21.08.2018

Studienergebnisse Verschwenderisches Konsumverhalten: So täuschen wir uns selbst

Laut einer Umfrage besitzen die Deutschen mehr als fünf Milliarden Kleidungsstücke – und tragen nur einen Bruchteil. Das selbsttäuschende Konsumverhalten wurde in einer Studie nun analysiert.

Foto: iStock/draganab

Laut einer Umfrage besitzen die Deutschen mehr als fünf Milliarden Kleidungsstücke – und tragen nur einen Bruchteil. Das selbsttäuschende Konsumverhalten wurde in einer Studie nun analysiert.

Der erste Schritt, um das globale Müll-Problem zu lösen, ist die Bewusstwerdung der ungenutzen Dinge im eigenen Zuhause. So lautet zumindest die These des Umzugsunternehmens "Movinga", das eine ausführliche Studie zum hortenden und wegwerfenden Konsumverhalten unserer Gesellschaft durchgeführt hat. Hier die Ergebnisse!

Es ist nicht von der Hand zu weisen: Wir leben in einer Konsumgesellschaft, die das Verschwenderische im Alltag kaum noch erkennt. Das Ansammeln von Hab und Gut ist dabei eines der wesentlichsten Merkmale. Das Umzugsunternehmen "Movinga" hat eine aktuelle Studie veröffentlicht, in der dieses Sammeln und Horten genauer betrachtet wurde.

Es wurde der Frage nachgegangen, wie (un)bewusst das Konsumverhalten und die damit verbundene Verschwendung von Lebensmittel und Kleidung eigentlich ist. Und auch bei den Besitztümern im Haushalt wurde eine Verschwendungskultur festgestellt. Wir stellen Ihnen die verblüffenden Ergebnisse vor.

Umfrage zum Konsumverhalten: Die Verschwendung von Lebensmittel, Kleidung und Besitztümern

Der Fokus der Studie liegt auf der Selbsttäuschung: Die Forscher sind der Meinung, dass wir uns als Mitglieder der Konsumgesellschaft gar nicht bewusst sind,

  • welchen (kleinen) Anteil unser Kleidung wir wirklich regelmäßig tragen,
  • wie viele Lebensmittel im Müll landen und
  • wie viele Besitztümer im Haushalt eigentlich völlig ungenutzt bleiben.

Um dies aufzudecken, führte "Movinga" eine Umfrage unter 18.000 Haushaltsvorständen (im Alter zwischen 22 und 60 Jahren) in 20 Ländern durch, 2.000 Menschen kamen dabei aus Deutschland.

Ziel der Studie ist es, das Problem der Verschwendung und des Hortens vorerst bewusst zu machen, denn die Hauptursache scheint – den Studienergebnissen zufolge – die falsche Selbsteinschätzung zu sein: Die folgenden Ergebnisse zeigen, wie groß die Lücke zwischen der Selbstwahrnehmung und der Realität ist.

So viel Überfluss steckt in unserem Kleiderschrank

Die Ergebnisse auf die Frage Wie viel Prozent der Kleidung in Ihrem Kleiderschrank wurde in den letzten 12 Monaten nicht getragen? sind erstaunlich. Nach einer ausführlichen Inventur und anschließenden Dokumentation fanden die Experten heraus, dass in Deutschland 64 Prozent der Klamotten nicht getragen werden – dabei gaben die befragten Deutschen gerade mal 32 Prozent ungetragene Kleidung an, ein absolute Selbsttäuschung also.

Doch Deutschland ist bei der Verschwendung von Klamotten nicht Spitzenreiter: Kanadier tragen 79 Prozent ihrer Kleidung nicht (eigene Einschätzung: 39 Prozent), Amerikaner lassen 82 Prozent der Klamotten im Schrank (eigene Einschätzung: 43 Prozent) und die Belgier – absolute Verschwendungs-Spitzenreiter – haben 88 (!!!) Prozent an Kleidung im Schrank, die sie nicht mehr tragen (eigene Einschätzung: 26 Prozent).

