29.03.2018

Schicksalsschlag Leukämie Blutkrebs besiegt: „Wir sind das glücklichste Paar der Welt“

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Sie könnten nicht glücklicher sein. Gemeinsam meisterten sie eine schwere Zeit: Vanessa erkrankte an Blutkrebs, eine Spende rettete ihr Leben. Immer an ihrer Seite: Marco! Lesen Sie den emotionalen Erfahrungsbericht über den Kampf gegen Leukämie.

Foto: iStock/ThitareeSarmkasat, privat (Collage Bild der Frau Online)

Sie könnten nicht glücklicher sein. Gemeinsam meisterten sie eine schwere Zeit: Vanessa erkrankte an Blutkrebs, eine Spende rettete ihr Leben. Immer an ihrer Seite: Marco! Lesen Sie den emotionalen Erfahrungsbericht über den Kampf gegen Leukämie.

Leukämie! Vanessa ist erst 26 Jahre alt, als sie die Diagnose erhält. Ihre Überlebenschance: 50 Prozent. Sie schafft es – dank einer Stammzellenspende. Und weil Ehemann Marco keinen Tag von ihrer Seite wich.

Vielleicht, sagt sie heute, sollte das alles so sein. Damit ihr schon als junger Mensch bewusst ist, wie kostbar das Leben ist. Und welchen Schatz sie mit ihrem Mann Marco (28) hat. Die 26-jährige Vanessa besiegte Leukämie. Ihre Geschichte hat sie BILD der FRAU erzählt. Lesen Sie, wie Vanessa den Blutkrebs durch eine Spende besiegen konnte – der Leukämie-Erfahrungsbericht einer jungen Frau, deren Leben sich ganz plötzlich komplett änderte, und die mit Hilfe von Stärke und Liebe den Blutkrebs überstand.

Diagnose Blutkrebs: Eine Spende rettete Vanessas das Leben

Die ersten Symptome

Rückblende: Im Juli 2016 plagen Vanessa, die parallel zu ihrem Beruf als Krankenschwester ein Medizinstudium begonnen hat, Kopfschmerzen und Gesichtsfeldausfälle. "Ich konnte mit geradem Kopf manchmal nicht mehr die Seiten sehen", erklärt sie. Die junge Frau aus Hannover steht vor ihrer letzten Prüfung in Anatomie, schiebt die Beschwerden auf Prüfungsstress. Doch als sie eines Abends beim Kochen – es war Marcos 27. Geburtstag – erneut heftige Schmerzen hat, fährt ihr Mann sie in die Notaufnahme.

Die ersten Testergebnisse

Zuerst scheint alles harmlos. Eine ungewöhnliche Form von Migräne, vermutet die Neurologin. Nur weil eine Schwester routinemäßig Blut abnimmt, kommt heraus: Vanessa hat einen extrem hohen Leukozyten-Wert. Die Anzahl der weißen Blutkörperchen liegt ein Vielfaches oberhalb des Normalwertes. Die 26-Jährige muss für weitere Checks in der Klinik bleiben.

Es ist Wochenende. Ärzte halten sich mit Aussagen bedeckt. Marco beruhigt sie: "Schatz, keine Panik, ich bin bei dir." Erst als weitere Untersuchungsergebnisse vorliegen und Vanessa kurz darauf die Station wechseln muss, wird das Unheil greifbar: "Das Erste, was ich dort sah, war eine Frau ohne Haare", sagt Vanessa. "Da wusste ich Bescheid."

Die Diagnose

Es ist eine akute Lymphatische Leukämie, informiert der Oberarzt sie. Ihre Stimme stockt noch heute, wenn sie davon erzählt. "Marco ist unter Tränen zusammengebrochen", fährt sie fort. "Er schrie: Warum du und nicht ich? Es riss ihm den Boden unter den Füßen weg. Und ich war wie gelähmt. Gerade noch hatten wir von unserem bevorstehenden Urlaub auf Bali geträumt und von einer Minute auf die andere musste ich um mein Leben kämpfen." Ihre Überlebenschance: 50 Prozent. Vanessa: "Das ist nicht viel, wenn man erst 26 Jahre alt ist."

Blutkrebs wird oft erst spät erkannt, weil bestimmte Warnzeichen nicht wahrgenommen werden. Lesen Sie, auf welche frühen Symptome von Leukämie zu achten sind.

