20.08.2018

12 Euro für Currywurst-Pommes! Warum sind Autobahnraststätten eigentlich so teuer?

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Manchmal führt kein Weg an einer Raststätte vorbei. Dann der Schock: Toilettenbesuch, Kaffee & Co. gehen richtig ins Geld. Aber warum sind Autobahnraststätten eigentlich so teuer?

Foto: imago/SMID

Manchmal führt kein Weg an einer Raststätte vorbei. Dann der Schock: Toilettenbesuch, Kaffee & Co. gehen richtig ins Geld. Aber warum sind Autobahnraststätten eigentlich so teuer?

Als ob sie die Notlage ihrer Kunden ausnutzen würden: Egal ob Kaffee, Currywurst, Snacks oder auch die Toilette – die Preise in Autobahnraststätten (nicht nur) in Deutschland sind gesalzen. Aber woran liegt das eigentlich?

Gerade unterwegs – und Durst macht sich bemerkbar. Weit und breit aber ist kein Wasser im Auto in Sicht. Oder die Blase drückt – und die Parkplatztoilette verdient diese Bezeichnung eigentlich schon lange nicht mehr. Oder aber der Tank ist fast leer und eigentlich könnte man sich gleich direkt selbst mit Kaffee betanken. Wer auf Deutschlands Autobahnen unterwegs ist, hat dann meist ein Ziel: die Autobahnraststätte. Vor Ort aber der Schock: 3 Euro für ein Wasser? Einen Euro für die Toilette? Und von den Benzinpreisen wollen wir gar nicht erst anfangen? Die Frage liegt nah: Warum sind Autobahnraststätten so teuer?

Autobahnraststätten sind teuer – aber warum eigentlich?

Wie rechtfertigen die Betreiber das? Angebot und Nachfrage? Oder einfach Notsituation ausnutzen, weil weit und breit nichts anderes zu kriegen ist? Unter anderem der Tagesspiegel hat sich dieser Frage angenommen und recherchiert. Was dahinter steckt? In erster Linie eine Quasi-Monopolstellung eines Anbieters.

360 Tankstellen und 410 Raststätten gibt es demnach, die alle unter der Macht des Monopolführers stehen – der da heißt "Tank & Rast", auch mit "T & R" abgekürzt. Und eines fällt direkt auf: Meist sind die Spritpreise etwas bis einiges höher als an anderen Tankstellen, aber auch Lebens- und Genussmittel fallen ins Gewicht.

Da ist es eigentlich nur ein kleiner Trost, dass der Preis für die Toilettenbenutzung bei der Tochterfirma Sanifair teilweise via Coupon verrechenbar ist mit dem Einkauf in der Raststätte. Rund 20 Prozent aller Nutzer lassen den Gutschein allerdings verfallen – wohl schon allein aus dem Grund, weil selbst ein einfacher Schokoriegel in der Raststätte trotz Coupon noch immer mehr kostet als im Supermarkt oder gar an normalen Tankstellen. Immerhin: In den meisten Raststätten darf man auch mehrere Coupons auf einmal einlösen.

An alle Gutschein-Horter: Sanifair-Coupons verfallen übrigens nach drei Jahren.

"T & R" hat sich über die Jahre eine Art Monopol aufgebaut

Das Problem ist aber mittlerweile 20 Jahre alt. Damals wurde die Raststättengesellschaft nämlich privatisiert, seitdem gab es einige Eigentümerwechsel – und seitdem steigen die Preise. "Tank & Rast" darf Raststätten exklusiv betreiben oder verpachten – und verdient damit an allen.

Zum Vergleich: 190 Autohöfe gibt es in Deutschland, die nicht zu "Tank & Rast" gehören. Von einer Monopolstellung des größten Wettbewerbers will das Bundeskartellamt daher nicht reden. Verkehrsexpertin Marion Jungbluth vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hat sich gegenüber dem Tagesspiegel kritisch geäußert und spricht sogar davon, dass Reisende ja gar keine andere Chance hätten: "Die Zwangslage der Reisenden auf der Autobahn wird schamlos ausgenutzt." Einen gesunden Wettbewerb sieht sie nicht.

Ebenso kann die Vereinigung Deutscher Autohöfe die unkritische Sichtweise des Bundeskartellamts nicht verstehen – auch weil "T & R" mittlerweile damit begonnen hat, Autohöfe aufzukaufen.

Der Autofahrer hat die Wahl – oder auch nicht?

