23.07.2018 - 12:48

Gehalt reicht kaum aus Samuel Koch: Sozialhilfe würde das Leben erleichtern

Der Schauspieler Samuel Koch erzählt im Rahmen der Dokumentation "37°: Vorwärts ins Leben - Auf dem Weg mit Samuel Koch", dass finanziell am Monatsende nicht viel übrig bleibt.

Foto: ZDF/Vita Spieß

Der Schauspieler Samuel Koch erzählt im Rahmen der Dokumentation "37°: Vorwärts ins Leben - Auf dem Weg mit Samuel Koch", dass finanziell am Monatsende nicht viel übrig bleibt.

In einer Reportage erzählt der Schauspieler Samuel Koch, dass von seinem Gehalt nach Abzug hoher Teilkosten der Physiotherapie, die er aufgrund seiner Querschnittslähmung benötigt, an Monatsende nicht viel übrig bleibt. Warum Invalidenrente für ihn aber nicht in Frage kommt, lesen Sie hier.

Der Schauspieler Samuel Koch steht im Staatstheater Darmstadt regelmäßig auf der Bühne, zur Spielzeit 2018/19 wechselt er nach vierjährigem Engagement zum Nationaltheater Mannheim. In der ZDF-Reportage "Vorwärts im Leben" der "37 Grad"-Dokureihe erzählt der 30-Jährige, dass trotz vieler Theater- und Filmprojekte (2018 spielt er im Kinofilm "Draußen im Kopf" seine erste Hauptrolle) vom Gehalt am Ende nur wenig übrig bleibt.

Samuel Koch: "Das Theatergehalt reicht kaum zum Überleben"

Samuel Koch, der seit dem Unfall bei "Wetten, dass...?" im Jahre 2010 querschnittsgelähmt ist, ist vor allem Theater-Schauspieler – ein Berufsfeld mit Tarifvertrag (NV Bühne), dessen monatliche Mindestgage bei 1850 Euro brutto liegt – "Wenn ich mich arbeitslos melden würde, würde ich mehr verdienen, als wenn ich weiter arbeite", erzählt Koch dem ZDF. "Es ist ja bekannt, dass man am Theater im Vergleich zu anderen Berufen viel weniger verdient", kommentiert er das geringe Gehalt von BühnenschauspielerInnen, "Und das, obwohl man vier Jahre studiert, ein Diplom macht und fast jeden Tag in der Woche arbeitet."

Lesen Sie mehr über Samuel Kochs Kinofilm-Hauptrolle und was er über Mitleid und Selbstmitleid denkt.

Invalidenrente ist für Samuel Koch aber keine Option

In der Reportage stellt der Ex-Turner aber klar: "Ich wusste schnell, dass ich arbeiten muss und es einfach brauche, eine Aufgabe zu haben, auch wenn ich dadurch einen finanziellen Nachteil haben würde." "Auf der Tasche liegen" wollte er, nach eigenen Aussagen, niemanden.

Auch eine Invalidenrente ist für den Ex-Turner keine Option. Er berichtet von Begegnungen mit sehr jungen Menschen, sogar noch jünger als Koch selbst, die mehr Körperteile bewegen konnten als er – "und die bekamen schon mit 20, 21 Jahren eine Invalidenrente und haben nichts mehr gemacht. Da blutet mein Herz", erzählt Koch, der ledglich einzelne Finger bewegen und durch Schulterkraft die Arme anheben kann.

Koch, der auch als Autor arbeitet und nebenbei Motivations-Vorträge hält, ist sich bewusst, dass ihm Sozialhilfe das Leben finanziell erleichtern würde: "(Ich müsste) mich vielleicht nicht mehr so abrackern wie ich es jetzt tue, um all meine Rechnungen bezahlen zu können."

Und die können manchmal ganz schön hoch sein. Auch wenn die Krankenkasse einen großen Teil der Behandlungs- und Medikamentenkosten übernimmt – für zusätzliche Beiträge der Physiotherapie sowie Assistenten muss Koch selber aufkommen. Am Ende bleibt von seinen Einnahmen nicht mehr viel übrig.

Wichtig ist Koch aber, Vorbild zu sein. Er will darauf aufmerksam machen, dass Menschen mit Behinderungen in der Arbeitswelt mehr eingesetzt werden sollten, denn noch immer stehen ihnen – trotz dem 2009 gesetzlich festgelegten gleichberechtigten Zugang zum ersten Arbeitsmarkt – nicht alle Jobs offen.

"Ich kann Betriebe nur ermutigen, ihren Horizont etwas zu erweitern und auch Menschen in Erwägung zu ziehen, die körperlich etwas eingeschränkt sind", erzählt Samuel Koch, "Denn Menschen, die jeden Tag vor unübliche Herausforderungen gestellt werden, entwickeln auch bei der Arbeit automatisch und zwangsläufig besondere Stärken."

"37 Grad" des ZDF begleitete Samuel Koch über vier Jahre. Die Reportage können Sie am 24.07.2018 um 22.15 im TV oder ab dem 24.07.2017 in der ZDF Mediathek ansehen.

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