25.05.2018

Body-Shaming & Co Sportmode von Aldi sorgt für hitzige Diskussionen

Frauen jenseits der Größe L werden bei der neuen Aldi-Sportkollektion nicht fündig und müssen auch in Zukunft zum gewohnten Lieblingsshirt greifen.

Foto: iStock/LightFieldStudios

Frauen jenseits der Größe L werden bei der neuen Aldi-Sportkollektion nicht fündig und müssen auch in Zukunft zum gewohnten Lieblingsshirt greifen.

Voller Freude kündigte Aldi Süd auf Facebook die neue Sportbekleidungs-Kollektion mit Sophia Thiel an. Doch die kam nicht bei allen gleichermaßen gut an – und sorgte sogar für eine hitzige Diskussion. Worum genau es ging...

Der Sommer klopft bereits an die Tür, und überall im Land ist die Bereitschaft groß, den eigenen Körper in Form zu bringen. Dieser Trend ist auch an Aldi Süd nicht vorbei gegangen. Der Discounter verkauft längst nicht nur Lebensmittel – auch Haushaltsgeräte und Kleidung wird zum Kauf angeboten. Ganz neu im Sortiment: eine Damen-Sportmoden-Kollektion in Kollaboration mit Social-Media-Star Sophia Thiel. Doch die Linie kommt nicht bei allen Kunden gleichermaßen gut an. Weshalb auf der Facebook-Seite sogar eine verbissene Diskussion ausbrach, lesen Sie im Folgenden.

Aldi Süd: Zusammenarbeit mit Sophia Thiel

Eigentlich keine schlechte Marketing-Strategie für einen Discounter: Man nehme ein bekanntes Gesicht aus den Medien und starte mit ihm eine werbewirksame Zusammenarbeit, am besten in Form einer gemeinsamen Kollektion. Das hat bei Lidl und Heidi Klum schon geklappt, warum also nicht auch bei Aldi Süd? Und zugegeben: Mit Sophia Thiel als Partnerin hat das Unternehmen keinen schlechten Fang gemacht. Sowohl bei Facebook als auch bei Instagram hat die blonde Fitness-Bloggerin über eine Million Fans und Follower, könnte somit gerade eine jüngere Zielgruppe ansprechen und in die Supermärkte locken.

So weit, so gut. Voller Stolz kündigte das Unternehmen gerade die gemeinsame Kollektion mit Sophia Thiel auf Facebook an. Doch die Reaktion der Fans war zwiegespalten.

Sportbekleidung nicht in großen Größen

Der Grund: Die Sportbekleidung wird in den Größen XS bis L angeboten – große Größen sucht man allerdings vergeblich. Ein Umstand, der einigen interessierten Käuferinnen nicht recht schmecken wollte. Von Diskriminierung kräftiger Frauen war die Rede. Hier einige User-Kommentare:

  • "Die wollen doch nicht, dass Dicke Sport machen..."
  • "Bei den meisten Sportsachen muss man ja als breiter Mensch meinen, dass man keinen Sport machen soll, weil's einfach nur bis L geht."
  • "Vielleicht gibt’s auch irgendwann mal Sportbekleidung, in der Kräftigere gut aussehen."

Durchaus verständlich, dass sich da Einige übergangen fühlen. Aldi Süd bezog in den Kommentaren unmittelbar Stellung: "Die Größen der Kollektion gehen tatsächlich von Größe XS bis Größe L. Dies hat lediglich den Grund, dass wir die am häufigsten nachgefragten Größen anbieten, da unser Textilangebot als Discounter begrenzt ist. Wir bitten um dein Verständnis."

Wer nun meint, damit sei die Diskussion beendet, irrt gewaltig. Bedingt durch enttäuschte Interessentinnen jenseits der Kleidergröße L fühlten sich einige andere Facebook-User berufen, ihre Meinung kundzutun. Und zwar über kräftigere Personen.

