27.08.2018

Psychologie Richtig streiten: Mit diesen Strategien bleibt es friedlich

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Gerade mit Menschen, die einem nahe stehen, kommt es oft zum Streit. Wenn Sie lernen, richtig zu streiten, kann das Probleme aber am Ende richtig gut lösen.

Foto: iStock/GeorgeRudy

Gerade mit Menschen, die einem nahe stehen, kommt es oft zum Streit. Wenn Sie lernen, richtig zu streiten, kann das Probleme aber am Ende richtig gut lösen.

Stress mit dem Partner, den Kollegen oder den Nachbarn – kleine Meinungsverschiedenheiten sind total normal. Aber der große Krach? "Muss nicht sein", sagt Psychologin Susanne Gastdorf und rät zu diesen fünf entspannenden Strategien

Egal, mit wem man sich streitet – ob Ehemann, beste Freundin, mit den Kindern oder den Arbeitskollegen: Wenn die Fetzen fliegen, sind meist alle Betroffenen emotional bei der Sache. Das kann der Lösung eines Problems oder der Beilegung eines Streits im Wege stehen. Psychologin Susanne Gastdorf verriet BILD der FRAU fünf Strategien, mit denen Sie richtig streiten – und zwar ganz friedlich!

Richtig streiten: 5 Strategien

1. Ruhe bewahren

Ja, das ist leichter gesagt als getan. Aber wer friedlich streiten möchte, sollte tatsächlich als Allererstes an diesem Punkt arbeiten. Ihr Gegenüber regt sich schrecklich auf? Dann lassen Sie ihn. Sagen Sie nichts. Atmen Sie tief durch oder zählen Sie rückwärts von zehn bis eins. Hören Sie zu, wie der andere Dampf ablässt. Das ist nämlich genau, was er in seiner angespannten Gefühlslage braucht: Druck vom Kessel nehmen, damit klares Denken wieder funktioniert.

Bekommt er Ihre Aufmerksamkeit, wirkt das wie eine Beruhigungspille. Sie nehmen ihn wichtig, Sie hören ihm zu. Oft reicht das schon, um die Wogen zu glätten.

2. Die Seite wechseln

Wenn der Angriff ungebremst weitergeht, ist Verständnis gefragt. Auch nicht einfach, aber möglich. Sehr wahrscheinlich liegt Ihnen ein empörtes "Das stimmt doch überhaupt nicht" auf der Zunge. Oder ein verzweifeltes "Immer gibst du mir die Schuld". Schlucken Sie beides runter. Versetzen Sie sich lieber in die Lage des anderen. Überlegen Sie, wie Sie sich in seiner Haut fühlen würden. So finden Sie am ehesten heraus, worum es genau geht und wie Sie sich vielleicht einigen könnten. Nutzen Sie die große positive Kraft des kleinen Wortes "ja". Sagen Sie "Ja, ich verstehe, was du meinst." Dieser Satz bedeutet nicht, dass Sie zustimmen, bremst aber die Feindseligkeit. Oft ist das schon der Startschuss zu einer wirklich vernünftigen Auseinandersetzung.

Dann brauchen Sie sich nur noch an eine weitere Regel für den friedlichen Streit zu halten: Wechseln Sie sich weiter ab: Einer spricht, einer hört zu, einer spricht, einer hört zu Je gleichmäßiger Rede- und Schweigezeiten verteilt sind, desto besser.

3. Stopp-Taste drücken

Das Wüten hört nicht auf? Im Gegenteil? Der andere wird immer lauter und sogar beleidigend? Dann ist es Zeit, die Stopp-Taste zu drücken. Sagen Sie leise, aber energisch "Du bist supersauer und sagst deshalb gerade Dinge, die du nicht meinst. Das möchte ich nicht. Wir reden lieber später weiter." Dann gehen Sie aus dem Zimmer, verlassen den Aufenthaltsraum oder entfernen sich vom Gartenzaun.

So eine Zwangspause tut dem Streithammel gut, weil er sich nun auf sich selbst konzentrieren muss und schnell merkt, dass es ohne Publikum auf der Palme ziemlich einsam und langweilig ist. Er muss alleine runterkommen. Das kann etwas dauern, aber die Geduld lohnt sich.

