18.06.2018 - 15:20

Als würde es täglich schneien Facebook-Post: Rührende Worte über ein Leben mit Depression

Wie fühlt es sich an, mit einer Depression zu leben? Es ist, als würde es jeden Tag schneien – beschreibt es jetzt ein Autor über Facebook.

Foto: iStock/luna4

Wie fühlt es sich an, mit einer Depression zu leben? Es ist, als würde es jeden Tag schneien – beschreibt es jetzt ein Autor über Facebook.

Ein Leben mit Depressionen: buchstäblich unvorstellbar für Menschen, die nicht unter der Krankheit leiden müssen. Wie sich das anfühlt, wird jetzt in einem Facebook-Post beschrieben – die sehr bewegenden Worte wurden schon fast 10.000 Mal geteilt.

Wie fühlt es sich eigentlich an, wenn man unter Depressionen leidet? Wie können Betroffene gesunden Menschen dieses Gefühl vermitteln: diese dunklen Phasen, das tiefe Loch, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint, die Traurigkeit und Existenzängste, die einen immer weiter herunterziehen... Auf Facebook macht derzeit ein Post zum Thema Depressionen die Runde, in dem sehr einfühlsam genau das versucht wird: Bilder dafür zu finden, die beschreiben, wie man sich das Leben mit dieser Krankheit vorzustellen hat.

Post über Depressionen: Es ist, als würde es jeden Tag schneien

Facebook-Userin Charlene Nguyen aus Kanada hat den Text eines anonymen Autors veröffentlicht, der mittlerweile fast 10.000 Mal geteilt wurde. Der Anlass des Textes steht kurz und knapp in der ersten Zeile (alle Passagen aus dem Post wurden aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt): "Jetzt auch Anthony Bourdain." Gemeint ist der Suizid des US-amerikanischen Starkochs und Bestsellerautors Anthony Bourdain vom 8. Juni – doch auch der Freitod der Designerin Kate Spade vom 5. Juni wird im Text angesprochen. Beide Promis sollen unter Depressionen gelitten haben, weshalb die Krankheit derzeit wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rückt.

Und dann fährt der unbekannte Autor fort und schreibt: "Wenn du Depressionen hast, ist das so, als würde es jeden Tag schneien." Was für eine starke Metapher – denn mit diesem Bild können auch Nicht-Betroffene etwas anfangen: Schnee, der erst einmal nichts Bedrohliches hat, die Welt aber langsam und beständig einpudert, ihr ein anderes Gesicht gibt, eine melancholische Seite hervorbringt. Wir ahnen, was es heißt, wenn dieser Zustand zum Dauerzustand wird.

Wenn die Schneedecke unüberwindbar hoch wird

Und so beschreibt der Autor, wie es ist, wenn die Schneedecke höher und höher wird – und man es nicht mehr schafft, die Straße freizuschaufeln. "Anscheinend hat dein Telefon geklingelt. Menschen fragen sich, wo du bist. Du hast keine Kraft, zurückzurufen, bist zu müde von all dem Schaufeln. Außerdem haben sie nie so viel Schnee vor ihren Häusern, deshalb verstehen sie nicht, warum du immer noch zu Hause festsitzt. Sie glauben, dass du faul bist oder schwach, obwohl sie das so gut wie nie offen sagen."

Weiter schildert er, wie nach und nach alles im Schnee versinkt: "Die Kälte sickert ein. Keine Kommunikation nach innen oder außen. Die Nahrung geht zu Ende. Was kannst du schon tun?" Und dann lesen wir: "Manchmal gibt es eine Lawine, die das Haus von seinem Fundament reißt und dich gleich mit. Ein regelrechter Akt Gottes, nichts kann dagegen unternommen werden. Die Nachbarn sagen, es sei eine Schande, und sie können es nicht begreifen. Er hat sich doch so gut gemacht beim Schaufeln.

Gibt es Hilfe für die Betroffenen? Das rät der Autor

Es ist ein Text, der unter die Haut geht. Der die Verzweiflung derer zeigt, die in der Krankheit gefangen sind – und gleichzeitig die Macht- und Ahnungslosigkeit derer, die nicht betroffen sind und nicht wissen, wie schlimm es um depressive Menschen bestellt ist – und was sie tun können.

Es ist ja auch nicht einfach, Einblick zu erhalten: nicht selten versuchen Betroffene, sich die Krankheit nicht anmerken zu lassen. "Manchmal reicht es auch nicht, zu schaufeln. Es ist schwer, das von außen einzuschätzen, aber es ist wichtig, zu verstehen, wie es von innen aussieht", rät der anonyme Schreiber.

Woran man eine versteckte Depression erkennt, lesen Sie hier.

Sein nächster Tipp: "Ich bin fest davon überzeugt, dass Verständnis und Mitgefühl die Basis effektiven Handelns sein müssen. Es ist wichtig, zu verstehen, was Depressionen sind, wie sie sich anfühlen, wie es ist, mit ihnen zu leben." Und schließlich ruft er dazu auf: "Schnappt euch eine verdammte Schaufel und helft euren Nachbarn." Denn hilflos, sagt er, müssen wir doch gar nicht sein.

Der Text endet mit folgendem Satz: "Wenn wir verhindern wollen, so viele Menschen an die Krankheit zu verlieren, ist unser Handeln auf jeder Ebene gefragt."

Ein sehr starker, zu Herzen gehender, aber vor allem Mut machender Beitrag zum Thema Depressionen, das noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Bravo!

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Auch SängerRobbie Williams hat schon darüber gesprochen, dass er an Depressionen leidet. Und eine Journalistin gewährt in ihrem Roman persönliche Einblicke in ihr Leben mit Depressionen. Sie sagt: "Ich musste in den 'Krieg' ziehen."

Wer sich über die Krankheit Depression mehr informieren will, findet viele Artikel dazu auf unserer Themenseite.

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