19.12.2018

Der kürzeste Tag des Jahres Wintersonnenwende: Ein Heidenspektakel

Die Wintersonnenwende am 21. Dezember beschert uns den kürzesten Tag des Jahres. Danach wird es wieder heller – und das ist schon seit jeher ein Grund für Feierlichkeiten.

Foto: iStock/SrdjanPav

Die Wintersonnenwende am 21. Dezember beschert uns den kürzesten Tag des Jahres. Danach wird es wieder heller – und das ist schon seit jeher ein Grund für Feierlichkeiten.

Die Wintersonnenwende am 21. Dezember ist für viele ein Grund zum Aufatmen: ab diesem Datum werden die Tage Stück für Stück wieder länger. Weltweit wird die längste Nacht des Jahres aber schon seit jeher gefeiert – nicht selten mit mystischen Elementen.

Der 21. Dezember markiert alljährlich den dunkelsten Tag des Jahres auf der Nordhalbkugel der Erde: es ist Wintersonnenwende. Die Sonne ist am tiefsten Punkt ihrer Jahresbahn angelangt – ab diesem Zeitpunkt geht die Sonne jeden Tag wieder ein kleines bisschen früher auf und später unter. Bis zur Sommersonnenwende am 21. Juni, dann dreht sich der Spieß erneut um.

Wintersonnenwende wurde schon vor Urzeiten gefeiert

Für die Menschen der Vorzeit war die Wintersonnenwende ein wichtiger Zeitpunkt – und offenbar schon immer mit mystischen und religiösen Elementen verknüpft. Fakt ist: Schon die Steinzeitmenschen ermittelten den längsten (21.6.) und den kürzesten Tag (21.12.) des Jahres – etwa in Europas ältestem Sonnenobservatorium in Goseck (Region Saale-Unstrut) vor bereits rund 7000 Jahren. Verschieden Funde zeugen von religiösen Handlungen, die ebenfalls dort mit großer Wahrscheinlichkeit ausgeführt wurden.

Auch in Nebra in Sachsen-Anhalt ist ein Relikt aus den Anfängen der Himmelsdarstellung zu finden: die mindestens 3700 Jahre alte Himmelsscheibe auf dem Mittelberg. Neben der Nutzung als Kalender zur Verfolgung des Sonnenjahrs wurde sie vermutlich auch zu religiösen Zwecken verwendet.

Weltweit gibt es etliche weitere Funde, die für Wintersonnenwenden-Zeremonien sprechen: von den Jahrtausende alten Steinkreisen, die vom Sonnenkult der Ur-Germanen zeugen, bis hin zum "Fest der Sonne" der Inka am 21. Juni, der Wintersonnenwende auf der Südhalbkugel.

In Stonehenge feiern Anhänger heidnischer Kulte die Wintersonnenwende

Berühmtestes Beispiel für rituelle Aktivitäten von heute: Stonehenge in Südengland. An dem Monument aus alten Zeiten begehen jedes Jahr Tausende Menschen die Wintersonnenwende, tanzen und singen am mystischen Steinkreis in Südengland. Dabei ist trotz vieler Theorien bis heute nicht geklärt, wozu die bis zu 25 Tonnen schweren, jahrtausendealten Stonehenge-Kolosse ursprünglich gedient haben.

Unter den Besuchern befinden sich "auch Druiden, Barden und andere Angehörige heidnischer Kulte", so Kuratorin Heather Sebire von der Organisation English Heritage gegenüber dem Nachrichtendienst dpa. Und erzählt weiter: "Für manche ist Stonehenge wie eine Kirche." Denn für viele Naturreligionen waren und sind die Sonnenwenden Feiertage, die mit Zeremonien begangen werden. Die Wintersonnenwende gilt dabei schon immer als besonders wichtig, weil sie den kürzesten Tag des Jahres markiert und somit Aussicht auf längere Tage verheißt.

Feierlichkeiten am Tag der Wintersonnenwende

Die längste Nacht des Jahres wird bis heute feierlich begangen – aber nicht überall auf dieselbe Art und Weise. Hier vier Beispiele für Brauchtum zur Wintersonnenwende:

  • In den nordeuropäischen Ländern wird das Julfest gefeiert, eine Kombination aus keltischen, christlichen und Naturbräuchen, aus Wintersonnnenwende und Weihnachten. Es basiert auf dem heidnischen Brauch der Rauchnächte, bei dem die Häuser zwölf Nächte lang ausgeräuchert und dadurch die bösen Geister vertrieben wurden. Heute wird vor allem das wiederkehrende Licht gefeiert.
  • In der evangelischen und anglikanischen Kirche wird der Tag als Thomastag gefeiert. Der Name geht auf einen der zwölf Jünger zurück, der an der Auferstehung Jesu zweifelte – die längste Nacht wurden mit eben diesen Zweifeln des späteren Apostels gleich gesetzt. In manchen Regionen wird bis heute ein Fest am offenen Feuer gefeiert – mitunter mit diesem Brauch: springen Paare über das Feuer, bekunden sie ihre Liebe. Wünschen sie sich Kinder, geben alle Anwesenden nach dem Feuersprung ihren Segen.
  • Das altpersische Yalda-Fest wird in der Nacht der Wintersonnenwende vor allem im Iran begangen. Yalda bedeutet Geburt und bezieht sich auf den Sonnengott Mithra, der am nächsten Tag das Licht der Welt erblickt haben soll, weshalb die Tage wieder länger werden. Und das wird, wie schon in alten Zeiten, im Familienkreis gefeiert. Dabei wird viel gegessen und Verse des berühmten persischen Dichters Hafis vorgetragen.
  • In Peru findet das Inti-Raymi-Fest statt. Das riesige Festival wird schon seit Hunderten von Jahren zu Ehren des Sonnengottes Inti zur Wintersonnenwende veranstaltet, das auf der Südhalbkugel allerdings am 21. Juni gefeiert wird. Heute ist es ein großes Spektakel rund um die Inka-Kultur und deren Bräuche mit Tanz- und Musikshows. Die Einwohner kleiden sich dabei wie ihre Ahnen, Schauplatz sind die Ruinen von Sacsayhuaman bei Cuzco.

Übrigens: Mit der Wintersonnenwende beginnt auch der kalendarische oder astronomische Winter. Dieser ist immer am kürzesten Tag des Jahres, also am 21. oder 22. Dezember. Für die Meteorologen hat der Winter jedoch schon längst mit dem 1. Dezember begonnen – mit dem meteorologischen Winteranfang. Weshalb es hier zeitliche Unterschiede gibt, erklärt der Deutsche Wetterdienst auf seiner Website: "Dies wird gemacht, da für die klimatologischen Auswertungen nur Daten über die einzelnen Monate vorliegen (zum Beispiel Monatsmittel, Monatssummen, Monatsabweichungen, Extremwerte)".

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