16.11.2017

Ratgeber Erbrecht Richtig erben und vererben – hilfreiche Tipps

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Mithilfe dieser Tipps werden Sie richtig erben und vererben!

Foto: iStock/Squaredpixels

Mithilfe dieser Tipps werden Sie richtig erben und vererben!

Erbschaften haben in Deutschland einen Höchststand erreicht. Jeder dritte Deutsche hat schon etwas geerbt. Doch immer wieder kommt es auch zu Auseinandersetzungen. Erfahren Sie hier wichtige Tipps, wie ein Testament richtig aufgesetzt wird, um streitfrei zu erben und zu vererben.

Es wird so viel vererbt wie nie: Täglich wird in Deutschland mehr vererbt, als für Lebensmittel ausgegeben wird. Bis 2024 werden die Deutschen 3,1 Billionen Euro hinterlassen – das entspricht etwa 30 Prozent des Gesamtvermögens aller privaten Haushalte! 260 Milliarden Euro werden es im Jahr 2017 sein.

Aber es wird auch erbittert darum gestritten. Bei jeder sechsten Erbschaft gibt es laut einer Allensbach-Studie bei uns Zoff. Die Fachanwälte für Erbrecht, Stephan Konrad aus Bielefeld und Dr. Anton Steiner aus München, erklären, wie man seinen Lieben Ärger und Diskussionen um den Nachlass erspart – erfahren Sie, wie Sie richtig erben und vererben!

Wichtige Tipps fürs richtige Erben und Vererben

  1. Testament: Auf die Form achten – Jedes Einzeltestament muss zwingend (so weit es nicht durch einen Notar aufgesetzt wird) von vorne bis hinten handschriftlich verfasst werden. Ort, Datum und Unterschrift dürfen nicht fehlen. Und: Bei einem gemeinsamen Testament (nur bei Eheleuten möglich und schließt eingetragene Lebenspartnerschaften natürlich ein) schreibt einer das Testament handschriftlich, unterzeichnet mit Ort und Datum und der andere schreibt darunter "Das ist auch mein letzter Wille" und unterzeichnet ebenfalls mit Ort und Datum. Vorsicht! Gemeinsame Testamente sind nicht allein durch einen Partner abänderbar.
  2. Klare, einfache Sprache – So weit man ein Testament selbst erstellt, sollte es nur sehr einfach und möglichst kurz sein. Juristische Fachbegriffe sollten vermieden werden. Begriffe wie z. B. Ersatzerbe, Schlusserbe, Nacherbe werden häufig falsch benutzt und können zu Missverständnissen führen.
  3. Mit den Angehörigen sprechen – Häufig hilft es, wenn man mit denjenigen, die man bedenken will, vorher ein Gespräch führt. Und: Den Nachlass nicht zu detailliert verteilen; niemand weiß, was beim Versterben noch vorhanden ist.
  4. Jeder bekommt etwas ab – Vollständiges Enterben ist nicht immer möglich. Kinder (auch nichteheliche und adoptierte), Ehegatten und Eltern sind pflichtteilsberechtigt. Der Pflichtteil umfasst die Hälfte des gesetzlichen Erbteils – und ist immer ein Geldanspruch. Das kann den Erben, der den Pflichtteil dann zahlen muss, in größte finanzielle Probleme stürzen, wenn zum Beispiel nur eine Immobilie vererbt wird. Beachten Sie das schon im Testament.
  5. Testaments-Vollstrecker suchen – Erben sind manchmal überfordert mit dem Nachlass oder uneinig, was damit passieren soll. Es kann dann sinnvoll sein, einen Testamentsvollstrecker als Mittler einzusetzen. Wichtig: Überlegen Sie sorgfältig, wen man mit dieser Aufgabe betraut. Die Person sollte neutral sein und neben fachlichen Kenntnissen eine gute Mischung aus Durchsetzungs- und Mediationsfähigkeiten mitbringen. Ungünstig ist es, einen Miterben für dieses Amt zu bestimmen.
  6. Hilfe holen – Kompliziertere Testamente unbedingt mit fachlichem Berater erstellen. Selbstversuche führen oft zu Streit und hohen Folgekosten.
  7. Bei Eheverträgen aufpassen – Eheverträge sind nicht nur bei Scheidungen wichtig, sie berühren auch das Erbrecht. Wer zum Beispiel Gütertrennung vereinbart hat, hat erbschaftsteuerliche Nachteile. Eine gute Lösung ist oft die sogenannte modifizierte Zugewinngemeinschaft. Sie bedeutet Gütertrennung bei Scheidung, aber Zugewinngemeinschaft für den Fall des Todes des Erstversterbenden.
  8. Testament sicher aufbewahren – Ein Testament muss gut aufbewahrt werden – entweder beim Nachlassgericht oder bei dem Rechtsanwalt, der das Testament entworfen hat. Und: Alle fünf bis zehn Jahre gehört es auf den Prüfstand: Stimmen die Familienverhältnisse noch? Hat sich beim Vermögen Wesentliches geändert? Wichtig: ein überholtes Testament vernichten oder zumindest ins neue Testament schreiben, dass das alte aufgehoben wird.
  9. Pflegevergütung regeln – Das Gesetz sieht vor, dass ein Kind, welches sich besonders um Vater oder Mutter gekümmert hat, einen größeren Anteil vom Erbe bekommt. Die Einzelheiten sind nicht festgelegt. Gibt es Streit, entscheidet ein Richter. Tipp: Viel besser ist es, bereits selbst im Testament eine Pflegevergütung zu regeln. >> In Deutschland kommt es immer wieder zu Erbschleicherei. Lesen Sie, was Sie dagegen tun können!
  10. Mit warmer Hand schenken – Was zwischen den Kindern zu Lebzeiten verteilt wird, kann später nicht zu einem Erbstreit führen. Beachten Sie die Freibeträge alle 10 Jahre. Aber vergessen Sie nicht die eigene Absicherung, indem Sie sich beispielsweise bei Immobilien ein Wohnrecht vorbehalten.
  11. Erbe ausschlagen – Wer nicht erben will, weil nur Schulden oder eine Schrottimmobilie im Nachlass sind, muss das Erbe ausschlagen – und zwar binnen sechs Wochen. Denn der Erbe haftet mit seinem ganzen Vermögen, nicht nur mit dem Erbe. Stichtag ist das Datum, an dem Sie von dem Erbe erfahren haben, oder – wenn es ein Testament gibt – dessen Eröffnung beim Nachlassgericht. Die Erklärung können Sie dort persönlich oder bei einem Notar abgeben.

Das Thema "Erbe" ist keine einfache Angelegenheit. HIER erfahren Sie mehr über die größten Irrtümer in Sachen Erbschaft.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 44.

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