27.03.2018

Ein kleines Stück Paradies Kreative Gartenideen: 20 Frauen und ihr Schrebergartenglück

Glückliche Gartenfans: Autorin Jana Henschel (rechts) und Fotografin Ulrike Schacht präsentieren uns in "Garden Girls" kreative Gartenideen zum Nachmachen.

Foto: Ulrike Schacht

Glückliche Gartenfans: Autorin Jana Henschel (rechts) und Fotografin Ulrike Schacht präsentieren uns in "Garden Girls" kreative Gartenideen zum Nachmachen.

BILD der FRAU-Reporterin Jana Henschel hat gemeinsam mit der Fotografin Ulrike Schacht ein Stück Gartenliebe gebastelt. In "Garden Girls" erzählen sie die Geschichte von 20 Frauen, die sich in ihren Gartenlauben ihr eigenes Paradies geschaffen haben. Mit vielseitigen Gartenideen, DIY-Tipps, Rezeptideen und Pflanzanleitungen nehmen sie uns mit auf eine Reise zu wunderschönen Gartenideen zum Wohlfühlen. Einen Vorgeschmack gibt's im Interview.

Ein Buch – 20 Geschichten: Das Buch "Garden Girls" weckt sofort die Lust aufs Buddeln, Gärtnern und Renovieren. Der Geruch von eingekochter Marmelade und selbst gemachtem Rhabarberkuchen steigt einem schon beim bloßen Lesen in die Nase. Im Interview verrät uns Jana Henschel, warum es immer mehr junge Menschen aus der Großstadt in die Kleingartenanlage zieht und inwiefern das Klischee von der spießigen Kleingartenanlage längst überholt ist. Kreative Gartenideen, leckere Rezeptideen und praktische DIY-Tipps inklusive.

Kreative Gartenideen: "Garden Girls" und ihr Traum von der eigenen Laube

bildderfrau.de: Euer Buch "Garden Girls. 20 Frauen und ihr Traum von der eigenen Laube" vereint spannende persönliche Geschichten und kreative Gartenideen mit Einrichtungstipps und Rezeptideen. Wie kam es zu dieser Idee?

Ich habe selbst einen Schrebergarten, und eines Tages fiel mir auf, dass es in unserer und vielen anderen Anlagen einen Generationswechsel gibt: Ältere hören auf, geben ihre Parzelle an die "jungen Wilden" ab – hippe Großstädter, die mit coolen Ideen starten. Sie renovieren die Lauben, bis sie reif für eine Wohnzeitschrift wären. Sie bauen Hochbeete und Palettensofas, pflanzen fast vergessene Gemüsesorten, kochen Kirschmarmelade mit Thymian….

Diese neue Generation Schrebergarten schien mir eine Riesensehnsucht nach Austausch und Inspiration zu zig Themen auf einmal zu haben. Es gab aber kein Buch, das Pflanztipps, Einrichtungsideen und Rezepte vereinte. Also fragte ich die Hamburger Fotografin Ulrike Schacht, ob wir das nicht selbst machen wollen. Sie war gleich Feuer und Flamme – dieser Trend war ihr nämlich auch schon aufgefallen! Also legten wir los.

Warum sind Schrebergärten jetzt eigentlich wieder in – gerade bei jungen Leuten?

Ich glaube, es liegt daran, dass unser Leben eine einzige Hetzerei geworden ist. Wir sind immer gestresster vom Job, hängen ständig am Smartphone, schalten kaum noch ab. Gerade Großstädter kommen immer weniger an die frische Luft, irgendwann bleibt dabei das Gefühl von Sinnhaftigkeit auf der Strecke.

Ein Schrebergarten schenkt uns beides, und er ist schnell zu erreichen. Wenn wir nach Feierabend oder am Wochenende in der Erde wühlen, den ersten eigenen Mangold gießen oder eine Wurst auf den Grill schmeißen, kriegt unser Leben schnell wieder Leichtigkeit. Wir fühlen uns wie im Kurzurlaub, bekommen andere Reize, erleben beim Anbau eigener Nahrung etwas Ursprüngliches. Das erinnert an Kindertage, lässt uns das wahre Leben wieder spüren. Nebenbei lernt man auch noch bodenständige Leute kennen, mit denen wir am Gartenzaun Erfahrungen tauschen können. Das tut der Seele gut. Für mich hat es fast etwas von Dorfleben.

