12.12.2017 - 15:33

Vom Film auf die Bühne „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“: Märchen trifft Theater

Das Schauspielerensemble der "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel"-Familienshow vor der Premiere in Berlin.

Foto: Redaktion bildderfrau.de

Das Schauspielerensemble der "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel"-Familienshow vor der Premiere in Berlin.

Es ist eines der schönsten Märchen und ein echter Klassiker zur Weihnachtszeit. Jetzt gibt es eine „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“-Familienshow – und die geht auf große Tour durch Deutschland.

„Die Wangen sind mit Asche beschmutzt, aber der Schornsteinfeger ist es nicht…“ – diese berühmten Zeilen gibt es nun live: Mit der „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“-Familienshow kommt eines der beliebtesten Weihnachtsmärchen als Theater-Musical-Produktion auf die Bühne. Wir waren bei der Premiere dabei.

„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“-Familienshow: Theater in der Arena

Mit rund 15 Ausstrahlungen im Jahr ist der deutsch-tschechische Märchenklassiker der wohl meistgezeigte Film zur Weihnachtszeit – und das jedes Jahr aufs Neue. Zahlreiche Fans fiebern mit dem toughen Aschenbrödel, Pferd Nikolaus und Eule Rosalie mit, wenn sie den Prinzen kennenlernen und mit ihrem Charme die Herzen des Hofstaates zum Schmelzen bringen.

Jetzt hat es das Märchen auf die großen Bühnen geschafft. Die als "Familienshow" konzipierte Theater-Musical-Mischung ist nun in Deutschland unterwegs – und wir von bildderfrau.de waren bei der Premiere vor Ort und haben uns ein Bild gemacht. Der erste Eindruck: Das Ganze ist groß aufgezogen – vielleicht sogar schon zu groß. Dennoch gibt es einige Überraschungen in den rund 1,5 von einer Pause unterbrochenen Spielstunden.

Man wollte eine Märchenwelt erschaffen, die die Zuschauer komplett einfängt, heißt es seitens der Initiatoren. Daher soll sich das Geschehen nicht nur auf der Hauptbühne abspielen, sondern auch in den Gängen und mit Einbezug des Publikums. Und sogar echte Pferde sind dabei.

Ein bekanntes Gesicht kehrt zurück

Das Schauspieler-Ensemble zeigte sich uns kurz vor der Show bereits in den sehr liebevoll gestalteten Kostümen. Die Stimmung so kurz vor der Show war zwar angespannt, wie es bei Premieren eben so ist, aber dennoch gelöst – man merkt, dass die Schauspieler um Maria Stepanov als Aschenbrödel und Lukas Janisch als Prinz gut miteinander harmonieren.

Das Highlight für alle Fans des Films ist aber ein ganz bestimmter Auftritt – denn den König mimt niemand anderes als Pavel Trávníček, der damalige Prinz. 40 Jahre später kehrt er in die Geschichte zurück. Er selbst ist begeistert vom Theaterstück und erzählte uns von seiner Überwältigung, als er für die Rolle vorgeschlagen wurde – schon allein, weil der Film und auch er in seiner damaligen Rolle in Deutschland so einen Kultstatus erreicht haben. „Da es schon fast ein halbes Jahrhundert her ist, dass ich als Prinz vor der Kamera stand, also nicht nur eine, sondern schon zwei Generationen, ist es mir eine große Ehre, nun den König spielen zu duerfen. Rolf Hoppe hat seinerzeit den König im Film verkörpert, nun ist es umgekehrt. Ich bin er, und der Prinz ist ein junger Schauspieler, genauso alt wie ich damals, Lukas Jansch.“

Genau der freut sich sichtlich: „Es ist eine großartige Erfahrung und Bereicherung. Ich freue mich, mit einer so prägenden Persönlichkeit auf der Bühne zu stehen und zu lernen.“ Ebenso erging es übrigens seinem großen Vorbild vor 45 Jahren: „Damals war ich Anfang 20 und ein völliger Neuling in der Branche. Ich war aufgeregt, alles erlebte ich mit großer Spannung, zumal ich zum ersten Mal eine Hauptrolle im Film spielte. Die weisen älteren Schauspieler nahmen mich in ihre Obhut, und ich versuche dies ebenso nun mit meinen jungen Kollegen zu machen, als inzwischen alter Hase im Geschäft, 45 Jahre später.“

Pavel Trávníček ist es nun auch, der uns als Zuschauer in die Geschichte einführt, kurz nachdem sich der Saal verdunkelt hat und die Bühne in sanftes Licht getaucht wird. Schnell noch den Königsmantel umgeworfen, und los geht's mit der verzauberten Märchenwelt.

Märchenstimmung auf der Bühne – und teilweise auch im Publikum

Ein bunter, animierter Hintergrund mit wechselnder Kulisse erwartet die Zuschauer. Das laut Autor und Regisseur Axel Poike als Mischung aus Schauspiel und Musical inszenierte Stück wartet mit schnellen Szenenwechseln auf, die immer einen kurzen, aber prägnanten Einblick in das Leben der Charaktere geben. Alle aus dem Film sind sie dabei.

Unterstützt werden die Schauspieler durch eine Sängerin, die vor allem die Szenen mit Aschenbrödel untermalt. Die Originalmusik aus dem Film kommt stellenweise vom Band.

