13.06.2018

Experte gibt die Antwort Warum vergeht die Zeit schneller, wenn wir älter werden?

Geht es Ihnen auch so, dass die Zeit im Alter gefühlt immer schneller vergeht? Erfahren Sie hier, warum das so ist.

Foto: iStock/skynesher

Geht es Ihnen auch so, dass die Zeit im Alter gefühlt immer schneller vergeht? Erfahren Sie hier, warum das so ist.

Was ist eigentlich Zeit? Und warum fühlt sie sich manchmal so unterschiedlich an? Während als Kind ein Jahr eine Ewigkeit dauert, verfliegen für Erwachsene die Monate nur so. Ein Experte erklärt, woran das liegt.

Die Zeit bestimmt unser Leben, sie teilt es in Abschnitte ein und gibt ihm eine Struktur. Auf der "Wikipedia"-Seite im Internet ist folgende Erklärung zu finden: "Die Zeit beschreibt die Abfolge von Ereignissen, hat also im Gegensatz zu anderen physikalischen Größen eine eindeutige, unumkehrbare Richtung." Aber es gibt noch viele weitere Definitionen der Zeit aus den verschiedenen Wissenschaften. Und dann stellt sich die Frage: Warum vergeht die Zeit im Alter schneller? So kommt es vielen von uns nämlich vor – dabei ist das physikalisch nicht möglich. Oder?

Warum vergeht die Zeit (gefühlt) immer schneller, wenn wir älter werden?

Die Zeit ist immer gleich: Eine Minute besteht aus 60 Sekunden, ein Tag hat 24 Stunden, ein Jahr dauert zwölf Monate – die Zeit ist für alle Menschen gleich. Nichts lässt sich daran ändern. Trotzdem haben wir häufig das Gefühl, dass die Zeit mal schneller und mal langsamer vergeht. Woran liegt das?

bildderfrau.de hat bei dem Buchautoren und Diplom-Pädagogen Dr. Udo Baer nachgefragt. Der Experte sagt: "Das Zeitempfinden ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Für die meisten vergeht die Zeit im Laufe des Lebens schneller. Im Kindesalter dauert ein Jahr gefühlt eine Ewigkeit, viele Erwachsene haben dagegen das Gefühl, dass die Jahre nur so verfliegen." Aber auch im Erwachsenenalter gibt es Unterschiede. Wie wir mit unserer Zeit umgehen, ist mitentscheidend, wie wir unser Leben wahrnehmen. Dr. Baer: "Die Formel ist ganz einfach: Je mehr Druck, je mehr Teminhetze – desto weniger Lebensqualität."

Warum ist das Zeitempfinden so unterschiedlich?

Dr. Baer: "Es gibt zwei Zeiten: Die objektive Zeit der Stunden und Minuten und die erlebte Zeit. Letztere ist subjektiv – nicht messbar, nicht wirklich vergleichbar. Im Warten "zieht" sich die Zeit, in anderen Situationen "fliegt" sie dahin. Die meisten Stunden in unserem Leben verbringen wir mit unserem sogenannten "Alltag". Diese "normalen" Tage ziehen häufig einfach so dahin – und das Woche für Woche. Wir verlieren so unseren Inneren Kompass für die Zeit." Drei Gründe dafür können sein:

  • Manche Menschen erleben die Zeit schneller, wenn sie älter werden und noch im Beruf stehen. Die Anforderungen steigen, die Kräfte lassen nach – und das führt zu Stress und Hektik. Die Menschen haben nicht mehr das Gefühl durchatmen und ihr Leben genießen zu können.
  • Außerdem "hängen" viele Menschen zu sehr an der Zeit, sie richten ihr Leben danach aus, wollen noch Dies und Jenes erleben – und die restliche Lebenszeit wird kürzer. Dadurch kann ein innerer Druck entstehen, der ein bewusstes Erleben und vor allem Leben schwer möglich macht. Die Leichtigkeit des Seins geht verloren.
  • Auch wer sich zu viel zumutet, verliert sein Zeitgefühl. Der Spagat zwischen Job, Familie, Hobbies und Entspannung ist nicht mehr möglich. Eine ständige Überforderung kann sich dadurch breit machen und auch das Gefühl, das eigene Leben nicht mehr im Griff zu haben. Man funktioniert nur noch, anstatt selbst zu bestimmen.