In "Sugar Girls" zeigen Jana Henschel und Ulrike Schacht, wie Frauen ihren Traum vom eigenen Café verwirklicht haben.

"Schrebergärtner sein fühlt sich gar nicht so spießig an"

Für viele gelten Schrebergartenkolonien ja als Inbegriff der deutschen Spießigkeit. Für euer Buch habt ihr Schrebergärten in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz besucht. Mal ehrlich, was ist dran an den Klischees vom Gartenzwerg und der einheitlich gestutzten Hecke?

Naja, Gartenzwerge nutzen unsere jüngeren "Garden Girls" heute tatsächlich maximal noch ironisch als Deko für ihr Kräuterbeet. Aber klar: Vorschriften gibt es wirklich einige in den Kleingartenanlagen: Ein Drittel der Parzelle muss für den Anbau von Obst und Gemüse genutzt werden, Nadelbäume sind streng verboten, die Hecke darf meist nicht höher als 1,10 Meter sein…. Aber ganz ehrlich: Das misst keiner mit dem Zollstock nach. Die meisten Regeln werden in der Praxis recht locker gehalten, Schrebergärtner sein fühlt sich gar nicht so spießig an. Weil Heckeschneiden Spaß macht und weil die verordnete Mittagsruhe nach der Ackerei im Beet meistens allen gleich gut tut.

DIY-Tipps für die eigene Gartenlaube

Die Gartenlauben, die ihr im Buch vorstellt, haben eines gemeinsam. Sie wirken gemütlich und harmonisch. Mit welchen kreativen Gartenideen kann eine Gartenlaube in so eine Oase der Gemütlichkeit verwandelt werden?

Also Farbe ist immer eine gute Idee. Wenn man alte Lauben außen bunt und innen weiß streicht, ergibt das schon mal einen tollen Effekt. Man kann den alten Schrank vom Vorgänger mit Kreidefarbe in skandinavischen Pudertönen überpinseln. Kostet fast nichts, sieht aber aus wie neu. Dazu ein paar bunte Kissen und Vorhänge, schon sieht die Hütte ganz anders aus.

Ganz wichtig: Beim Einrichten nichts in die Laube schleppen, was man zuhause aussortiert. Umgib dich nur mit Dingen, die du magst. Unsere Garden Girls haben sich fast alle vorher ihren Stil überlegt und dann konsequent hübsche Dinge dafür gesucht. Wie Simone, die sich mit Decken, Lichterketten, Kerzen und Wimpelketten ruckzuck eine Bullerbü-Stimmung in ihr Schwedenhäuschen holte. Oder die Architektin Marie, die sich mit natürlichen Materialien, die sie auch im Garten hat, ein harmonisches Häuschen einrichtete.

Mit welchen einfachen Kniffen kann ich meinen Garten im Handumdrehen verschönern?

Viele Garden Girls haben erst mal die geraden Betonwege aufgebrochen und rechteckigen Beeten geschwungene Formen gegeben, sowas lässt den Garten sofort weicher aussehen. Andere zauberten Atmosphäre durch alte Gartenmöbel oder Hängematten hinein. Gut gefallen haben uns die Lichterketten, die an Pfosten mit Betonfüßen am Tisch stehen und abends für Stimmung sorgen.

Man kann sich kleine Gläser mit Blumen und Kerzen in Bäume hängen oder zum Sitzen Outdoor-Teppiche auf die Wiese legen – die ziehen jeden Gast an. Bei Blumen hilft es, alle aus einer Farbskala zu wählen, sowie Höhen und Tiefen zu variieren, weil es ausgewogener aussieht.

Lesen Sie hier, wie Sie Ihren eigenen Kräutergarten erfolgreich anlegen.

Welche einfachen Gartenideen zum selber machen haben dich sofort überzeugt?

Hilfe, wo soll ich anfangen? Es gab so viele tolle DIY-Ideen für den Garten. Ich war gleich verliebt in die Lounge-Sofas aus Europaletten von Gabriele. Oder in Nabilas Sand-Säckchen aus Stoff zum Beschweren der Tischdecke. Ruckzuck bauen kann man den Beistelltisch aus einer Baumscheibe, die Futtertasse für Vögel, den Hängestuhl für den Baum, das Tipi aus Weidenästen und den Torbogen für Kletterkürbisse…

Das kommt auf zukünftige Gartenbesitzer zu

Nach deinen zahlreichen Gesprächen mit den Hobbygärtnerinnen – welche Pflanzen-, Obst- und Gemüsesorten wachsen auch bei Menschen ohne grünen Daumen?

