15.05.2018

Zeichen gegen Bienensterben Bienenfrei bei Penny: Discounter räumt Produkte aus Regalen

Was passiert, wenn Bienen und andere bestäubende Insekten aussterben? Darauf weist Penny mit einer gewagten Aktion in einem Markt in Niedersachsen hin.

Foto: martn bondzio aufmdeich.de

Was passiert, wenn Bienen und andere bestäubende Insekten aussterben? Darauf weist Penny mit einer gewagten Aktion in einem Markt in Niedersachsen hin.

Mit einem interessanten Experiment machte Discounter Penny kürzlich auf ein kritisches Thema aufmerksam: das Bienensterben. In einer Filiale in Niedersachsen wurden kurzerhand alle Produkte aus dem Regal geräumt, die mit Honigprodukten und Co. hergestellt werden oder anderweitig auf Bienen angewiesen sind. Fazit: ein fast leerer Laden.

Keine Bienen mehr – was würde das eigentlich bedeuten? Diese Frage stellt sich aktuell immer mal wieder, unter anderem vor dem Hintergrund der Glyphosat-Diskussion und dem Einsatz sonstiger Pestizide in der Landwirtschaft, dem Klimawandel und der Zerstörung des natürlichen Lebensraums von Insekten.

Diese Frage haben sich auch die Verantwortlichen hinter der Discounter-Kette Penny gestellt – und in einer Filiale im niedersächsischen Langenhagen ein Experiment gewagt: Die Mitarbeiter haben einfach alle Waren aus den Regalen geräumt, die ohne die Bestäubungsarbeit von Bienen nicht hergestellt werden könnten. Das Ergebnis schockt!

Penny nimmt Produkte aus dem Regal: Zeichen gegen Bienensterben

Auf ganze 60 Prozent des Angebots in der Filiale – von rund 2.500 Artikeln sind das immerhin etwa 1.500 Produkte – müssten die Verbraucher demnach verzichten, wenn das Bienen- und Insektensterben weitergeht und wir irgendwann ohne die gelb-schwarzen Flugtierchen leben müssten. Und diese Vorstellung ist leider gar nicht so weit hergeholt.

Wie wichtig Bienen sind, ist den meisten von uns wohl gar nicht bewusst – aber Fakt ist, dass sie nach Rindern und Schweinen tatsächlich als das wichtigste Nutztier des Menschen gelten. Denn die wenigsten Pflanzen auf der Welt können sich selbst bestäuben und sind daher auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Und diese Aufgabe übernehmen zum Großteil die Bienen.

Welt ohne Bienen und bestäubende Insekten: Ökosysteme würden zusammenbrechen

Bienen sind nicht nur für die Produktion von Honig zuständig. Durch die Bestäubung von rund 85 Prozent aller Wild- und Kulturpflanzen auf der Erde sichern sie zusammen mit anderen bestäubenden Insekten den Fortbestand dieser Pflanzen – und damit auch das Wachstum von Obst oder Gemüse.

Sterben diese Insekten aus, sterben also auch die auf sie angewiesenen Pflanzen aus – denn sie können sich nicht mehr fortpflanzen. Das Fazit: Menschen und Tieren fehlen am Ende die Nahrungsmittel, ganze Ökosysteme brechen zusammen.

Penny arbeitet mit Nabu und Umweltministerium zusammen

Mitgeholfen bei der "Entbienung" der Filiale haben auch der Naturschutzverein Nabu mit Bundesgeschäftsführer Leif Miller sowie der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies von der SPD. Über die Unterstützung ist Stefan Magel von Penny dankbar: "Ich war schockiert, als ich die Auflistung sah. Man macht sich überhaupt keine Vorstellung davon, wie viele Produkte ohne die Bestäubungsleistung der Insekten wegfallen würden. Wir müssen gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen, um das Insektensterben zu stoppen", so Magel. "Unsere Natur verstummt ansonsten unwiederbringlich."

Kunden können mit Kaufverhalten viel beeinflussen

Nun, die Penny-Kunden in Langenhagen konnten sich nun ein Bild machen. Große Plakate hingen im Laden an Stelle der Produkte mit Honig, Obst und Co., die die Kunden informieren und mobilisieren sollten.

Olaf Lies macht deutlich, wie wichtig ein Einschreiten auch seitens der Bevölkerung ist: "Verbraucherinnen und Verbraucher haben durch ihr Kaufverhalten mehr Einfluss, als sie denken: Saisonale, regionale und vor allem auch nachhaltig (biologisch) und somit umweltfreundliche Produkte sind gut für unsere Luft, das Wasser und die Böden. Nur mit vereinten Kräften können wir dem Insektensterben entgegenwirken."

Die Organisatoren der Aktion wünschen sich aber auch ein Umdenken in der Landwirtschaft, denn es sei paradox, dass die Landwirtschaft "in hohem Maße von Insekten abhängig ist", aber gleichzeitig "als einer der Haupttreiber ihres Verlustes gilt", erklärt Leif Miller. Und auch die Politik muss noch mehr handeln – ein Glyhphosat-Verbot ist bislang gescheitert. Der Unkrautvernichter gilt als stark gefährdend für Wildbienen und andere Insekten.

Eine gewagte, aber tolle Aktion hat Penny da in Niedersachsen gewagt. Wir finden: Das kann gerne auch in anderen Teilen des Landes einmal gemacht werden, denn das Bienensterben geht uns alle an.

Am 20. Mai 2018 findet übrigens der erste Weltbienentag der Vereinten Nationen statt. Mehr dazu mit Tipps, was Sie selbst zum Bienenschutz beitragen können, lesen Sie hier.

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