20.04.2018

Wichtige Draußen-Urteile Die wichtigsten Draußen-Urteile für Naturliebhaber

Geballtes Wissen über die Themen, die Frauen bewegen Von

Damit Sie die warme Jahreszeit in vollen Zügen und ohne Probleme im Freien genießen können, haben wir Ihnen die wichtigsten Draußen-Urteile zusammengestellt.

Foto: iStock/Ridofranz

Damit Sie die warme Jahreszeit in vollen Zügen und ohne Probleme im Freien genießen können, haben wir Ihnen die wichtigsten Draußen-Urteile zusammengestellt.

Wenn die Tage lang, die Nächte kurz werden und die Temperaturen steigen, dann zieht es viele in die Parks, an den See, in den Garten, auf die Terrasse oder den Balkon. Wir stellen Ihnen sieben aktuelle Gerichtsurteile vor, die das richtige Verhalten im Freien betreffen.

Kaum lugt die Sonne zart um die Ecke, zieht es alle ins Freie. Und nicht nur wegen dichter Rauchschwaden beim Grillen endet der Spaß oft vor dem Richter. Wir haben Ihnen aktuelle Gerichtsurteile für draußen, die für Naturverbundene und Leute, die im Frühling und Sommer gerne und viel Zeit im Freien verbringen, wichtig sein könnten.

Die wichtigsten Draußen-Urteile

1. Auch freier Strand-Zugang muss möglich sein

Sieg der Freiheit: Viele Gemeinden an der Küste haben ihre Strände eingezäunt und mit Sanitärgebäuden und Kiosken als Strandbad ausgebaut. Dafür erheben sie Gebühren von den Besuchern. Aber öffentliche Strände müssen sein: Das Bundesverwaltungsgericht hat nun nach einer Klage gegen die Gemeinde Wangerland entschieden, dass das rechtswidrig ist. Es müssen auch Flächen unentgeltlich zum Baden und Spazierengehen betreten werden dürfen (Az. 10 C 7.16).

2. Löcher im Waldboden sind ganz normal

Eine Fahrradtour durch den Wald – wunderbar! Für eine Frau aus dem Kreis Groß-Gerau endet der Ausflug allerdings schmerzhaft, als sie versucht, einem etwa 20 mal 20 Zentimeter breiten und 20 Zentimeter tiefen Loch auszuweichen. Sie gerät ins Schleudern und stürzt auf die linke Schulter. Sie verklagt das Land Hessen auf Schmerzensgeld. Die Richter am OLG Frankfurt am Main weisen ihre Klage ab: Der Waldbesitzer haftet nicht für waldtypische Gefahren. Erhebliche Unebenheiten der Wege gehören dazu (Az. 13 U 111/17).

3. Keine Erstattung für geklauten Grill

Grill geklaut? Schlechte Nachrichten für Draußen-Kocher: Einem Hausbesitzer wird der Edelstahlgrill gestohlen, der im Garten stand. Seine Hausratversicherung will dafür nicht haften. Das Amtsgericht Bad Segeberg stimmt dem zu: Ein Grill ist weder ein Gartengerät noch ein Gartenmöbelstück und damit vom Versicherungsschutz ausgenommen (Az. 17 C 116/11).

Beim Grillen selbst gibt's aber auch einiges zu beachten. Denn über Würstchenduft und Rauchwolken freut sich nicht jeder Nachbar, nicht jede Nachbarin. Entdecken Sie weitere Urteile, die das Grillen betreffen.

4. Pavillon auf Terrasse nicht mit Laube vergleichbar

Der Mieter eines Reihenhauses will es sich schön machen und stellt auf seiner Terrasse ein Pavillon-Zelt auf. Sein Vermieter ist nicht einverstanden. Das Zelt soll weg, weil laut Gartenordnung "Sommerlauben und ähnliche Aufbauten" verboten sind. Die Richter am Hamburger Landgericht geben dem Mieter Recht: Das Zelt ist nicht fest im Boden verankert. Es ist eher ein Sonnenschirm-Ersatz und darf stehen bleiben (Az. 311 S 40/07).

5. Feuerwehr-Rechnung für Heimwerker völlig okay

Direkt neben einem Schuppen mit brennbarem Material arbeitet ein Heimwerker mit seiner Flex. Die Funken fliegen – auch in die einen Spalt weit offene Tür des Schuppens. Durch den Funkenflug entzündet sich eine Jacke, die an der Tür hängt. Der Handwerker löscht die Jacke und zwei kleinere Brände im Schuppen. Dann geht er ins Haus. Als er zurückkehrt, brennt der Schuppen lichterloh. Die Kosten für den Feuerwehreinsatz soll jetzt der achtlose Heimwerker übernehmen. Das will er nicht. Doch das Verwaltungsgericht Koblenz weist seine Klage ab: Es war grob fahrlässig, dass er trotz starkem Funkenflug in unmittelbarer Nähe zu brennbarem Material arbeitete (Az. 5 K 894/10.KO).

6. Zigarettenqualm ist kein Mietmangel

Einem Wohnungsmieter in Berlin stinkt's: Im Erdgeschoss seines Wohnhauses hat eine Gaststätte mit Terrasse eröffnet. Von dort zieht der Zigarettenqualm der Gäste in seine Wohnung. Der Mann klagt: Seine Wohnung hätte nun einen Mietmangel. Das Landgericht Berlin sieht das anders: Gerade in einer Großstadt wie Berlin sind solche Beeinträchtigungen nicht unüblich. Und die daraus entstehende Beeinträchtigung durch Zigarettenrauch auch nicht (Az. 65 S 408/04).

7. Achtung vor Schwänen am Ufer

An einem Aprilabend läuft ein Jogger eine Uferpromenade entlang. Er muss einem Schwan ausweichen, der ihn attackieren will, stürzt und verletzt sich die Hand. Darauf verklagt er die Gemeinde auf Schadenersatz: Im Asphalt war eine Vertiefung, über die er gestolpert sei. Die Richter am OLG Koblenz aber urteilen: Auf einem Uferweg muss mit Unebenheiten gerechnet werden. Und in der Brutzeit auch mit angreifenden Schwänen (Az. 5 U 196/11).

Wir haben Ihnen zudem weitere zehn Urteile der obersten Gerichte in Deutschland zusammengestellt, die ab 2018 unseren Alltag beeinflussen und an die wir uns nun halten müssen. Und noch mehr spannende Rechtsthemen gibt's auf unserer Themenseite Ratgeber Recht.

Dieser Artikel erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 16.

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