Tierisch viele, keine Sorge. Beim Gemüse kann man gut starten mit Erbsen, Bohnen, Beeren, Kürbis, Salat, Radieschen, Spinat, Rucola, Kohlrabi, Rote Beete und Zucchini. Oder mit Kartoffeln, die muss man aber anhäufeln! Schwieriger sind Tomaten, die brauchen ein Dach über dem Kopf. Was Blumen angeht: Akelei, Vergissmeinnicht, Schneerosen, Lavendel, Kapuzinerkresse und Sonnenblumen oder Cosmeen kommen fast überall super. Und Kräuter wie Zitronenmelisse, Minze und Meerrettich auch.

Ein Rückzugsort in der Natur, mit Gartenlaube und Hängematte, davon träumen sicherlich viele. Doch ein eigener Garten ist auch mit viel Arbeit verbunden. Auf was sollten sich Gartenliebhaber gefasst machen?

Man sollte schon wenigstes alle zwei Wochen mal seinen Rasen mähen, die Beete durchhäkeln und sein Gemüse regelmäßig gießen. Aber das ist eine total schöne Arbeit, weil man sich dabei mit seinem Garten verbindet – und wunderbar abschalten kann.

Hinzu kommt etwas Gemeinschaftsarbeit. Als Vereinsmitglied musst man etwa acht Stunden im Jahr bei der Pflege der Anlage mithelfen, zum Beispiel, indem man Wege harkt. Ich hatte davor immer Respekt, aber mittlerweile finde ich diese zwei Vormittage im Jahr richtig nett. Weil ich dabei jedes Mal andere Gartennachbarn kennenlerne, mit denen man beim Arbeiten Tipps tauscht und danach Würstchen isst. Das bringt ein schönes Gemeinschaftsgefühl.

Auf der folgenden Seite erfahren Sie die besten Tricks, um ihren Traum vom eigenen Garten wahr werden zu lassen ...

 

So kommen Sie an die eigene Gartenparzelle

Die Wartelisten für eine Parzelle im Schrebergarten sind vor allem in Ballungsgebieten oft sehr lang. Wie kann man diesen Prozess beschleunigen?

Viele unserer Garden Girls waren sehr beharrlich, sind immer wieder zum Vorstand ihrer Wunschanlage gefahren und haben nachgefragt, ob etwas frei geworden ist. Es ist auch hilfreich, sich zum Ende einer Gartensaison im November zu bewerben, wenn Verträge auslaufen und andere Bewerber weniger Lust auf Gartenarbeit haben. Was ebenfalls hilft: sich für Grundstücke zu interessieren, die keiner will, wie zwangsgeräumte, verwilderte Gärten, denen man schon ansieht, dass sie viel Arbeit machen. So rutscht man schnell mal in der Warteliste vor.

Welche Alternativen gibt es?

Manche Vereine haben Gemeinschaftsgärten, wo man sich an einem Hochbeet beteiligen kann, bis es mit der eigenen Parzelle klappt. Gemüseliebhaber können sich ein Stück Feld am Stadtrand für den Anbau mieten (z.B. bei meine-ernte.de), mit Nachbarn auf Hinterhöfen, Dächern oder in Baulücken gärtnern, z.B. bei prinzessinnengärten oder einfach auf ihrem Balkon Apfelbäumchen im Topf, Hänge-Erdbeeren in der Blumenampel oder Pflücksalat im Balkonkasten pflegen.

Neuer ist der Trend zum Schrebergarten-Sharing. Dabei teilen Menschen, die ihren Garten aufgrund ihres Alters oder Jobs nicht komplett allein bewirtschaften können, ihre Parzelle mit Paten, die ebenfalls Lust auf ein Stück Grün haben. Kontakte vermitteln zum Beispiel "Datschandia" oder "Gartenpaten".

Zu guter Letzt: Worauf freust du dich jedes Mal am meisten, wenn du in deinen eigenen Garten fährst?

Auf dieses Gefühl, wenn ich die Laube aufschließe, frische Brötchen fürs Frühstück auf den Gartentisch lege und während der Kaffee gluckert erst mal gucken gehe, wie groß die Möhren und der Spinat geworden sind. Das ist jedes Mal ein Gefühl von Freiheit und Kurzurlaub – das genieße ich sehr.

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