06.06.2018 - 08:20

Nichtraucherschutz Zigaretten-Stop bei Lidl: Discounter verzichtet auf Tabak

Keine Zigaretten mehr bei Lidl: Der Discounter nimmt die Glimmstängel aus dem Sortiment – zumindest in den Niederlanden. Wie es in Deutschland aussieht...

Foto: iStock, Getty Images (Collage BdF Online)

Keine Zigaretten mehr bei Lidl: Der Discounter nimmt die Glimmstängel aus dem Sortiment – zumindest in den Niederlanden. Wie es in Deutschland aussieht...

Der Neckarsulmer Discounter Lidl will Glimmstängel und Co. bis 2022 aus dem Sortiment nehmen – allerdings nicht hier bei uns.

Schnell an der Kasse noch zur frischen Packung Glimmstängel gegriffen – das gehört für viele Einkaufende dazu. Praktischerweise liegen die Zigarettenpackungen am Ende der Einkaufstour an der Stelle bereit, an der man in der Regel die meiste Zeit des Einkaufs verbringt. Ähnlich wie Süßigkeiten könnte man fast schon von "Quengelware" für Erwachsene reden.

Der Discounter Lidl allerdings möchte da nicht mehr mitziehen – jedenfalls erst einmal in den Niederlanden nicht mehr. Dort hat der Konzern die Zigaretten bereits jetzt von der Kasse in einen uneinsichtigeren Bereich im Laden verbannt. Ab 2022 heißt es dann: bei Lidl keine Zigaretten mehr. Ein Schritt Richtung rauchfrei auch in anderen Ländern?

Lidl stoppt Zigarettenverkauf – und folgt dem Trend Richtung rauchfrei

Als nach eigenen Angaben erster Lebensmittelhändler in den Niederlanden stoppt Lidl ab 2022 also den Verkauf von Tabakwaren.

Lediglich der Schutz der Bevölkerung liegt Lidl damit aber nicht am Herzen, der geplante Verkaufsstop hat auch wirtschaftliche Gründe: "Der Trend in den Niederlanden geht klar in Richtung rauchfrei", heißt es in der Lebensmittelzeitung, die über die Entscheidung des international agierenden Discounters geschrieben hatte und damit eine Sprecherin des Konzerns zitiert.

Laut dieser Sprecherin merke man das auch an der Kasse: "Deshalb ist es für uns ein logischer Schritt, den Verkauf von Zigaretten jetzt auslaufen zu lassen." Man hatte aber bereits nach Entfernen der Zigaretten aus dem direkt sichtbaren Bereich an der Kasse einen Umsatzrückgang in diesem Segment erlebt. Der Verkauf sei nicht mehr profitabel, heißt es.

Die Tabakverkäufe in den Niederlanden gehen bereits seit Jahren zurück. Schon lange ist das Thema Nichtraucherschutz ein Großes, man hatte bereits in den 90er Jahren angefangen, die Gefahr von Tabak den Menschen nahezubringen. Seit 2002 darf in den Niederlanden in öffentlichen Gebäuden nicht mehr geraucht werden.

In Deutschland gehabt sich das ein wenig anders, hier obliegen viele Einrichtungen dem jeweiligen Landesgesetz, in Baden-Württemberg dürfen zum Beispiel Betreiber von Sporthallen selbst entscheiden, ob geraucht werden darf oder nicht. Dabei schadet schon eine Zigarette am Tag mehr als man denkt.

Internationaler Vergleich: Niederlande im Kampf gegen Zigaretten weit vorne

Suchthilfe-Netzwerke und Krebs-Initiativen begrüßen den Entschluss des Discounters mit Hauptsitz im deutschen Neckarsulm und sehen ihn als richtigen Schritt an, dem weitere Supermärkte folgen sollten. Zwei Drogeriemärkte im Land ziehen bereits nach und wollen ebenfalls keine Tabakprodukte mehr verkaufen.

In den Niederlanden sind Zigaretten und Co. allerdings auch wesentlich teurer im Vergleich zu Deutschland. Rund 20 Prozent mehr kostet eine Schachtel dort.

In vielen Ländern werden aber auch weitreichendere politische Maßnahmen gegen das Rauchen von Tabak ergriffen als beispielsweise in Deutschland. Im Vergleich von 35 Ländern in einer Studie der Association of European Cancer Leagues zu diesem Thema landete Deutschland im Jahr 2017 auf dem vorletzten Platz. Zudem zähle Deutschland als das am meisten problematische Land in Europa.

Rauchen: Deutschland in der Kritik

Innerhalb der EU ist Deutschland zudem das einzige Land, in dem Tabak-Außenwerbung noch erlaubt ist. EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaits kritisierte dazu am Weltnichtrauchertag 2015, dass man Deutschland zu den EU-Staaten zählen könne, die "nicht den politischen Willen haben, um die Situation zu ändern" – ein Seitenhieb auf die enge Verbindung zwischen Tabaklobby und Politik.

Dazu passt die Entscheidung von Lidl für deutsche Märkte: Für Deutschland ist ein Verkaufsstop für Tabakwaren bisher nicht geplant.

Rauchen ist der häufigste Grund für Lungenkrebs. Mehr zum Thema Krebs lesen Sie auf unserer Themenseite. Wer mit dem Rauchen aufhören und im Anschluss auch seine Lunge reinigen möchte, kann übrigens mit der richtigen Ernährung und gezielter Bewegung einiges bewegen.

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