Kritisch sehen manche auch das Verhältnis des ADAC zu "Tank & Rast". Gab es bis 2013 noch jährliche Raststätten-Tests, in denen Raststätten und Autohöfe objektiv bewertet wurden, steht nun stattdessen eine schon länger laufende Rabattaktion zwischen dem Raststättenbetreiber und dem Automobilclub im Vordergrund. Mitglieder des ADAC erhalten Rabatte an den Raststätten.

Der Besucher ist daher auf sich gestellt. Das Problem: die Wahl. Einerseits ist diese nicht immer möglich. Autobahnraststätten sind in manchen Teilen des Landes rar gesät, da nimmt man schon mal die nächstbeste.

Andererseits gibt’s bei manchem Rasthof noch immer eine gewisse Auswahl. Wer nicht das teure Restaurant aufsuchen möchte, kann zumindest an manchen Rasthöfen noch auf eine Fastfood-Kette ausweichen. Die mag aber schließlich ja auch nicht jeder. Selbst versorgen ist natürlich möglich, oder eben der Umweg zu anderen Tankstellen und Supermärkten. Aber beides ist eben auch nicht immer möglich, und so sieht sich der eine oder andere vor allem an Feiertagen tatsächlich in einer Art "Notlage" – und ist auf die teure Raststätte angewiesen.

Die Krux liegt im Geschäftsmodell

Alle Raststätten betreibt "Tank & Rast" übrigens nicht selbst. Rund 90 davon werden von Pächtern betrieben – und die Pachtzahlungen sind wichtige Einnahmequelle des Konzerns, wie der Tagesspiegel schreibt.

Warum die Preise immer weiter steigen, hat allerdings auch einen gewissen Grund. Zuletzt 2015 hatte der damalige Finanzinvestor Terra Firma den Konzern an einen Zusammenschluss anderer Finanzinvestoren verkauft – nach Anhäufung eines milliardenschweren Schuldenbergs, auch bereits aus vorherigen Eigentümerschaften. Diese Schulden – genaue Zahlen sind hier laut Tagesspiegel nicht bekannt – gilt es abzubauen. Das sogenannte Franchisemodell mit den Pächtern ist da eine wichtige Stütze.

"T & R" habe keinen Einfluss auf die Preise an der Tankstelle und in der Raststätte – dafür sind nach Franchise-Manier die Pächter zuständig, für die Spritpreise wiederum die Tankstellenkonzerne. Erstere aber müssen schließlich Pacht zahlen, zweitere sichern sich alle paar Jahre via Auktion den Standort. Und hier seien die Preise laut Tagesspiegel-Angaben sowie Informationen seitens "Welt" kürzlich erst gestiegen. Zusätzlich zur Pacht kommen Franchise-Gebühren.

Die Pressestelle der "Tank & Rast" erklärt vor allem die hohen Preise für Getränke & Co in der Raststätte mit höheren Kosten. Im Gegensatz zu Supermärkten seien Raststätten rund um die Uhr geöffnet, was wiederum hohe Betriebs- und Personalkosten mit sich bringe. Außerdem müssten die Betreiber wirtschaftlich arbeiten, heißt es. Bestätigt wird, dass diese die Preise selbst festlegten und im Wettbewerb ständen mit Standorten neben der Autobahn. "T & R" habe keinen Einfluss auf die Preise der Pächter. Die Pächter aber, so viel ist dann doch ersichtlich aus aktuellen Geschäftsberichten, zahlen insgesamt rund 230 Millionen Euro an die Investorengruppe.

Und die Pächter wiederum geben ihre Kosten an die Kunden weiter. Wie viel bei den Pächtern selbst dann ankommt, ist aufgrund der intransparenten Finanzpolitik von "Tank & Rast" allerdings unklar.

Die größte Chance der Verbraucher: intelligent planen

Was also tun? Wer unterwegs ist und sich vor hohen Preisen an Autobahnraststätten schützen möchte, sollte vor der Fahrt an genügend Proviant denken – oder unter der Woche notfalls einen kleinen Umweg zum Supermarkt einplanen. Dann können Sie auch gleich gesunden Reiseproviant einpacken und müssen nicht auf die schnelle teure Zuckerbombe vom Raststättenkiosk zurückgreifen. Oder notfalls auf einen Autohof hoffen. Im Ranking Raststätten vs. Autohöfe sind die nämlich günstiger – zumindest meist.

Was die Sauberkeit der Toiletten betrifft, sind Autobahnraststätten aber für hygieneliebende Menschen meist die bessere Wahl gegenüber einfachen Parkplatztoiletten. Da heißt es dann abwägen.

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