31.01.2019

Parasiten auf dem Vormarsch Gefährliche Riesen-Zecke jetzt auch in Norddeutschland gesichtet

Die Hyalomma oder Tropenzecke ist auf dem Vormarsch! Der gefährliche Parasit wurde jetzt in Norddeutschland gesichtet.

Foto: iStock (2) Collage BILD der FRAU

Die Hyalomma oder Tropenzecke ist auf dem Vormarsch! Der gefährliche Parasit wurde jetzt in Norddeutschland gesichtet.

Die tropische Hyalomma-Zecke wurde jetzt erstmals in Norddeutschland entdeckt. Beunruhigend daran ist, dass der gefährliche Parasit sich bei uns bislang nicht heimisch gefühlt hat – und im Winter schon gleich gar nicht.

Die tropische Hyalomma-Zecke, kurz Tropenzecke, mag es eigentlich warm. Doch jetzt wurde der gefährliche Parasit, der sogar tödliche Krankheiten übertragen kann, erstmals in Norddeutschland entdeckt. Und auch noch im kalten Dezember!

Normalerweise ist die riesige Zecke, die tierisches und menschliches Blut mag, in Afrika, Asien oder ganz im Süden Europas zu Hause – und nicht in unseren Breitengraden zu finden. Doch bereits im August 2018 hatte die Universität Hohenheim über mehrere Hyalomma-Nachweise in Deutschland berichtet. Nun also der Fund in Schleswig-Holstein. Breiten sich Parasiten wie die Tropenzecke jetzt in Deutschland aus?

Gefährlicher Stecher: Hyalomma-Zecke oder Tropenzecke

Im genannten Fall hatte eine Reiterin Anfang Dezember die große Zecke in Bokelholm (Kreis Rendsburg-Eckernförde) an ihrem Pferd entdeckt. Sie fing sie in einem Fläschchen ein und schickte sie an das Robert-Koch-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Die Tropenzecken sind wesentlich größer als die bei uns heimischen Zecken, bis zu 2 cm groß werden sie. Auffallend sind ihre gestreiften Beine, mit denen sie ihre Opfer bis zu 100 Meter weit jagen! Die erwachsenen Zecken saugen vor allem an großen Tieren Blut, aber auch der Mensch ist ein potenzieller Wirt.

Tropenzecken übertragen zwar keine Borrelien oder Flaviviren als Auslöser von Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) – dafür aber Erreger anderer Krankheiten. In einem Tier fanden Forscher der Uni Hohenheim Rickettsia-Bakterien, die das Zecken-Fleckfieber auslösen. Es führt beim Menschen zu Hautveränderungen und Fieber. Außerdem gelten Hyalomma-Arten als wichtiger Überträger tropischer Erkrankungen der Nutztiere – und des lebensgefährlichen Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers, das schwere innere Blutungen verursacht und sogar tödlich verlaufen kann. In Deutschland tritt die Krankheit bisher allerdings nicht auf. Noch nicht.

Auch Hirschlausfliege oder "fliegende Zecke" im Kommen

Die Hirschlausfliege, auch als "fliegende Zecke" bekannt, ist ebenfalls auf dem Vormarsch. Anders als die Hyalomma fühlt sie sich in unseren Breitengraden zwar wohl, war bisher aber noch ziemlich unbekannt.

Die Hirschlausfliege ist circa fünf bis sechs Millimeter groß inklusive Flügeln und befällt Hirsche, Rehe, junge Wildschweine und Hunde. Doch auch Menschen werden von ihr gebissen, vorzugsweise im Nacken. Haben sie ihren Wirt erreicht, brechen ihre Flügel ab. Die Stiche können Hautentzündungen verursachen, schmerzhaft werden und bis zu 20 Tage jucken. Es kann zu Beulen, Pusteln, Hausausschlag und Vereiterungen kommen.

