Aktualisiert: 15.08.2019 - 11:40

Parasiten auf dem Vormarsch Erstmals Erkrankung in Deutschland: Gefährliche Hyalomma-Zecke überträgt Fleckfieber

Die tropische Hyalomma-Zecke mag es eher warm. Doch dieses Jahr hat der gefährliche Parasit erstmals in Deutschland überwintert – und jetzt sogar einen Menschen mit dem Fleckfieber infiziert.

Foto: Shutterstock (2) [M]

Die tropische Hyalomma-Zecke mag es eher warm. Doch dieses Jahr hat der gefährliche Parasit erstmals in Deutschland überwintert – und jetzt sogar einen Menschen mit dem Fleckfieber infiziert.

Befürchtet wurde es schon länger, jetzt ist es Gewissheit: Die tropische Hyalomma-Zecke hat erstmals in Deutschland Fleckfieber auf einen Menschen übertragen. Und das, obwohl sich der gefährliche Parasit bei uns bislang nicht heimisch gefühlt hat.

Die Tropenzecke mag es eigentlich warm. Doch jetzt hat der gefährliche Parasit, der sogar tödliche Krankheiten übertragen kann und bis zu zwei Zentimeter groß wird, erstmals in Deutschland einen Menschen mit Fleckfieber infiziert. Die tropische Hyalomma-Zecke scheint bei uns heimisch zu werden.

Zum 1. Mal in Deutschland: Tropenzecke Hyalomma überträgt Fleckfieber auf Menschen

Wie ein Forschungsteam der Universität Hohenheim jetzt mitteilte, ist Anfang August ein Mann aus Siegen (Nordrhein-Westfalen) nach einem Stich der Hyalomma-Zecke erkrankt – mit den typischen schweren Krankheitssymptomen einer sogenannten Rickettsiose, besser bekannt als Fleckfieber. Der Patient wurde daraufhin gezielt mit einem Antibiotika behandelt, die Symptome bildeten sich rasch zurück.

Für Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Universität Hohenheim, ist das eine besorgniserregende Tatsache: "Damit wissen wir jetzt nicht nur sicher, dass die Hyalomma-Zecke auch an Menschen geht, sondern es besteht leider auch der dringende Verdacht, dass hier in Deutschland eine Übertragung des Zecken-Fleckfiebers durch die Tiere tatsächlich möglich ist", so die Zecken-Expertin.

Offiziell wird von Verdachtsfall gesprochen

Warum wird überhaupt noch von einem Verdacht gesprochen, wenn die Tatsachen eigentlich eindeutig auf der Hand liegen? Das erklärt Dr. Gerhard Dobler, Mediziner am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr: "Dass wir von einem Verdachtsfall sprechen, liegt daran, dass ein Direktnachweis des Erregers am Patienten nicht möglich war. Die Behandlung des Patienten stand einfach an erster Stelle."

Allerdings spricht alles dafür, dass es sich bei dem Fall um Zecken-Fleckfieber handelt, wie Dr. Dobler weiter erläutert: "Doch der unmittelbar vorausgegangene Zeckenstich, die typischen Symptome und vor allem der Nachweis des Erregers in der Zecke legen den Schluss nahe." Und auch die Tatsache, dass die Antibiotikatherapie sofort anschlug, unterstreiche es, dass der Verdacht mit sehr großer Wahrscheinlichkeit einer Tatsache entspricht.

Fast 50 Prozent der Hyalomma-Zecken tragen Fleckfieber-Erreger in sich

Ebenfalls beunruhigend: Die Zahl der Hyalomma-Zecken in Deutschland ist 2019 gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen. Und: In fast der Hälfte der Tiere sind die Fleckfieber-Erreger, die sogenannten Rickettsien, zu finden. Die Übertragung erfolge ausschließlich über die Zecke, erklären die Forscher der Uni Hohenheim.

So äußert sich Fleckfieber

Woran erkennt man Fleckfieber? Die Hohenheim-Forscher erklären es so: Es verursache einen fieberhaften Infekt mit Kopf- und Muskelschmerzen, extremen Gelenkschmerzen und einem Gefühl, als würde man verbrennen. Vor allen Dingen aber entsteht ein Ausschlag, der Flecken auf der Haut, vor allem an den Extremitäten, verursacht – daher der Name: Fleckfieber.

