26.10.2017

Goldener Windbeutel 2018 Foodwatch sucht die dreisteste Werbelüge des Jahres

Auch im Jahr 2018 stehen zur Wahl des Goldenen Windbeutel von Foodwatch wieder fünf Produkte zur Wahl: das "Glacéau Smartwater" von Coca-Cola, das "Bratöl Olive" der Bio-Marke Dennree, der Erbseneintopf von Edekas Eigenmarke "Gut und Günstig", der "Kids Tomato Ketchup" von Heinz und der "Corny Milch"-Riegel von Hersteller Schwartau.

Foto: Foodwatch (2) Collage BILD der FRAU

Auch im Jahr 2018 stehen zur Wahl des Goldenen Windbeutel von Foodwatch wieder fünf Produkte zur Wahl: das "Glacéau Smartwater" von Coca-Cola, das "Bratöl Olive" der Bio-Marke Dennree, der Erbseneintopf von Edekas Eigenmarke "Gut und Günstig", der "Kids Tomato Ketchup" von Heinz und der "Corny Milch"-Riegel von Hersteller Schwartau.

Noch bis Ende November können Sie als Verbraucher abstimmen, welcher Nahrungsmittel-Hersteller in diesem Jahr den Goldenen Windbeutel für dreiste Werbelügen erhalten soll. Fünf Produkte stehen zur Auswahl.

Mit dem Goldenen Windbeutel verleihen die Nahrungsexperten von Foodwatch e.V. zum nunmehr achten Mal die Auszeichnung für die dreisteste Werbelüge im Bereich Essen und Trinken. Fünf Produkte stehen in diesem Jahr wieder zur Wahl, darunter unter anderem ein überteuertes Wasser von Coca-Cola sowie ein Olivenöl, das zur Hälfte aus billigerem Sonnenblumenöl besteht.

Der Goldene Windbeutel als Weckruf an Hersteller und Verbraucher

Bereits seit 2009 verleiht der Verein den Preis an Hersteller, die ihre Produkte mit dreisten Werbelügen anpreisen. Damit möchten die Verantwortlichen gegen Verbrauchertäuschung und irreführende Werbeaussagen angehen, die im Supermarkt nach eigener Aussage "leider eher die Regel als die Ausnahme" sind.

Bis heute gibt es kein Gesetz dagegen – obwohl die Bundesregierung bereits 2011 diesen Fakt als Problem anerkannt und die Initiative "Klarheit und Wahrheit" gestartet hatte. Dennoch finden Hersteller immer wieder Schlupflöcher.

Foodwatch ruft den Schummelmelder für Verbraucher ins Leben

In diesem Jahr gibt es aber zumindest seitens Foodwatch e.V. eine Neuerung. Der Verein hat zur Abstimmung extra die Seite Schummelmelder.de ins Leben gerufen. Hier können Verbraucher zum einen über den Goldenen Windbeutel abstimmen, zum anderen aber auch Bilder von selbst entdeckten Produkten hochladen, die mehr versprechen als sie halten können, um andere darauf aufmerksam zu machen.

"Die Lösung kann nicht sein, dass Verbraucherinnen und Verbraucher lernen, sich im Täuschungs-Dschungel zurechtzufinden – sondern die Hersteller müssen ihre Produkte ehrlich und leicht verständlich kennzeichnen", erklärt Sophie Unger von Foodwatch, Wahlleiterin für den Goldenen Windbeutel. Die Politik müsse mehr für klare gesetzliche Kennzeichnungsvorgaben sorgen. Denn Lebensmittelhersteller können gerade im Bereich der Produkt-Vermarktung viele, viele Schlupflöcher nutzen. "Die alltägliche Verbrauchertäuschung im Supermarkt ist ganz legal. Hier ist die Politik gefragt. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner ist allerdings bisher eher durch einen Kuschelkurs gegenüber der Lebensmittelwirtschaft aufgefallen, als durch klare Kante gegen Schummler und Täuscher."

Noch bis Anfang Dezember können Sie abstimmen

Jetzt sind Sie als Verbraucher gefragt: Ab sofort können Sie abstimmen, welches dieser fünf Produkte den Preis für die "dreisteste Werbelüge des Jahres" verdient hat.