Wie gefährlich die "fliegenden Zecken" aber tatsächlich sind, ist noch nicht ausreichend erforscht worden. Es besteht allerdings Grund zur Annahme, dass das Bakterium Bartonella schoenbuchensis, das sie in sich tragen, für den Menschen gefährlich sein könnte. Gelangt der Erreger in den Körper, wird vermutet, dass er schwere Entzündungen des Herzens verursachen kann. Gesicherte Hinweise darauf gibt es aber noch nicht.

Zecken und FSME

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Darum treten die Parasiten vermehrt in Deutschland auf

Die Hirschlausfliege breitet sich in Mitteleuropa immer weiter aus. In manchen Regionen wird sogar von einer Massenvermehrung gesprochen. Lutz-Florian Otto vom Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft in Pirna (Sachsen) sagt der Agentur dpa gegenüber, es gebe immer wieder einmal Zunahmen bestimmter Insekten, die möglicherweise von der Klimaerwärmung profitierten, systematische Untersuchungen fehlten aber.

Sicherer scheint, dass die Hyalomma-Zecken sich aufgrund der Klimaveränderung auch bei uns wohlfühlen: Die Wissenschaftler führen ihr Auftreten in Deutschland jedenfalls auf den heißen, trockenen Sommer zurück. Die tropische Zeckenart bevorzugt nämlich eine geringere Luftfeuchtigkeit als die hierzulande üblicherweise vorkommenden Zecken. Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Universität Hohenheim in Stuttgart: "Wir gehen davon aus, dass wir mit immer mehr tropischen Zeckenarten in Deutschland rechnen müssen, die sich durch gute Wetterbedingungen hier ansiedeln können."

Tropenzecken kommen mit Zugvögeln – Überleben im Winter nicht gesichert

Die Forscher des Robert-Koch-Instituts haben jetzt über einen Gentest herausgefunden, dass die in Bokelholm gefundene Zecke vermutlich aus dem Iran stammt – sie kam mit den Zugvögeln nach Deutschland, wie das bei dieser Zeckenart und anderen Parasiten auch weiterhin zu befürchten ist.

Obwohl sich die Hyalomma in tropischer Wärme wohler fühlt, kann sie Temperaturen bis minus 40 Grad überstehen. Trotzdem sind sich Forscher laut der Nachrichtenagentur dpa nicht sicher, ob die Zecke den Winter überleben kann. Man müsse aber überprüfen, ob sie nächstes Jahr wieder vorkommt und in welcher Anzahl, wird dort Dr. Peter Hagedorn, Zeckenforscher am Robert-Koch-Institut, zitiert.

So schützen Sie sich vor den Blutsaugern

Was die Hirschlausfliege betrifft, gibt es bisher kein Insektenschutzmittel, das abschreckt. Dr. Wolf Groth vom Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin rät, im Herbst – das ist die Hochsaison für die Parasiten – eine Kopfbedeckung beim Waldspaziergang zu tragen, da die "fliegende Zecke" alles anfliegt, was an Fell erinnert. Und dazu gehört das menschliche Haar. Auf Fellkrägen sollten Sie möglichst verzichten.

Vor den Tropenzecken schützen Sie sich so, wie Sie sich auch vor den heimischen Zecken schützen: Repellentien zum Einreiben oder Einsprühen verwenden, geschlossene helle Kleidung tragen, regelmäßig auf Zecken hin absuchen. Eine Impfung gegen das Krim-Kongo Hämorrhagische Fieber gibt es bislang nicht.

Es gibt sogar ein paar Hausmittel gegen Zecken, die ganz gut vorbeugen. Der beste Schutz allerdings ist, gar nicht erst mit einer Zecke in Berührung zu kommen, hohe Gräser sowie Buschwerk nach Möglichkeit zu meiden.

Die heimischen Zecken haben Deutschland leider fest im Griff – vor allem im vergangenen Jahr gab es so viele Zecken wie noch nie. Eine echte Plage!

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