Die erste Chemo und die Suche nach einem Stammzellenspender beginnt

Alles geht rasend schnell. Eine Gynäkologin fragt das geschockte Paar, ob es noch Kinder möchte. Ob Vanessa Eizellen einfrieren lassen möchte. Doch dafür ist es schon zu spät. Schon am Tag nach der Diagnose machen die Ärzte bei ihr eine erste Knochenmarkpunktion, nur drei Tage später beginnt die Chemotherapie.

Um einen geeigneten Stammzellenspender zu finden, organisieren Marco, die Familien, Kollegen, Freunde und Kommilitonen Typisierungsaktionen. Ende September lassen sich 1700 Menschen in Vanessas Geburtsort Wernigerode registrieren. Eine weitere Aktion läuft an der Medizinischen Hochschule Hannover. Wie durch ein Wunder werden gleich zwei passende Spender gefunden. Am Ende wird es ein 23 Jahre alter Spender aus London. Ein erstes gutes Omen, macht Vanessa sich selbst Mut. Sie kennt und liebt die Stadt, seitdem sie dort ein Praktikum machte.

Nebenwirkungen der Stammzellenspende

Einen Tag vor Heiligabend ist es so weit: "Noch während die Stammzellen in mich hineintropften, sendete ich viele Stoßgebete und Danksagungen zu dem jungen Mann nach Großbritannien", erinnert sich Vanessa. Doch sie ist noch lange nicht über dem Berg.

Lebensgefährliche Abstoßungsreaktionen sind häufig und auch in Vanessas zierlichem Körper tobt ein schmerzvoller Kampf. Sie ist völlig kraftlos, hat starke Gelenkschmerzen, kann vier Wochen lang nichts essen und trinken, erbricht Blut, bekommt durch das viele Kortison ein Mondgesicht.

"Ich war ein körperliches Wrack", erinnert sie sich. "Wäre Marco nicht gewesen..." Sie bricht ab. Er nimmt sie in den Arm. "Du bist die Heldin – nicht ich." Vanessa schüttelt den Kopf. "Du hast mir in all den Wochen und Monaten zur Seite gestanden. Neben deiner Arbeit und der Angst um mich den Haushalt geschmissen. Und als ich endlich wieder essen konnte, hast du meine Lieblingsgerichte gekocht." Marco grinst: "Schnitzel mit Sauce Hollandaise geht immer." Vanessa knufft ihn in die Seite, dann lächelt sie ihn dankbar an: "Das hätte niemand besser gemacht als du, einfach alles."

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So geht es Vanessa heute

Genau ein Jahr ist nun seit der Transplantation vergangen. Vanessa kann noch keine Bäume ausreißen. Aber sie hat ihr Studium wieder aufgenommen, arbeitet weiter als Krankenschwester, in Teilzeit. Die Ärzte raten ihr: "Machen Sie langsam. Sie haben einen Marathon hinter sich." Doch Vanessa sagt: "Worauf warten? Dass es mir wieder schlechter geht? Ich lebe jetzt."

Nächstes Jahr will sie mit Marco nach Südafrika. Sie freut sich, dass ihre Haare wieder wachsen. Die 27-Jährige hofft, dass sie mal wieder so lang werden wie früher. Nur Marco ist das egal: "Kurze Haare stehen dir doch auch super", findet er. Vanessa lächelt. "Ich kann mir einfach keinen besseren Mann wünschen. Ich bin die glücklichste Frau der Welt – weil es Marco gibt: Er ist der Anker in meinem Leben." "Und ich", sagt Marco und drückt die Hand seiner Frau, "bin der glücklichste Mann der Welt – weil du bei mir bist."

Weitere Ratgeber zu Symptomen, Therapie- und Behandlungsformen von verschiedenen Krebserkrankungen sowie Aktuelles aus der Krebs-Forschung finden Sie auch auf unserer umfangreichen Themenseite.

Ihre Spende hilft

Vanessas Erfahrungsbericht beweist: Stammzellenspender retten Leben. Aber auch finanzielle Spenden können die Behandlung und Heilung von Leukämie vorantreiben. Die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung fördert mit Spendengeldern u. a. ein großes Forschungsprojekt, um Komplikationen wie Abstoßungsreaktionen, die auch Vanessa hatte, in den Griff zu bekommen. Wenn Sie spenden wollen:

Registrieren Sie sich als Stammzellenspender beim DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei). Infos dazu finden Sie hier.

Oder unterstützen Sie finanziell die wichtigen Forschungsprojekte zu Leukämie:

Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung

Commerzbank AG München

IBAN: DE96 7008 0000 0319 9666 01.

Dieser Artikel erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 52.

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