03.12.2019

Die wichtigsten Kriterien So suchen und finden Sie das beste Pflegeheim

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Wenn Sie ein Familienmitglied in vollstationäre Pflege geben müssen, gibt es einige Faktoren, die Sie bei der Pflegeheim-Suche beachten sollten. Hier finden Sie wichtige Infos!

Foto: imago images / MITO

Wenn Sie ein Familienmitglied in vollstationäre Pflege geben müssen, gibt es einige Faktoren, die Sie bei der Pflegeheim-Suche beachten sollten. Hier finden Sie wichtige Infos!

Eigentlich wollten Sie es Ihren Eltern oder Ihrem Partner ersparen? Ein Pflegeheim kann dennoch eine sehr sinnvolle Lösung sein. Es gibt viele zur Auswahl, aber welches ist das richtige? Wir erklären, worauf Sie bei der Suche wirklich achten sollten.

Die aktuellen Pflegestatistik-Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: Zum Jahresende 2017 waren ca. 3,4 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig – der Frauenanteil fiel mit 63 Prozent dabei höher aus als der an Männern. 24 Prozent wurden in Pflegeheimen vollstationär betreut. Es besteht also ein großer Bedarf!

Auch wenn es nicht leicht fällt: Pflegeheime können in vielen Fällen die beste Lösung sein – weil bedürftige Menschen dort in Gesellschaft sind und leichter Kontakte knüpfen können, weil es dort mehr Angebote gibt, den Alltag aktiv zu gestalten, und weil die medizinische Versorgung oftmals besser ist. Aber wie sollten Sie bei der wichtigen Pflegeheim-Suche vorgehen? Worauf sollten Sie achten? Hier gibt es wichtige Informationen und Tipps sowie eine Pflegeheim-Checkliste. Außerdem erfahren Sie den wichtigen Unterschied zwischen Alters- und Pflegeheim.

Nach dem besten Pflegeheim suchen: Der Pflege-TÜV wird verbessert, aber...

Es gibt zwar einen offiziellen Pflege-TÜV, also ein Bewertungssystem der über 13.000 Pflegeheime in Deutschland. Doch das war bislang nicht wirklich aussagekräftig, denn fast alle hatten Bestnoten – nach welchen Kriterien bewertet wurde, war nicht ersichtlich. Seit dem 1. November ist jetzt ein vollständig überarbeiteter Pflege-TÜV an den Start gegangen, um Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen die Suche leichter, übersichtlicher und vor allem aussagekräftiger zu machen. Statt Noten gibt es jetzt Bewertungen, die detaillierter über Qualität und Mängel aufklären sollen.

Doch schon jetzt gibt es Kritik am neuen System. So bemängelt etwa Eugen Brysch vom Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, dass weder eine Gesamtnote noch klare K.-O.-Kriterien vorgesehen seien, was eine schnelle Vergleichbarkeit nahezu unmöglich mache. Die Bewertung sei außerdem noch komplizierter geworden. Vor allem aber bleibt ein großes Problem bestehen: Die Heime prüfen sich selbst.

Qualitätssiegel und Zertifikate bislang nur bedingt aussagekräftig

Das Zentrum für Qualität in der Pflege beanstandet außerdem, dass Qualitätssiegel und Zertifikate nicht unbedingt viel über die Maßnahmen zur Qualitätssicherung der Pflegeeinrichtung aussagen. Denn die Prüfung der Umsetzung solcher Maßnahmen, z. B. was die Hygieneanforderungen und das Medikamentenmanagement betrifft, erfolgt meist durch externe Stellen und nicht sehr regelmäßig.

Die Prüfverfahren und -inhalte dieser Externen unterscheiden sich und sind in der Regel nicht transparent gemacht. Die Qualitätssiegel und Zertifikate können nicht zweifelsfrei und zuverlässig Aufschluss über Pflegeleistungen und -angebote der Einrichtungen geben.

Diese Qualitätsprüfungen können helfen

Von der Qualität eines Heims sollten Sie sich in erster Linie mit eigenen Augen überzeugen. Aber es gibt auch Einrichtungen, die die Qualität von Pflegeheimen regelmäßig prüfen. Eine davon ist der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK), der mit seinem Transparenzbericht Noten für Pflegeheime vergibt. Dabei werden der Umgang mit demenzkranken Bewohnern, die medizinische Versorgung, Hygiene und Alltagsgestaltung bewertet. Infos dazu finden Sie auf deren Internetseite.

Eher aus der Sicht der Bewohner begutachtet das Internetportal Heimverzeichnis.de. Ein guter Ansprechpartner ist immer auch der Heimbeirat der Einrichtung.

Lesen Sie, wie Pflegestützpunkte Sie in Sachen Pflege individuell und hilfreich beraten können.

Pflegeleistungen und Freizeitangebot

Natürlich spielen auch die körperliche und geistige Verfassung sowie persönliche Wünsche des künftigen Heim-Bewohners eine Rolle: Leidet er an Demenz oder einer psychischen Erkrankung, sollten Sie ein Pflegeheim auswählen, das auf solche Erkrankungen eingestellt ist.