Body-Shaming auf Facebook

Die Enttäuschung darüber zum Ausdruck zu bringen, dass es bestimmte Kleidungsstücke nur in bestimmten Größen gibt, ist die eine Sache. Das sind lediglich Rückmeldungen auf eine von Aldi beworbene Kollektion. Was andere User hingegen in den Kommentaren zum Besten gaben, war Body-Shaming der niveaulosesten Art.

Hier eine Auswahl der Beiträge:

  • "Also die Entscheidung, ob man Sport macht, hängt davon ab, ob ich in die Thiel-Collection reinpasse? Haben alle Kräftigeren jetzt gewartet, bis das kleine Mädchen ihre Kollektion rausbringt, um dann festzustellen: 'Scheiße, ich kann immer noch nicht mit Sport anfangen, weil's da nichts in meiner Größe gibt. Aber ich kann jemandem die Schuld dafür geben' Das ist die beste Ausrede aller Zeiten."
  • "An alle übergewichtigen Jammerlappen: Spoiler! Es gibt keine Sportklamotten in denen "kräftige" Frauen gut aussehen – da kann auch Aldi nicht zaubern!"
  • "Das ist die bittere Realität, die nicht jedem schmeckt. Ups... Wieder mitten ins FETTnäpfchen"
  • Oh oh... Natürlich wieder nur in kleinen Größen... dieses ewige Gejammer der Dicken. Die ganze Welt hat es auf euch abgesehen. Da ist Aldi natürlich keine Ausnahme. Zieht euch nen fetten Hamburger rein, das hebt die Laune. Ich werde mir da was holen, finde die Sachen schön. In XS übrigens."

Besonders interessant: Ein Großteil der Beiträge mit ähnlichem Tenor stammten von einer Zielgruppe, für die diese Kollektion ohnehin nicht gemacht war: Männer. Wie man diesen Umstand werten möchte, sei an diese Stelle jeder Leserin und jedem Leser selbst überlassen.

Discounter: Aufreger keine Seltenkeit

Eine gute Kampagne verspricht eine ebenso gute Verkaufswoche wie ein bekanntes Werbegesicht. Das wissen alle Discounter, doch manchmal schießen sie dennoch über das Ziel hinaus. Erst kürzlich etwa empörten sich viele, als Lidl Bügelbrett, Nähmaschine und Co als optimales Muttertags-Geschenk zu verkaufen versuchte. Ein sexistisches, veraltetes Frauenbild, fanden die User.

Mit welchen Aktionen Discounter sonst noch für große Aufregung sorgten, sehen Sie in unserem Video:

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Body-Shaming weit verbreitet in sozialen Netzwerken

Body-Shaming ist ein vor allem in sozialen Netwerken wie Facebook, Instagram und Co verbreitetes Phänomen, das zum Cybermobbing gezählt wird. Es herrscht ja gemeinhin ein gängiges Schönheitsideal – und wer diesem nicht zu 100 Prozent entspricht und dennoch Fotos von sich ins Netz stellt, kann schnell zur Zielscheibe für Hasskommentare und Body-Shaming werden. Die Anonymität des Internets bietet Hatern den nötigen Deckmantel für verletzende Worte, die sie in einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht wohl niemals über die Lippen bringen würden. Wer keine Konsequenzen fürchten muss, kann ungeahndet mit den Gefühlen anderer Leute herumspielen und mit Worten verletzen.

Vor allem junge Frauen sind vom Body-Shaming betroffen, doch Fälle wie die Diskussion rund um die neue Sport-Kollektion von Aldi zeigen, dass Body-Shaming vor keinem Alter Halt macht.

Wir finden: Schönheit liegt im Auge des Betrachters und ist keineswegs verbunden mit einer bestimmten Konfektionsgröße. Wie schön nämlich auch Plus-Size sein kann, zeigen uns diese bezaubernden Frauen.

Hier erfahren Sie noch mehr über den Discounter ALDI.

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