Aktualisiert: 09.09.2020 - 12:01

Goldener Windbeutel 2020 Dreisteste Werbelüge des Jahres: "Grünländer Käse"

Die dreisteste Werbelüge des Jahres 2020? Die kam laut Foodwatch und 65.000 Wählern von Hochland, bzw. "Grünländer Käse".

Foto: foodwatch/Andi Weiland

Die dreisteste Werbelüge des Jahres 2020? Die kam laut Foodwatch und 65.000 Wählern von Hochland, bzw. "Grünländer Käse".

Alle Jahre wieder ... verleiht der gemeinnütziger Idealverein Foodwatch den "Goldener Windbeutel" für die dreisteste Werbelüge des Jahres. Im Jahr 2020 hat ein beliebter Käse von Hochland diesen unrühmlichen Preis erhalten.

Mit dem Goldenen Windbeutel verleihen die Nahrungsexperten von Foodwatch e.V. zum nunmehr zehnten Mal die Auszeichnung für die dreisteste Werbelüge im Bereich Essen und Trinken. Fünf Produkte standen auch in diesem Jahr wieder zur Wahl – und ziemlich klar gewonnen hat "Grünländer Käse" von Hochland.

Goldener Windbeutel für "Grünländer Käse" von Hochland

Käse, ein Getränk, Milch, Marmelade und ein Proteinriegel wurden im Jahr 2020 zur Wahl gestellt. Laut Foodwatch haben sich mehr als 65.000 Verbraucher im Wahlzeitraum ab dem 13. August an der Umfrage beteiligt – das Ergebnis fiel deutlich aus. Rund 43,5 Prozent der Teilnehmer haben "Grünländer Käse" von Hochland zur dreistesten Werbelüge des Jahres gewählt. Doch: warum überhaupt?

Grund zur Kritik am Produkt gibt der Werbeslogan, der auf das vermeintliche Tierwohl anspielt. Hochland wirbt mit Bezeichnungen wie "Milch von Freilaufkühen" und der "grünen Seele" des angeprangerten Produkts. Auch die als Wiese gestaltete Verpackung wird moniert.

Der Gedanke an "Freilaufkühe" suggeriert glückliche Tiere, die sich frei bewegen können und auf einer Weide grasen. Tatsächlich stehen die Tiere aber – gar nicht so frei, gar nicht so "grün" – in einem Stall. "'Freilaufkühe' ist ein reiner Fantasiebegriff – Hochland täuscht ausgerechnet diejenigen, die bewusst Produkte auswählen, von denen sie sich eine bessere Tierhaltung versprechen", so Manuel Wieland, seines Zeichens Wahlleiter beim Goldenen Windbeutel 2020.

Hochland nimmt den Preis nicht an...

Im Rahmen einer Aktion hat Foodwatch am Dienstag versucht, den Preis im Firmensitz im bayrischen Heimenkirch im Landkreis Lindau zu übergeben. Dabei protestierte eine lebensgroße Käse-Verpackung mit dem Schild "Ich will keine Werbelüge mehr sein!". Wenig verwunderlich: Der Hersteller nahm den Preis nicht an – was allerdings nicht untypisch ist. Bislang hat kein Hersteller diese "Auszeichnung" angenommen. In einer schriftlichen Stellungnahme hieß es, dass man die Kritik "für nicht angemessen" halte.

Foodwatch hat den betroffenen Käse bei der zuständigen Lebensmittelbehörde angezeigt – und dann auch die Behörde aufgefordert, eine solch irreführende Vermarktung wie im Falle "Grünberger Käse" zu untersagen. Denn: Eigentlich verbietet das Lebensmittelrecht solche Täuschungen. Die Behörden sind sogar zum Eingreifen verpflichtet, was allerdings zu selten passiert, so Foodwatch. In diesem Fall ist die Bayrische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen in Kulmbach zuständig. Foodwatch hat angekündigt, eine Klage gegen die Behörde einzureichen, wenn diese nicht bis zum 22. September gegen Hochland tätig wird.

