20.07.2018 - 08:50

Beliebter Urlaubs-Trend Unhygienisch und nicht artgerecht: Sind Fisch-Spas Tierquälerei?

Von

Gesunde Füße

Gesunde Füße

Beschreibung anzeigen

Fischpediküren liegen derzeit voll im Trend. Wer seiner Hornhaut den Garaus machen will, gönnt seinen Füßen eine Schönheitskur im Fisch-Spa. Dort knabbern die kleinen Fische die ungeliebte Haut einfach ab. Doch Tierschützer kritisieren die Praxis als Tierquälerei und warnen vor hygienischen Risiken.

Es hört sich so einfach an: Anstatt die eigenen Füße mühsam mit Hornhautfeile und Bimsstein zu bearbeiten, versprechen die Betreiber von Fisch-Spas streichelzarte Haut in nur wenigen Minuten. Alles was man dafür tun muss: Die Füße in ein mit warmem Wasser gefülltes Becken mit kleinen Fischen zu halten.

Dort machen sich unzählige Saugbarben, sogenannte Garra Rufa, bereitwillig und im Akkord an die Arbeit und lösen die Hornhaut von den Füßen. Immer mehr Tierschützer kritisieren die Praxis jedoch als Tierquälerei, und auch Mediziner warnen vor Risiken für die eigene Gesundheit.

Deshalb kritisieren Tierschutzorganisationen die Fisch-Spas

Die Betreiber der "Fisch-Pediküren" preisen das Verfahren als effektiv und sanft an, da die unterhalb der Hornhaut liegenden Hautschichten von den Fischen nicht verletzt würden. Stattdessen berühren die kleinen Fische Hornhaut und abgestorbene Hautschüppchen solange, bis sie sich lösen und saugen sie danach einfach ein.

Eine zumindest umstrittene Praxis: So geht die Tierschutzorganisation PETA davon aus, dass die Fische in einigen Einrichtungen regelrecht ausgehungert würden und sich aus reinem Überlebensdrang an das Verspeisen der Hornhaut machten.

Zwar erklärte ein Sprecher des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gegenüber "Focus ONLINE", dass solche Methoden in Deutschland nicht zulässig seien, ob und wie das Verfahren Kontrollen unterliegt, ist jedoch fraglich.

Fragwürdige hygienische Verhältnisse

Wer seine Füße in den Glasbehälter mit Fischen hält, muss davon ausgehen, dass vor und nach ihm auch andere vom Nutzen der kleinen Tiere Gebrauch machten. Trotz angeblich strenger Auflagen erhöhe das die Übertragung von Infektionen oder Keimen, vor allem für Menschen mit Hautwunden oder vorgeschädigter Haut, so der Sprecher des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Tierschutzexpertin Sarah Ross, von der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten", macht gegenüber bildderfrau.de darauf aufmerksam, dass die "Fish-Spa Working Group" schon 2011 Leitlinien zur Behandlung der Risiken für die menschliche Gesundheit durch Fisch-Pediküre veröffentlicht habe: "Diese Leitlinien heben die verschiedenen Übertragungswege von möglichen Infektionen hervor: vom Fisch auf den Menschen, vom Wasser auf den Menschen, von einer Person zu einer anderen Person über das Wasser, von einer Person zur nächsten über Oberflächenkontakt." Die Leitlinien belegen also, dass es immer wieder zu Infektionen kommen kann.

Wohl auch deshalb sind die Fisch-Spas in einigen Bundesstaaten der USA sowie einigen Ländern Europas bereits verboten. Und auch Tierschutzexpertin Ross spricht sich explizit gegen die Nutzung der Fisch-Spas aus. "Der Einsatz dieser Tiere wirft zu viele und zu große Tierschutzaspekte auf. Die Fische leben in keinem artgerechten Umfeld und haben keine Chance, sich artgemäß zu ernähren und ihrem artgemäßen Bewegungsdrang nachzukommen."

So leben Garra Rufa in freier Wildbahn

Ein weiterer Kritikpunkt der Tierschützer: Überreste menschlicher Haut stünden gar nicht auf dem Speiseplan der kleinen Fische. Garra Rufa könnten zu den Allesfresser gezählt werden, die sich hauptsächlich von Aufwuchs (Bewuchs an Oberflächen unter Wasser), Organismen wie Algen, Plankton und kleinen wirbellosen Tieren ernährten. "Laut dem 'Fish Veterinary Journal' ist der Nährwert von abgestorbener Haut fraglich. Sie besteht hauptsächlich aus Keratin, was für die Fische im Vergleich zu deren natürlicher Nahrung relativ unverdaulich ist", erklärt Ross.

Auch die Haltung der Fische in winzigen Glasbehältern wirft Fragen auf: "In Freiheit werden die Tiere zwischen fünf bis sieben Jahre alt. In Freiheit leben sie jedoch in optimaler Wasserqualität und -temperatur, ernähren sich natürlich, sind keiner reizarmen Umgebung ausgesetzt und können sich als Schwarmtiere in angemessenem Rahmen bewegen. Diese optimale Haltung kann kein Behälter gewährleisten. So müssen wir davon ausgehen, dass die Tiere ihr natürliches Lebensalter nicht erreichen werden", kritisiert Ross.

Fazit

Wem also das Tierwohl der Garra Rufa am Herzen liegt, und wer trotzdem gepflegte Füße vorweisen möchte, ist auch bei ausgebildeten FußpflegerInnen oder PodologInnen gut aufgehoben – ganz ohne Infektionsgefahr oder hygienische Risiken.

____

Gepflegte Füße und weiche Haut bekommen Sie auch außerhalb von Fisch-Spas. Praktische Anleitungen und informative Rategeber bietet zum Beispiel unsereThemenseite, auf der sich alles rund um die richtige Hautpflege dreht. Ein Blick auf unsere Füße-Themenseite lohnt sich ebenfalls.

Oder Sie schauen sich unsere Tipps für gesunde Füße im Video an:

Tipps für gesunde Füße
Tipps für gesunde Füße
Halloween alles rund um das Gruselfest

Halloween alles rund um das Gruselfest

Beschreibung anzeigen
Eine Marke der FUNKE Mediengruppe