Ursache dieses Hortens/Überflusses/Verschwendens ist vor allem die Fast Fashion, also das extrem schnelle Anbieten von neuesten Designs bekannter Trendsetter-Marken zu deutlich günstigeren Preisen. Diese stetige Aktualisierung der eigenen Garderobe führt zu einer Verkürzung der eigentlichen Nutzungsdauer der Kleidung, die wiederum auf langer Sicht die Wegwerfmentalität fördert. Der Re- und Upcycling-Trend von Kleidung ist die nachhaltige Antwort darauf, das Verschwenden von Klamotten zu minimieren.

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Die Verschwendung von Lebensmitteln

Die Experten von "Movinga" baten die Studienteilnehmer auf die Frage Wie viel Prozent Ihrer Lebensmitteleinkäufe landen im Müll? über sechs Monate hinweg ihr Wegwerfverhalten von Lebensmittel aufzuzeichnen, dabei wurden weggeworfene Nahrungsmitteleinkäufe sowie Speisereste erfasst.

Die deutschen Haushalte gaben vorher an, sechs Prozent ihrer Nahrungsmittel wegzuwerfen, die Studie ergab jedoch, dass dann doch zwölf Prozent im Müll landen. Damit bewegt sich Deutschland im Mittelfeld der Lebensmittel-Wegwerfkultur.

Am wenigsten wird bei den Japanern weggeworfen (vier Prozent, eigene Einschätzung: zwei Prozent), am meisten bei den Kanadiern (21 Prozent, eigene Einschätzung: zehn Prozent) und den Amerikanern (24 Prozent, eigene Einschätzung: 15 Prozent).

Um die Verschwendung von Lebensmitteln weiter zu minimieren, ist die Bewusstwerdung des Konsumverhaltens in Supermärkten essentiell: Wir müssen lernen eben nur die Nahrungsmittel einzukaufen, die wir wirklich benötigen und die vor Ablauf des Haltbarkeitsdatum auch verzehrt werden können.

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Horten von Hab und Gut: Ungenutzte Dinge im Haushalt

Als Umzugsexperten ist "Movinga" natürlich daran interessiert, mehr über das Horten von Dingen herauszufinden. Mit der Studie wollten sie herausfinden, wie viel Prozent der Besitztümer, die beim letzten Umzug mitgenommen wurden, ungenutzt bleiben. Mittels Interviews und Rundgängen durch die Häuser der Studienteilnehmer (inklusive Keller und Dachboden) ermittelten sie die Dinge – Kunstwerke und Dekorationsartikel waren ausgenommen –, die in den letzten 12 Monaten ungenutzt blieben.

Bei den Deutschen beläuft es sich auf 21 Prozent an ungenutzten Besitztümern (eigene Einschätzung: fünf Prozent). Erneut befindet sich Deutschland mit diesem Verhalten im Mittelfeld. Die Spitze bilden erneut Kanada (31 Prozent, eigene Einschätzung: zehn Prozent) und die USA (35 Prozent, eigene Einschätzung: 15 Prozent).

Die japanische Aufräumexpertin und Bestseller-Autorin Marie Kondo ist sich sicher: Weniger macht glücklich! Mit ihrem Magic Cleaning-Ansatz lässt sich der Haushalt um 75 Prozent minimieren. Vor allem vor einem Umzug kann diese Methode für neue Energie im neuen Zuhause sorgen.

Studie soll Umdenken anstoßen

"Movinga" will mit diesen Ergebnissen "einen dringend benötigten Diskurs über ein Zuviel an Konsum und die Frage, wie viel wir tatsächlich brauchen, anstoßen". Solch eine Diskussion umfasst dann auch eine kritische Betrachtung der Fast Fashion, ein Teilbereich des Massenkonsums, der einhergeht mit ökonomischen sowie ökologischen Folgen, sowie dem bewussten und nachhaltigen Einkaufen von Nahrungsmitteln.

Horten bezieht sich eben nicht nur auf ungenutzte Möbel und Haushaltsgegenstände, sondern eben auch auf Lebensmittel, die letztendich weggeworfen werden.

Die Ergebnisse sollen den ersten Schritt darstellen, das Konsumverhalten bewusst zu machen. Die Tabelle mit allen Ergebnissen finden Sie hier.

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