Was kann man dagegen tun?

Man sollte den Blick und die Erwartung nicht so sehr in die Zukunft richten, sondern mehr im Hier und Jetzt leben. Man sollte versuchen den Tag zu genießen. Sich an den kleinen Dingen erfreuen, denn Momente die Emotionen hervorrufen bleiben besser im Gedächtnis und werden intensiver gelebt. Wichtig ist, die Gegenwart bewusst wahrzunehmen und nicht immer das große Ganze zu sehen. Kleine Glücksmomente im Alltag entschleunigen und sorgen dafür, dass die Zeit nicht einfach nur "wegrennt".

Bei vielen Menschen ändert sich das Zeitgefühl übrigens wieder, wenn sie in Rente gehen. Die Zeit 'verlangsamt' sich wieder. Der tägliche Stress und die Aufgaben fallen weg, vielleicht kommt sogar die Erfahrung der Langweile hinzu. Wenn Menschen sich nicht mehr gebraucht fühlen, kann dies das Ergebnis sein.

Was machen Kinder besser als Erwachsene bezogen auf das Zeitgefühl?

Sie sind gelassener, "versinken" im Spiel und "vergessen" die Zeit. Solange wir sie lassen. Wenn wir Druck auf die Kinder ausüben, wenn wir ein gehetztes und getriebenes Vorbild sind, verlieren sie diese Gelassenheit. Chillen, dösen, abhängen – das ist auch gesund und das sollten wir Erwachsenen wieder von den Kindern lernen. Wir sollten uns Pausen und Auszeiten gönnen, die gehören zu einem gesunden, bewussten und glücklichen Leben einfach dazu.

Wie können Erwachsene es schaffen aus dem stressigen Leben auszubrechen?

Das Leben wird getakteter, die Tempoanforderungen größer. Die Arbeitszeit wird zwar offiziell kürzer, das betrifft aber die objektive Zeit. Die erlebte Zeit wird druckvoller und bedrückter – das ist ungesund. Wir brauchen eine Gegenbewegung, eine Gegenhaltung. Wenn Menschen sich und ihr Zeitgefühl würdigen, ist schon viel gewonnen.

Fragen Sie sich: Brauche ich das wirklich? Muss ich das wirklich tun? Was sagt meine Würde dazu? Kümmern Sie sich um sich selbst. Formulieren Sie Ihre wahren Ziele und Wünsche und versuchen Sie diese in die Tat umzusetzen. So können Sie aus dem Alltag ausbrechen und die Zeit nicht als "Feind" ansehen, sondern als ordnendes Element in Ihrem Leben. Und vielleicht können Sie dann irgendwann mit einem Lächeln zurückblicken, weil Sie einfach eine tolle Zeit hatten.

Übrigens: Eine Möglichkeit, um das Leben zu entschleunigen und bewusster wahrzunehmen ist Yoga – erfahren Sie alles dazu auf unserer Themenseite. Und auch zu Meditation haben wir jede Menge nützliche Infos und Tipps.

Wenn wir alt sind, was sind die wichtigsten Erinnerungen an frühere Zeiten?

Das sind die Erinnerungen, die unser Herz betreffen, im Guten wie im Schlechten. Momente mit besonderen Gefühlen bleiben im Gehirn hängen, sind Eckpfeiler in unserem Leben. Warum vergeht die Zeit im Alter schneller? Nun, ob die Zeit schneller vergeht, wenn wir älter werden – das entscheiden wir und unser Herz also zu großen Teilen selbst.

Dem Stress entfliehen: Hier gibt's schnelle Übungen für einfache Meditationen. Und mit diesen Tipps finden Sie erholsam in den Schlaf – hier mehr erfahren.

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Mehr Informationen über Dr. Udo Baer gibt's auf seiner Website: www.baer-frick-baer.de.

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