4. Den Neustart erleichtern

Hat sich der andere hinreichend beruhigt, erleichtern Sie ihm den friedlichen Neustart. Zeigen Sie ihm nicht eingeschnappt die kalte Schulter, behandeln Sie ihn so freundlich und aufgeschlossen, wie Sie selbst gern behandelt werden möchten. "Vielleicht hast du recht, vielleicht habe ich einen Fehler gemacht, lass uns gemeinsam die Fakten checken", ist ein echter Zaubersatz in dieser Situation.

Denn damit signalisieren Sie alles, was man für eine vernünftige Diskussion braucht: Gesprächsbereitschaft, gegenseitigen Respekt und Zusammenhalt.

5. Einigen – nicht siegen

Wer friedlich streiten möchte, muss das Wort "Sieg" vergessen. Es geht nicht darum, den anderen klein zu kriegen und seinen eigenen Vorteil zu sichern. Das gemeinsame (!) Ziel ist, einen Konflikt zu lösen. Eine Einigung zu finden, die das Problem nachhaltig aus der Welt schafft. Dafür ist die doppelte Kreis-Strategie optimal. In einen kleinen Kreis schreiben Sie, was absolut unverhandelbar ist. Zum Beispiel "im Urlaub verreisen" und "für die Reise keine Schulden machen". Rundherum zeichnen Sie einen größeren Kreis, in dem steht, was schön wäre, aber nicht unbedingt sein muss. Zum Beispiel "ans Meer","nach Spanien","mit dem Flugzeug","ins Hotel", "Swimmingpool" ,"zwei Wochen".

Je weniger im kleinen Kreis steht und je mehr im großen, desto größer sind die Chancen, dass der Streit in einem guten Kompromiss endet. Die Übung können Sie gemeinsam mit Papier und Stift machen oder auch einfach in Ihrem Kopf. Bieten Sie dann z. B. an: "Ich möchte unbedingt verreisen, aber es muss nicht zwingend ans Meer sein." Oder: "Ich möchte für die Ferien nicht jeden Cent zweimal umdrehen. Wir könnten auch nur eine Woche fahren.".

Streiten kann ein überaus reinigender Prozess sein, wenn man den die Grundregeln beachtet. Hier lesen Sie 11 Tipps, damit's mal richtig Streit gibt.

Das sollten Sie beim Streiten vermeiden

Damit die fünf oben genannten Strategien zum Thema "richtig streiten" optimal wirken, vermeiden Sie Fehler, die Öl ins Streit-Feuer gießen. Hier sind die drei häufigsten:.

  • "Du" statt "ich": Jeder Satz, der mit "Du" oder "Sie" beginnt, klingt nach Attacke. Erklären Sie nicht ausführlich, was Sie dem anderen vorwerfen, sagen Sie einfach, was Sie sich wünschen.
  • Überfallen statt warten: Der Nachbar kommt gestresst von der Arbeit und Sie warten schon an der Haustür, um Ihren Ärger loszuwerden? Das kann nichts werden! Warten Sie einen entspannteren Zeitpunkt ab. Und beginnen Sie jede schwierige Diskussionen mit der Frage "Würde es jetzt passen?".
  • "Immer" statt "jetzt": Großangriffe garantieren auch große Abwehr. Konzentrieren Sie sich auf den Punkt, der Ihnen aktuell wichtig ist. "Ich wäre froh, wenn der Müll jetzt rausgebracht würde" verspricht mehr Erfolg als "Immer schiebst du alles bis zur letzten Sekunde raus, der Mülleimer quillt auch schon wieder über. Mir reicht's!".

Hätten Sie es gewusst?

Ein Streit ist immer eine belastende Situation. Lesen Sie hier die Meinung der Deutschen zum Thema Streiten in Zahlen:

  • 48% der Frauen sind schwer getroffen, "wenn der Partner nach einem Streit nicht mehr mit mir spricht". Bei den Männern sind es sogar 52 Prozent.
  • 40% der Frauen und 38 Prozent der Männer hassen es, wenn der andere im Streit laut wird oder schreit.
  • 22% der Frauen und 24 Prozent der Männer finden es furchtbar, wenn im Streit Türen geknallt werden.
  • 32% der Deutschen haben sich schon mal mit ihrem Nachbarn gezofft.
  • 28% der Berufstätigen fühlen sich durch schlechte Stimmung im Team gestresst.
  • 42% der Deutschen streiten ein-, zweimal pro Monat mit ihrem Partner. Elf Prozent mehrmals pro Woche, fünf Prozent täglich und zehn Prozent nie.

Das richtige Streiten haben Sie gemeistert? Weitere Ratgeber und Tipps rund um Beziehungen finden Sie übrigens auf unserer Themenseite.

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