  • Das "Glacéau Smartwater" von Coca-Cola wird angeboten als "Dampf-destilliertes natürliches Mineralwasser für einen puren knackigen Geschmack" und "von Wolken inspiriert". Dazu lässt der Konzern das Wasser in der Verarbeitung erst verdampfen und dann wieder kondensieren. Dann werden Mineralsalze zugefügt. Der Knackpunkt: Die Mineralsalze werden nur zugefügt, weil die ursprünglich im Wasser enthaltenen durch den Verdampfungs- und Kondensationsvorgang verloren gehen. Foodwatch dazu: "ein ernährungsphysiologisch völlig sinnloser Vorgang". Das Wasser ist mit 1,65 Euro pro Liter bis zu siebenmal teurer als vergleichbare stille Wasser.
  • Wer das "Bratöl Olive" von Dennree kauft, erwartet ein reines Olivenöl – spricht der Vertreiber doch auf der Flasche von "reinem Genuss". Bestärkt wird der Eindruck durch das Etikett, das lediglich Oliven abbildet. Ein Blick auf die Zutatenliste aber verrät: Das Öl besteht zur Hälfte aus wesentlich günstigerem Sonnenblumenöl. Damit kann der Hersteller bei den Kosten für die Zutaten sparen. Foodwatch: "Nötig ist das nicht, um Olivenöl fürs Braten zu optimieren: Es gibt auch Bratöle, die zu 100 Prozent aus Olivenöl bestehen." – und damit dank der vielen einfach ungesättigten Fettsäuren viel hochwertiger sind.
  • Der Erbseneintopf von Gut & Günstig, Edekas Eigenmarke, verspricht auf der Dose aufgedruckt die 'Freiheit von geschmacksverstärkenden Zusatzstoffen und Farbstoffen'. Wer aber auf die Zutatenliste schaut, sieht gleich zehn Zusatzstoffe zu den 22 "normalen" Zutaten. Die Crux liegt im Zusatz "geschmacksverstärkend". Soll heißen: Alle Zusatzstoffe, die nicht geschmacksverstärkend wirken, dürfen trotzdem zugesetzt werden. Und dazu auch alle Geschmacksverstärker, die nicht als Zusatzstoff deklariert sind. Durch den marketingwirksamen Aufdruck wird der Verbraucher aber getäuscht, da er ein rein natürliches Produkt erwartet.
  • Heinz bietet seinen "Kids Tomato Ketchup" mit extra buntem Etikett an – und verkauft ihn gleich bis zu 40 Prozent teurer als seinen Tomatenketchup mit 50 Prozent weniger Zucker und Salz. Aber: In den Flaschen befindet sich ein und dasselbe Produkt. Die Zutatenliste fällt komplett gleich aus. Dazu kommt: Zucker wird an dritter Stelle in der Zutatenliste genannt – und ist damit dritthäufigster Bestandteil. Die Weltgesundheitsorganisation aber empfiehlt, dass gezuckerte Ketchups gar nicht an Kinder beworben werden sollten. Eltern wird hier das Geld aus der Tasche gezogen.
  • Der "Corny Milch" Riegel von Schwartau sieht aus wie eine gesunde Zwischenmahlzeit – schon allein, weil er "mit dem Plus an Calcium" sowie "mit wertvollem Getreide" auf der Verpackung solches verspricht. Schauen Sie aber auf die Zutatenliste, entdecken Sie vor allem Fett und Zucker – und die machen zusammen die Hälfte des kompletten Riegels aus: 29,2 Prozent Zucker und 19,1 Prozent Fett. Gesund ist das nicht. Foodwatch dazu: "Das ist mehr als in Schoko-Sahne-Torte". Zudem wird Honig beworben – der aber nur zu fünf Prozent vertreten ist, neben sehr viel mehr Glukosesirup, Glukose-Fruktose-Sirup und Traubenzucker. Schwartau bewirbt den Riegel also als gesundheitsförderlich, obwohl er es gar nicht ist.

Bis Anfang Dezember 2018 können Sie hier Ihre Stimme abgeben. Der Sieger bekommt den Preis dann traditionell am Firmensitz verliehen. Meist geht das Ganze mit einer Aktion daher, mit der Foodwatch auf die Missstände hinweisen möchte.

Zuletzt war der Goldene Windbeutel im Jahre 2017 vergeben worden, vergangenes Jahr ging die Auszeichnung an Alete, wie bereits im Jahr 2014. Der mit dem Goldenen Windbeutel ausgezeichnete "Alete Kinderkeks" wird schon für Säuglinge ab dem 8. Monat zum "Knabbern lernen" beworben, enthält aber zu einem Viertel Zucker. Damit steckt mehr Zucker drin als in normalen Leibniz Butterkeksen. Alete hat den Preis allerdings abgelehnt. In den Vorjahren wurden außerdem unter anderem Ferrero für die Milch-Schnitte und Danone für Actimel ausgezeichnet.

Im Video sehen Sie die Vergabe des Goldenen Windbeutels 2017 an Alete für den Kinderkeks:

Vergabe des Goldenen Windbeutels 2017 an Alete

Bisher hat keiner der Hersteller den Preis angenommen. Oft geben die Hersteller nicht einmal ein Statement zur Nominierung ab. Man darf gespannt sein aufs Ergebnis des Goldenen Windbeutels 2018.

Gesunde Ernährung ist in jedem Lebensalter wichtig. Auch Nahrungsergänzungsmittel können in Maßen unterstützen. Welche davon sinnvoll sind, erfahren Sie auf unserer Themenseite.

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