Dann stimmt was nicht.
  8. Lange Standzeit: Warten Kutschpferde oder Reitesel in der Sonne ohne Wasser auf neue Kunden? Verzichten Sie!
  9. Aggressive Werbung: "Nun kommen Sie doch, machen Sie mit" - wer Kunden massiv in Touren reinredet, denkt mehr ans Geld als ans Tier.

... und auch hier ist Touristenspaß mit Tierqual erkauft:

  • Tauchen mit weißen Haien in Südafrika
  • Stierkampf in Spanien
  • Tätscheln von Pink-River-Dolphins in Brasilien

__________________

Wussten Sie, dass auch die angesagten Fisch-Spas oft reine Tierquälerei sind? Und dass leider auch hinter Büffelmozzarella brutale Tierquälerei steckt, die bereits seit Jahren bekannt ist?

Im Video zeigen wir Ihnen, woran Sie erkennen können, ob bei Lebensmitteln auf das Wohl der Tiere geachtet wurde:

So erkenne ich, ob bei Lebensmitteln auf das Tierwohl geachtet wurde

Panorama Video

So erkenne ich, ob bei Lebensmitteln auf das Tierwohl geachtet wurde

Beschreibung anzeigen

Aber auch in den eigenen vier Wänden können wir unsere Haustiere gut behandeln. Alles Wichtige zu dem Thema finden Sie auf unserer Themenseite.

Dieser Artikel erschien zuerst in BILD der FRAU.

Seite