13.08.2018

Millionen Menschen betroffen Wie entkomme ich der Einsamkeit?

Einsamkeit
Mo, 13.08.2018, 13.50 Uhr

Einsamkeit

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Einsamkeit betrifft Millionen Deutsche. Doch wie wird man sie los? Wir klären die wichtigsten Fragen und zeigen Wege, wie man ihr entkommt.

Es ist ein Gefühlszustand, der viele Menschen traurig und sogar krank macht: Einsamkeit. Studien zufolge fühlt sich jeder zehnte Deutsche einsam. Besorgniserregend und überraschend sind die Erkenntnisse aus der Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen. Von denen sollen sogar 15 Prozent unter Einsamkeit leiden.

Es sind also auch besonders jüngere Menschen im mittleren Erwachsenenalter, die dieses Gefühl haben. Gründe gibt es viele: Digitalisierung, der Verlust des Jobs, der Verlust des Lebenspartners.

Doch natürlich sind es auch vor allem ältere, pflegebedürftige Menschen, die von Einsamkeit betroffen sind. Viele Freunde haben sie nicht, manche sind auch schon verstorben. Kontakte zur Familie sind rar geworden oder gar nicht mehr vorhanden.

Einsamkeit: Symptom und Auslöser für Krankheiten

Klar ist: Einsamkeit schadet der Gesundheit. Manche Experten sehen Einsamkeit mittlerweile sogar als eigenständige Krankheit, bisher wird sie aber noch als Symptom und Auslöser für zahlreiche Erkrankungen gesehen. Psychische Störungen wie Depressionen können durch Einsamkeit entstehen oder verstärkt werden. Doch auch die Chance, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu bekommen, soll durch Einsamkeit erhöht werden.

Depressionen können verschieden ausgeprägt sein. Hier erfahren Sie alles Wichtige zu Sonntagsdepressionen und was sie dagegen tun können.

Die Definition von Einsamkeit ist dennoch schwierig, weil das Gefühl immer subjektiv ist. Ein Mensch, der 20 Freunde aufzählen kann, kann sich trotzdem einsam fühlen, obwohl es von außen nicht so wirkt.

Auf der anderen Seite kann ein Mensch sich mit nur einem guten Freund glücklich und zufrieden fühlen, genauso wie ein 90-Jähriger Mann, dessen Ehefrau und soziale Kontakte verstorben sind – der aber erfüllt auf sein Leben zurückschauen kann.

Menschen kennenlernen durch ehrenamtliche Arbeit

Doch was ist der richtige Weg aus der Einsamkeit? Ein Patentrezept gibt es leider nicht. Wichtig ist, die eigene Situation gut einschätzen zu können und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Bin ich vielleicht nur einsam, weil ich mich bei guten Freunden lange nicht gemeldet habe? Ziehe ich mich selber bewusst zurück?

Oft fällt es schwer, nach Jahren der Isolation womöglich, wieder auf Menschen zuzugehen. Es lohnt sich aber, sich zum Beispiel ehrenamtlich zu engagieren. Sei es bei sozialen Einrichtungen in der Arbeit mit Älteren, Kindern oder Flüchtlingen, oder auch bei der Arbeit im Tierheim. Überall trifft man auf neue Menschen – und vielleicht ist auch jemand dabei, mit dem Zeit verbringen Spaß bringt.

Um der Einsamkeit zu entkommen, sollte man aber auch bei sich selbst ansetzen. Die Zeit allein sollte so schön wie möglich gestaltet werden. Sich um sich selbst kümmern, das heißt: ein schönes Essen für sich zu kochen, die Wohnung neu zu dekorieren, sich ein Bad zum Entspannen einlassen. Das Ziel ist, zu lernen, dass Zeit mit sich alleine auch angenehm sein kann. Warum nicht mal alleine ins Kino gehen? Es kostet Überwindung, aber es stärkt auch das Selbstbewusstsein.

Glücklichsein geht auch allein. Warum das Single-Dasein Vorteile hat – erfahren Sie hier.

Englands Politik kämpft bereits gegen Einsamkeit

Nicht immer kann Einsamkeit aber durch die Suche eines neuen Hobbys behoben werden. Dass Einsamkeit ein gesellschaftliches Problem ist, das hat auch schon die Politik erkannt. In England hat die Regierung von Premierministerin Theresa May einen eigenen Ministerposten dafür geschaffen.

"Einsamkeit ist die traurige Realität des modernen Lebens", sagte May Anfang des Jahres zu ihrer Entscheidung. Tracey Crouch als neue Einsamkeits-Ministerin kümmert sich nun darum, dass vor allem Senioren und Pflegebedürftige unterstützt werden und sie Zugang zu Gesprächen mit anderen erhalten.

Braucht Deutschland auch eine Ministerin für Einsamkeit? Erfahren Sie hier mehr darüber.

"Opendot"-Projekt soll einsamen Menschen helfen

Auch in Deutschland wurde von vielen Seiten ein solches Ministeramt gefordert, von der aktuellen Regierung aber ist es nicht umgesetzt worden. Dafür gibt es private Veranstalter, die Einsamkeit bekämpfen wollen. In Augsburg startete vor wenigen Wochen eine spannende Aktion: Der "opendot".

Das Kunstkollektiv "Utopia Toolbox" verteilte dazu in der ganzen Stadt 7000 rote Punkte, die sich einsame Menschen an die Haustür kleben können. Der Punkt soll ein Zeichen sein, dass andere Menschen an dieser Tür klingeln dürfen für ein Gespräch oder eine Verabredung. Andere Städte haben bereits angefragt, ob sie das Projekt übernehmen können.

Es ist eine Hoffnung für viele Menschen, dass sich die Gesellschaft in Zukunft für Einsamkeit öffnet – und ihr mit Toleranz und Hilfsbereitschaft begegnet.

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Geht eine Beziehung in die Brüche, tut das fast immer weh. Oft sogar sehr weh. Deshalb ist es auch so schwer, eine Trennung zu verarbeiten. Mit diesen Tipps fällt es leichter!

Durch Einsamkeit können psychische Krankheiten entstehen oder auch verstärkt werden. Erfahren Sie auf unserer Themenseite mehr über die Depression.

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