Wie es in dieser Angelegenheit weitergeht, steht also noch in den Sternen...

Goldener Windbeutel 2020: So haben die Produkte insgesamt abgeschnitten

Hochland bzw. "Grünländer Käse" hat sich also den unrühmlichen Titel gesichert. Im Folgenden verraten wir Ihnen natürlich auch noch gerne, wie die anderen Produkte abgeschnitten haben, die zur Wahl standen.

1. Platz: Grünländer Käse von Hochland (28.443 Stimmen, entspricht rund 43,5 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen)

2. Platz: Volvic Bio Rooibos-Tee von Danone Waters (11.527 Stimmen, 17,6 Prozent). Der Grund: der Slogan "für Teeverehrer". Tatsächlich enthält das Getränk nur 0,26 Prozent Roiboos-Tee.

3. Platz: Arla haltbare Bio-Weidemilch (9193 Stimmen, 14 Prozent). Grund: Bewerbung eines Siegels, das 71 Prozent weniger CO2 verspricht. Das betrifft allerdings nicht die Milchproduktion, sondern die Verpackung.

4. Platz: Zentis "50% weniger Zucker" Erdbeere (8709 Stimmen, 13,3 Prozent). Der Grund: Der fehlende Zucker wurde einfach durch Wasser ersetzt – und das bei einem satten Preisaufschlag.

5. Platz: Be-Kind Protein-Riegel Erdnuss von Mars (7584 Stimmen, 11,6 Prozent). Der Grund: Der Riegel wird als gesunder Sport-Snack vermarktet – besteht allerdings zur Hälfte aus Zucker und Fett. Gar nicht gesund!

Der Goldene Windbeutel als Weckruf an Hersteller und Verbraucher

Bereits seit 2009 verleiht der Verein den Preis an Hersteller, die ihre Produkte mit dreisten Werbelügen anpreisen. Damit möchten die Verantwortlichen gegen Verbrauchertäuschung und irreführende Werbeaussagen angehen, die im Supermarkt nach eigener Aussage "leider eher die Regel als die Ausnahme" sind.

Bis heute gibt es kein Gesetz dagegen – obwohl die Bundesregierung bereits 2011 diesen Fakt als Problem anerkannt und die Initiative "Klarheit und Wahrheit" gestartet hatte. Dennoch finden Hersteller immer wieder Schlupflöcher.

Foodwatch ruft den Schummelmelder für Verbraucher ins Leben

2018 hat der Verein zur Abstimmung extra die Seite Schummelmelder.de ins Leben gerufen. Hier können Verbraucher zum einen über den Goldenen Windbeutel abstimmen, zum anderen aber auch Bilder von selbst entdeckten Produkten hochladen, die mehr versprechen als sie halten können, um andere darauf aufmerksam zu machen.

"Die Lösung kann nicht sein, dass Verbraucherinnen und Verbraucher lernen, sich im Täuschungs-Dschungel zurechtzufinden – sondern die Hersteller müssen ihre Produkte ehrlich und leicht verständlich kennzeichnen", erklärt Sophie Unger von Foodwatch, Wahlleiterin für den Goldenen Windbeutel, vor zwei Jahren. Die Politik müsse mehr für klare gesetzliche Kennzeichnungsvorgaben sorgen. Denn Lebensmittelhersteller können gerade im Bereich der Produkt-Vermarktung viele, viele Schlupflöcher nutzen. "Die alltägliche Verbrauchertäuschung im Supermarkt ist ganz legal. Hier ist die Politik gefragt. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner ist allerdings bisher eher durch einen Kuschelkurs gegenüber der Lebensmittelwirtschaft aufgefallen, als durch klare Kante gegen Schummler und Täuscher."

Bei dreisten Werbelügen wie diesen kann sich der Verbraucher durchaus mal betrogen fühlen. Mehr Ratgeber rund um Ihr gutes Recht lesen Sie auch auf unserer Themenseite.

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