Wer eine festgebissene Zecke findet, sollte sie am besten wie eine einheimische Zecke mit Zeckenzange, Zeckenkarte oder Pinzette entfernen. "Bei Verdacht auf Fleckfieber nach einem Hyalomma-Stich sollte an der Stichstelle ein Wundabstrich genommen und zur Untersuchung eingeschickt werden", empfiehlt Dr. Gerhard Dobler. Wer unsicher sei, könne gerne Kontakt mit den Experten aufnehmen. Ganz wichtig: Das Tier bitte in einem kleinen, festverschlossenen Behälter einschicken, damit das Forschungsteam der Ausbreitung und möglichen Gefahren nachgehen kann. Die Adresse:

Universität Hohenheim
Prof. Dr. Ute Mackenstedt
Fachgebiet für Parasitologie
Emil-Wolff-Straße 34
70599 Stuttgart

Mehr Infos zum Einschicken von Zecken finden Sie hier.

Dank der Klimaerwärmung gibt es neben der Hyalomma in Deutschland eine weitere neue Zeckenart: Die Braune Hundezecke breitet sich bei uns aus, vermehrt sich rasend schnell – und kann Hunden sehr gefährlich werden!

So berichtete BILD der FRAU am 12. Juni 2019:

Hyalomma-Zecke überwintert erstmals in Deutschland

Gleich eine ganze Zeckengruppe aus dem Süden hat dieses Jahr nachweislich in Deutschland überwintert. Während der vergangenen heißen Tage seien sechs Exemplare der sogenannten Hyalomma-Zecken aufgetaucht, teilten die Universität Hohenheim und das Münchner Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr mit. "Nach den ersten Nachweisen dieses Jahres müssen wir davon ausgehen, dass diese Tiere bei uns in Deutschland überwintern konnten", teilte die Hohenheimer Parasitologin und Zecken-Expertin Ute Mackenstedt jetzt mit.

Population möglich, aber nicht zwangsläufig

Der Fund von fünf Hyalomma-Zecken allein in einem einzelnen Pferdehof legt nahe, heißt es weiter, dass dort mehrere Individuen gleichzeitig vorhanden waren und somit die Möglichkeit einer Paarung und des Entstehens einer eigenständigen Population bestehe.

Allerdings: Überwintern bedeutet nicht notwendigerweise auch, dass die zu den Milben gehörenden Tiere bereits heimisch seien, klärt die Zecken-Expertin auf. Die weitere Entwicklung wird nun also weiter beobachtet werden müssen.

So berichtete BILD der FRAU im Januar 2019:

Hyalomma-Zecke jetzt erstmals in Norddeutschland entdeckt – im kalten Dezember!

Normalerweise ist die riesige Zecke, die tierisches und menschliches Blut mag, in Afrika, Asien oder ganz im Süden Europas zu Hause – und nicht in unseren Breitengraden zu finden. Doch bereits im August 2018 hatte die Universität Hohenheim über mehrere Hyalomma-Nachweise in Deutschland berichtet. Nun also der Fund in Schleswig-Holstein. Breiten sich Parasiten wie die Tropenzecke jetzt in Deutschland aus?

Gefährlicher Stecher: Hyalomma-Zecke oder Tropenzecke

Im genannten Fall hatte eine Reiterin Anfang Dezember die große Zecke in Bokelholm (Kreis Rendsburg-Eckernförde) an ihrem Pferd entdeckt. Sie fing sie in einem Fläschchen ein und schickte sie an das Robert-Koch-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Die Tropenzecken sind wesentlich größer als die bei uns heimischen Zecken, bis zu 2 cm groß werden sie. Auffallend sind ihre gestreiften Beine, mit denen sie ihre Opfer bis zu 100 Meter weit jagen! Die erwachsenen Zecken saugen vor allem an großen Tieren Blut, aber auch der Mensch ist ein potenzieller Wirt.

Tropenzecken übertragen zwar keine Borrelien oder Flaviviren als Auslöser von Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) – dafür aber Erreger anderer Krankheiten. In einem Tier fanden Forscher der Uni Hohenheim Rickettsia-Bakterien, die das Zecken-Fleckfieber auslösen. Es führt beim Menschen zu Hautveränderungen und Fieber. Außerdem gelten Hyalomma-Arten als wichtiger Überträger tropischer Erkrankungen der Nutztiere – und des lebensgefährlichen Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers, das schwere innere Blutungen verursacht und sogar tödlich verlaufen kann. In Deutschland tritt die Krankheit bisher allerdings nicht auf. Noch nicht.

Auch Hirschlausfliege oder "fliegende Zecke" im Kommen

Die Hirschlausfliege, auch als "fliegende Zecke" bekannt, ist ebenfalls auf dem Vormarsch. Anders als die Hyalomma fühlt sie sich in unseren Breitengraden zwar wohl, war bisher aber noch ziemlich unbekannt.

