20.04.2018

Reportage „Sprung ins Leben e. V.“ schenkt Kindern eine neue Zukunft

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Mo, 07.05.2018, 14.19 Uhr

Sprung ins Leben

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Für Kinder kann der Alltag in Ecuador sehr gefährlich sein: Gefahren lauern in den Wohnungen und auf der Straße, die medizinische Versorgung ist katastrophal. Oft ist es schon zu spät, wenn sie nach einem Unfall endlich von Ärzten behandelt werden, Amputationen sind alles andere als selten. Ein gemeinnütziger Verein finanziert für betroffene Kinder Prothesen, die sich ihre Familien sonst nicht leisten könnten.

Warum in Ecuador so vielen Kindern ein Arm oder ein Bein fehlt? Weil überall, vor allem in den billigen Wohnungen, offene Stromleitungen hängen – und sie sich beim Spielen verletzen. Weil sie in Verkehrsunfälle geraten, die medizinische Versorgung eine Katastrophe ist. Philippa Mund (30) ist für diese Kinder ein rettender Engel: Ihr Verein "Sprung ins Leben" sorgt dafür, dass sie vernünftige Prothesen bekommen – und neuen Lebensmut. Lesen Sie in dieser exklusiven Reportage, wie eine junge Deutsche schon fast 40 behinderten Kindern in Südamerika eine Zukunft schenkte.

"Sprung ins Leben e. V." finanziert Prothesen für behinderte Kinder

Es ist ein Moment, der einen trifft wie ein Schlag, ein bisschen das Herz zerreißt: Samanta, ein bildhübsches Mädchen von sieben Jahren, reckt zu unserer Begrüßung spontan ihren Arm hoch. Wie eine Siegerfaust. Doch da ist weder eine Hand noch ein richtiger Arm: Ab Schulterhöhe trägt Samanta eine Prothese, die in einer kleinen Greifzange endet. "Guck mal, ich trage einen Ring", plappert sie trotzdem drauflos, zeigt die Kunstperlen an dem Stahlträger. Dann schlingt sie ihre Arme um Philippa Mund.

Die junge Frau aus dem baden-württembergischen Karlsbad lächelt. "Es ist so schön zu sehen, wie die Kinder strahlen – nach all dem Leid, das sie erlebt haben. Mit den Prothesen können sie wieder am Leben teilhaben, Spaß haben, Pläne machen", sagt die 30-Jährige. Vor fast zehn Jahren hat Philippa den Verein "Sprung ins Leben e. V." gegründet – um genau diesen Kindern aus ärmsten Verhältnissen zu helfen, ihnen Arm- und Beinprothesen zu spenden. Ihr Partner vor Ort ist die Hermano-Miguel-Stiftung, eine Art Reha-Zentrum mit Prothesenlabor und psychologischer Betreuung. Einmal im Jahr organisieren sie gemeinsam ein "Schützlingstreffen". Dieses Mal ist BILD der FRAU dabei.

Die Kinder brauchen Normalität und Chancengleichheit

Über 30 der fast 40 Kinder, die seit 2009 über Philippas Verein in das Förderprogramm aufgenommen wurden, sind aus ihren Heimatdörfern in die Hauptstadt Quito gekommen. Zum Spielen, zum Lachen, für Nachuntersuchungen, Prothesen-Reparaturen und damit sie alle spüren: Ich bin nicht allein. Denn ein bisschen Normalität ist das, was die Kinder am meisten brauchen. Und Chancengleichheit. Kein Mitleid, keine Ausgrenzung. So wie Samanta, die mit der Fehlbildung geboren wurde. Oder all die anderen Mädchen und Jungen, die auf dem Weg zur Schule oder beim Spielen in der Nähe von offenen Stromleitungen verunglücken.

Wie alles begann

Steven etwa, damals 13 Jahre alt, erlitt einen Stromschlag über der Spüle. Sechs Wochen liegt er in der Klinik. Er verliert seinen linken Arm und sein rechtes Bein. Er ist es, der Phi­lippa dazu bringt, den Verein zu gründen: "Ich war damals nach dem Abitur für ein paar Monate in Ecuador, hab in dem Krankenhaus gearbeitet." Sie lernt den Jungen kennen, die beiden werden Freunde, Phi­lippa erfährt immer mehr über den gefährlichen Alltag in dem südamerikanischen Land – undwill helfen. Zurück in Deutschland sammelt sie Spenden: 6500 Euro. So hat Steven zwei Prothesen gekriegt. Heute studiert er, hat eine Freundin, ist Vorbild für alle "Sprung ins Leben"-Kinder: "Schaut mich an, was aus mir geworden ist! Eure Träume können immer noch wahr werden!"

Noch fehlen Spenden für Maybelins und Jaimes Beinprothese

Maybelin (11) glaubt fest daran. Sie hatte Knochenkrebs, am 5. Januar letzten Jahres musste ihr linkes Bein abgenommen werden. Auf dem Fest hält sie eine kleine Rede, bedankt sich unter Tränen bei ihrer alleinerziehenden Mutter: "Mama ist immer für mich da. Und jetzt hat sie sogar Philippa für mich gefun den!" Über den Verein der Deutschen kriegt das Mädchen nun endlich eine Physiotherapie. Und hoffentlich bald ihre erste Prothese. "Noch fehlt uns Geld", sagt Philippa, "aber wir sammeln das ganze Jahr Spenden, das muss in diesem Jahr noch klappen."

Das Gleiche hofft sie für Jaime. Der Junge ist im September 2017 mit seinem Roller unterwegs, als ein Lkw ihn anfährt. Hinterm Steuer: ein Teenager ohne Führerschein, der sich den Laster vom Vater "ausgeliehen" hatte. Jaime ist damals 16 Jahre alt. Seine Mutter Jenny wird immer noch blass, wenn sie vom Unfall erzählt: "Wir sind mit unserem blutenden Sohn von einer Klinik zur nächsten – erst die vierte hat ihn behandelt." Da ist schon alles zu spät: Jaimes linkes Bein wird amputiert.

Der Junge lächelt tapfer. Denn auch er hat jetzt wieder Hoffnung: Auf dem Kinderfest von "Sprung ins Leben" verewigt er sich mit einem Handabdruck auf der Gebäudewand. Wie Neuankömmling Maybelin und all die anderen Prothesen-Kinder. Darüber steht: "Mi sonrisa en tus manos – Mein Lächeln ist in deinen Händen." Es soll ein Appell an alle Menschen sein: Mit eurer Hilfe können wir wieder lachen, haben wir eine Zukunft.

Jeder Spenden-Euro zählt!

Die Kinder werden bis zu ihrem 19. Lebensjahr mit Prothesen versorgt. Sie wollen dabei helfen? Dann spenden Sie:

Sparkasse Karlsruhe/Ettlingen

IBAN DE29 6605 0101 0001 3695 78

Adresse und weitere Infos:

Sprung ins Leben – Salto hacia la vide e. V.

Waldstraße 6, 76307 Karslbad

E-Mail: philippa.mund@sprunginsleben.de

Besuchen Sie auch die Internetseite www.sprunginsleben.de

Diese Reportage erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 17.

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