Kennen Sie schon Demenzdörfer? Sie sollen Alzheimerpatienten ein lebenswertes Leben ermöglichen.

Naturliebhaber kommen wohl in einem ruhigen Heim mit großem Garten besser zurecht als in einem Haus mitten in der Stadt. Natürlich können Sie nach Empfehlungen von Freunden und Bekannten fragen, aber auch nach Tipps vom Hausarzt und von den Pflegestützpunkten.

Falkner Achim Höfer besucht regelmäßig Senioren- und Altenheime sowie Krankenhäuser, Kindergärten und Hospize, um mit seiner Eulen-Therapie die Menschen zu berühren. Erfahren Sie mehr zu dieser neuen Therapieform mit beruhigender Wirkung.

Gut erreichbar mit Bus und Bahn

Bei der Suche nach einem Pflegeheim gilt es verschiedene Kriterien zu beachten, die sich nicht nur nach dem zukünftigen Bewohner, sondern auch nach den Angehörigen richten sollten. Das gilt vor allem für den Standort, der gut erreichbar sein sollte, am besten auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Schließlich wollen Sie Ihre Eltern oder Ihren Partner im neuen Zuhause so oft wie möglich besuchen kommen.

Schauen, riechen, nachfragen

Am besten, Sie schauen sich einfach mal zwei bis drei Pflegeheime an – ohne große Vorankündigung. Das ist in der Regel möglich und sollte vom Heim auch nicht verwehrt werden.

Im Gebäude sollten Sie auf Ausstattung und Einrichtung achten: Kommen Sie sich darin vor wie in einem Krankenhaus, einem Wohnhaus oder einem Hotel? Riecht es unangenehm? Sind die Zimmer, Gänge und Aufenthaltsräume freundlich und modern eingerichtet oder wirken sie renovierungsbedürftig und düster?

Auf Nachfrage sollte es möglich sein, ein Zimmer zu besichtigen. Bei dieser Gelegenheit können Sie auch in Erfahrung bringen, ob es Einzelzimmer gibt, ob eigene Möbel oder gar Haustiere mitgebracht werden können und wie es mit Freizeitbeschäftigungen aussieht: Werden Kurse wie Musizieren, Handarbeiten, Gymnastik angeboten? Wird der regelmäßige Kontakt zur Außenwelt gefördert, etwa durch Veranstaltungen und die Zusammenarbeit mit Seniorenclubs und Kindertagesstätten?

Wussten Sie schon, dass mittlerweile sogar Roboter in der Altenpflege eingesetzt werden? Erfahren Sie mehr! Übrigens: Freude in den Seniorenalltag bringen auch diese kleinen und kuschligen Therapiepferde.

Nutzen Sie Checklisten

Hilfreich sind Checklisten, die Sie während Ihres Besuchs im Pflegeheim ausfüllen und anschließend in Ruhe überprüfen können. Solche Listen zum Herunterladen gibt es im Internet. Eine vollständige Checkliste sollte unbedingt folgende Punkte berücksichtigen:

  • Lage (Standort und Umgebung), Verkehrsanbindung, Nähe zu Familien, Freunden und Bekannten
  • Angebot und Ausstattung der privaten/öffentlichen Räumlichkeiten
  • Orientierung innerhalb des Pflegeheims
  • medizinische Versorgung sowie therapeutische Angebote
  • Freizeit- und Serviceangebote (Alltagsgestaltung und Tagesablauf, soziale Begleitung, Kontaktpflege)
  • Transparenz des Pflege- und Betreuungsdienstes
  • Verpflegung
  • Hauswirtschaft und Sauberkeit
  • Regelungen innerhalb der Einrichtung

Für die Pflegeheim-Suche empfehlen wir diese umfangreiche Checkliste des Pflegeportals, die Sie sich für Ihren Besuch ausdrucken können. Sie können sich aber auch hier durch Auswahl individuell eine Checkliste zusammenstellen und am Ende ausdrucken.

Unterschied zwischen Pflegeheim und Altersheim

Pflege- und Alten- bzw. Seniorenheime unterscheiden sich insbesondere in der Betreuung und den Voraussetzungen für einen Heimplatz. Pflegeheime betreuen lediglich Personen, bei denen eine Pflegestufe vorliegt – unabhängig vom Alter, aber abhängig von den staatlichen Richtlinien. Als pflegebedürftig gelten Personen mit Krankheiten, die körperlich, geistig oder seelisch sein können, oder Behinderungen, durch die der Alltag voraussichtlich für mindestens sechs Monate im erheblichen Maße eingeschränkt und auf Hilfe angewiesen ist.

In einem Altersheim oder -wohnheim wohnen ältere Menschen, die nach SGB XI nicht pflegebedürftig sind. Personen können ohne Pflegestufe in einem Pflegeheim versorgt werden, wenn Sie beispielsweise eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz haben oder nach einem Krankenhausaufenthalt.

Entdecken Sie auf unseren Themenseiten weitere informative Ratgeber zu zwei Erkrankungen, die Betroffene in der Regel pflegebedürftig machen: Demenz und Alzheimer.

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Teile dieses Artikel zur Pflegeheim-Suche erschien auch in der Funke-Zeitschrift "Frau von Heute".

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