Die Hirschlausfliege ist circa fünf bis sechs Millimeter groß inklusive Flügeln und befällt Hirsche, Rehe, junge Wildschweine und Hunde. Doch auch Menschen werden von ihr gebissen, vorzugsweise im Nacken. Haben sie ihren Wirt erreicht, brechen ihre Flügel ab. Die Stiche können Hautentzündungen verursachen, schmerzhaft werden und bis zu 20 Tage jucken. Es kann zu Beulen, Pusteln, Hausausschlag und Vereiterungen kommen.

Wie gefährlich die "fliegenden Zecken" aber tatsächlich sind, ist noch nicht ausreichend erforscht worden. Es besteht allerdings Grund zur Annahme, dass das Bakterium Bartonella schoenbuchensis, das sie in sich tragen, für den Menschen gefährlich sein könnte. Gelangt der Erreger in den Körper, wird vermutet, dass er schwere Entzündungen des Herzens verursachen kann. Gesicherte Hinweise darauf gibt es aber noch nicht.

Zecken und FSME
Zecken und FSME

Darum treten die Parasiten vermehrt in Deutschland auf

Die Hirschlausfliege breitet sich in Mitteleuropa immer weiter aus. In manchen Regionen wird sogar von einer Massenvermehrung gesprochen. Lutz-Florian Otto vom Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft in Pirna (Sachsen) sagt der Agentur dpa gegenüber, es gebe immer wieder einmal Zunahmen bestimmter Insekten, die möglicherweise von der Klimaerwärmung profitierten, systematische Untersuchungen fehlten aber.

Sicherer scheint, dass die Hyalomma-Zecken sich aufgrund der Klimaveränderung auch bei uns wohlfühlen: Die Wissenschaftler führen ihr Auftreten in Deutschland jedenfalls auf den heißen, trockenen Sommer zurück. Die tropische Zeckenart bevorzugt nämlich eine geringere Luftfeuchtigkeit als die hierzulande üblicherweise vorkommenden Zecken. Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Universität Hohenheim in Stuttgart: "Wir gehen davon aus, dass wir mit immer mehr tropischen Zeckenarten in Deutschland rechnen müssen, die sich durch gute Wetterbedingungen hier ansiedeln können."

Tropenzecken kommen mit Zugvögeln – Überleben im Winter nicht gesichert

Die Forscher des Robert-Koch-Instituts haben jetzt über einen Gentest herausgefunden, dass die in Bokelholm gefundene Zecke vermutlich aus dem Iran stammt – sie kam mit den Zugvögeln nach Deutschland, wie das bei dieser Zeckenart und anderen Parasiten auch weiterhin zu befürchten ist.

Obwohl sich die Hyalomma in tropischer Wärme wohler fühlt, kann sie Temperaturen bis minus 40 Grad überstehen. Trotzdem sind sich Forscher laut der Nachrichtenagentur dpa nicht sicher, ob die Zecke den Winter überleben kann. Man müsse aber überprüfen, ob sie nächstes Jahr wieder vorkommt und in welcher Anzahl, wird dort Dr. Peter Hagedorn, Zeckenforscher am Robert-Koch-Institut, zitiert.

So schützen Sie sich vor den Blutsaugern

Was die Hirschlausfliege betrifft, gibt es bisher kein Insektenschutzmittel, das abschreckt. Dr. Wolf Groth vom Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin rät, im Herbst – das ist die Hochsaison für die Parasiten – eine Kopfbedeckung beim Waldspaziergang zu tragen, da die "fliegende Zecke" alles anfliegt, was an Fell erinnert. Und dazu gehört das menschliche Haar. Auf Fellkrägen sollten Sie möglichst verzichten.

Vor den Tropenzecken schützen Sie sich so, wie Sie sich auch vor den heimischen Zecken schützen: Repellentien zum Einreiben oder Einsprühen verwenden, geschlossene helle Kleidung tragen, regelmäßig auf Zecken hin absuchen. Eine Impfung gegen das Krim-Kongo Hämorrhagische Fieber gibt es bislang nicht.

Es gibt sogar ein paar Hausmittel gegen Zecken, die ganz gut vorbeugen. Der beste Schutz allerdings ist, gar nicht erst mit einer Zecke in Berührung zu kommen, hohe Gräser sowie Buschwerk nach Möglichkeit zu meiden.

Die heimischen Zecken haben Deutschland leider fest im Griff – vor allem im vergangenen Jahr gab es so viele Zecken wie noch nie. Eine echte Plage!

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