Die Schauspieler verstehen sich, das merkt man auf der Bühne. Pavel Trávníček hat das Ganze in passende Worte gefasst: "Das Miteinander unter den Darstellern ist hervorragend, vor allem kann ich endlich mein Deutsch aufbessern. Wir sind ein tolles Team." Man spürt, wie verbunden sich viele – auch die Zuschauer – mit dem Märchen fühlen, weil es einfach dazugehört zum Weihnachtsfest.

Nah an der Bühne ein Spaß vor allem für Kinder

Besonders aber für die Kinder in der Menge ist das Märchen ein großer Spaß. Stellenweise interagieren die Schauspieler mit dem Publikum und stellen Fragen, die die Kleinen beherzt laut rufend beantworten dürfen.

Das Tolle an der ganzen Sache ist, dass ‚Drei Haselnüsse für Aschenbrödel‘, ein fürs Fernsehen konzipierter Film, tatsächlich auf seine Art auf die Bühne passt. Dass man gleich eine ganze Arenashow daraus gebastelt hat, die sich durch die ganze Halle erstreckt, macht das Erlebnis allerdings etwas schwierig. Je weiter vorne man bei dieser Show sitzt, desto mehr fängt einen die magische Stimmung ein. Weiter hinten hingegen fehlt vor allem die von so weit weg kaum ersichtliche Mimik der Schauspieler – die aber wiederum ihr Bestes geben, ihren Charakteren Leben einzuhauchen. Hervorzuheben sind hier vor allem Birgit Schneider als Stiefmutter und Anna Batarilo als Stiefschwester Dora sowie Winzeck, verkörpert vom fantastischen Klaus Schaefer, die ihre Rollen pointiert zu präsentieren wissen.

Die heimlichen Stars sind aber wohl die Tiere: Pferd Nikolaus sowie zwei weitere Pferde erscheinen immer wieder und werden vor der Bühne übers Parkett geleitet – leider immer nur sehr kurz und am Rande der Geschichte. Auf eine echte Eule Rosalie hat man zwar verzichtet – aber das wäre dann auch zu viel des Guten gewesen. Stattdessen erwartet die Zuschauer eine animierte Fassung sowie eine gefiederte Tanzeinlage.

Winterzeit in warmer Arena

Seit Mai arbeiten die Verantwortlichen an der Show, im Juni stand die erste Fassung, an der bis kurz vor Auftakt noch fleißig gewerkelt wurde. Der hohe Zeitdruck forderte bei der Premiere ein wenig seinen Tribut, aber dennoch hat das Team eine beachtliche Show gezaubert. Mit ein paar besseren Abstimmungen schwappt die Märchenstimmung im Laufe des Stücks, vor allem in der zweiten Hälfte, so richtig zum Publikum herüber. Wir fühlten uns jedenfalls wohl in der winterlichen Märchenwelt.

Denn zum Glück ist es beheizt in der großen Arena. Das winterliche Gefühl kommt beim Stück trotzdem auf. Dass keiner frieren muss, freut vor allem Pavel Trávníček, der damals in Strumpfhosen im hohen Schnee ausharren musste:

„In der Schlusszene des Films reite ich ja auf einem Pferd in die Ferne. Was die Zuschauer nicht sehen, ist, dass ich mitsamt dem Pferd im tiefen Schnee versunken bin. Der Regisseur Václav Vorliček meinte damals: Weiter, Pavel, weiter, und auf einmal waren wir weg, alles war nur noch weiß.“ Ursprünglich war der Dreh für den Sommer geplant. Dennoch war es laut Pavel Trávníček die richtige Entscheidung, ein Wintermärchen daraus zu machen. „Wir Schauspieler sind abgehärtet, außerdem mag ich den Winter gern. Allerdings inzwischen lieber im Anorak als in Strumpfhosen“, fügt er zwinkernd hinzu.

Termine auf Herbst verschoben: Aschenbrödel reitet später weiter

Für wohlig-warme Stimmung mit Winterzauber auf der Bühne sollte eigentlich bis Ende Februar 2018 gesorgt sein. Bis dahin sollte das Ensemble der "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel"-Familienshow insgesamt 16 deutsche Städte besuchen. Aufgrund von Problemen mit einem Hallenvermieter in Stuttgart – man hatte die Miete nicht rechtzeitig gezahlt – müssen nun allerdings erst einmal alle verbleibenden Shows pausieren. Denn man habe die kommende Show immer mit den Einnahmen aus der vorherigen Show finanziert.

Alle bisher gekauften Tickets werden vom Organisator auf Wunsch erstattet. Allerdings soll es ab Herbst 2018 einen neuen Anlauf geben, für den die bisher erworbenen Tickets dann auch gelten sollen.

Die Showadaption des beliebten Märchens ist übrigens die erste Live-Produktion dieser Art des Initiators Icestorm Live. Geplant sind allerdings schon weitere: Unter anderem möchten die Verantwortlichen noch die Geschichte vom kleinen Muck, Väterchen Frost und die Schneekönigin auf die Bühne bringen.

Aschenbrödel versetzt Sie regelmäßig in Weihnachtsstimmung? Noch mehr davon kommt mit unseren Vorschlägen auf der Themenseite Weihnachten auf. Schauen Sie sich um!

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