17.09.2019

Hauswinkel-, Kräuseljagdspinne Immer mehr Giftspinnen in deutschen Wohnungen anzutreffen

Schädlinge, Parasiten & Co.
Fr, 20.09.2019, 10.14 Uhr

Schädlinge, Parasiten & Co.

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Es wird Herbst – Zeit für Spinnen, es sich in unseren Wohnungen gemütlich zu machen. Auch mehr oder weniger giftige Exemplare sind darunter – wie die Hauswinkel- und die Kräuseljagdspinne...

Herbstzeit, Spinnenzeit: Während es draußen zunehmend kühler wird, vor allem nachts, ziehen sich nicht nur die Menschen wieder gerne in ihre warmen Häuser zurück, sondern mit ihnen auch die ungeliebten Krabbeltiere. Darunter sind in den letzten Jahren immer häufiger auch Giftspinnen wie die Hauswinkelspinne, die deutsche Wohnungen aufsuchen und es sich darin gemütlich machen...

Giftspinnen wie die Hauswinkelspinne in deutschen Wohnungen

Schon seit einigen Jahren sorgt die Hauswinkelspinne (Tegenaria gigantea, Tegenaria atrica) für Aufsehen. Sie ist mittlerweile hierzulande heimisch – und sie liebt die Wärme in unseren Wohnungen. Die Hauswinkelspinne wird inklusive ihrer Beine bis zu zehn Zentimeter groß. Allerdings kommt es nur selten zu Bissen, weil sie mit ihren Kieferklauen nur an wenigen Stellen des menschlichen Körpers die Haut durchdringen kann. Und auch dann ist der Biss zwar nicht gesundheitsgefährdend, wohl aber schmerzhaft.

Der Biss einer Hauswinkelspinne ist in etwa mit dem Stich einer Nadel vergleichbar. Die Spinnen beißen jedoch nur, wenn sie sich bedroht fühlen.

Wer eine Hauswinkelspinne oder andere unliebsame Untermieter bei sich findet, sollte am besten Ruhe bewahren und das Tier in einem Glas oder mithilfe einer Zeitung einfangen.

Zunehmend auch Kräuseljagdspinne bei uns zu finden

Die Hauswinkelspinne ist natürlich nicht die erste und einzige Giftspinne in Deutschland: Eine große Giftspinne aus der Mittelmeerregion breitet sich immer mehr in Deutschland aus – und sie kommt leider auch in unsere Wohnungen. Die Kräuseljagdspinne, im Fachjargon Zoropsis spinimana oder Nosferatu-Spinne genannt, ist groß wie eine Tarantel, auffallend stark behaart und giftig. Ihre Beute fängt sie nicht mit einem Netz – sie zieht in der Nacht umher und erlegt sie mit einem Biss.

In Deutschland wurde die Spinnenart schon am Oberrhein und in München gesichtet – sogar in Hamburg tauchte schon ein Exemplar auf.

Draußen ist es der Kräuseljagdspinne zu kalt

Forscher vermuten, dass die Kräuseljagdspinne durch internationale Transporte in Deutschland eingeschleppt wurde. Sie soll bereits seit gut zehn Jahren in Deutschland auf dem Vormarsch sein.

Wegen der weltweit steigenden Temperaturen träten immer mehr "wärmeliebende Spinnenarten" den Weg Richtung Norden an, schreiben die Forscher der Zoologischen Staatssammlung München. Da es der Spinne draußen hierzulande zu kalt ist, kommt sie mit Beginn der kühleren Jahreszeit in die Häuser und Wohnungen. Sie ist ein sehr guter Kletterer und kann durch ihre Hafthaare an den Füßen auch in obere Stockwerke gelangen.

Mischung aus Vogelspinne und Tarantel

Der Körper der Kräuseljagdspinne erreicht einen Durchmesser von zwei Zentimetern und ihre Beinspanne kann bis zu sechs Zentimeter betragen. Mit ihrem Aussehen erinnert sie an eine Mischung aus Vogelspinne und Tarantel. Die Wirkung ihres Gifts kann Schwellungen und Rötungen wie bei einem Wespenstich hervorrufen – vorausgesetzt, man ist nicht allergisch. Wer gebissen wird, sollte die Stelle kühlen und eine Kartoffel oder Zwiebel auflegen, um das Gift herauszuziehen.

Nur eine wirklich gefährliche Spinne

Derzeit ist in Deutschland nur eine Spinne heimisch, die wirklich Gesundheitsprobleme auslösen kann: der Ammen-Dornfinger. Sie ist die einzige Spinne in Europa, deren Kieferklauen kräftig genug sind, um dem Menschen ihr Gift zu injizieren. Werden Kinder oder empfindliche Erwachsenen gebissen, sollten sie einen Arzt aufsuchen.

Der Schmerz nach dem Biss kann mit einem Wespenstich verglichen werden. Meistens schwillt die Stelle an und tut weh. Der Biss des Ammen-Dornfingers kann aber auch weitere, unangenehme Reaktionen hervorrufen, wie zum Beispiel Schwellungen, Schüttelfrost, Fieber und Erbrechen oder sogar einen anaphylaktischen Schock. Das Positive: Bei Bissen von dieser Spinne gibt es keine Berichte über dauerhafte Schäden oder Todesfälle.

Der Dornfinger kommt im Süden vor und hält sich im Gegensatz zu anderen Artgenossen vor allem draußen auf. Er sitzt und nistet an Wegrändern, Bahndämmen oder Grabenrändern. Die Spinneneier legt das Weibchen in ein Gespinst, das wie ein großer weißer Kokon aussieht und so groß wie ein Hühnerei werden kann.

Immer mehr Giftspinnen in Deutschland

Immer mehr giftige Spinnenarten werden in Deutschland heimlisch. Damit die Tiere erst gar nicht in die Wohnungen kommen, können Sie einige Vorkehrungen treffen. Wir zeigen, was gegen die "Einwanderung" von Spinnen im heimischen Haushalt hilft:

  • Fliegengitter an Fenstern und Türen auch im Herbst hängen lassen
  • Lavendel: Der Duft von Lavendel vertreibt Spinnen. Legen Sie frische Zweige vor Fenster und Türen oder benutzen Sie Lavendelöl.
  • Minz- und Citrusöl oder Essigwasser: Wenn Sie den Geruch von Lavendel nicht mögen, können Sie alternativ Minzöl oder Essigwasser verwenden. Auch Citrusöl soll die Spinnen vertreiben. Die Verwendung ist die Gleiche.
  • Kastanien: Legen Sie eine Hand voll Kastanien auf die Fensterbank, den Boden oder Möbel. Am besten überall dort, wo Sie häufig Spinnen entdecken. Sie sollten die Kastanien davor mit einem Hammer leicht quetschen, damit der Geruch stärker ausströmt. Die Wirkung der Kastanien hält vier Wochen.
  • Bürsten: Bringen Sie die Bürsten so an, dass sie die Lücken unter Haustüren abdichten, so haben es die Krabbeltiere schwerer reinzukommen.
  • Sauberkeit: Eines der effektivsten Mittel gegen Spinnen ist eine saubere Wohnung. Spinnen suchen sich Häuser und Wohnungen in denen Essensreste leicht zu erreichen sind. Wenn Sie ein Putzmittel verwenden, nehmen Sie eines mit Zitronenduft, dieser hat eine abstoßende Wirkung auf Spinnen.

Spinnenexperte Rainer Neumann der Uni Hamburg sagt gegenüber dem "Focus": "Die Wirkung von ätherischen Ölen ist bisher nicht bewiesen. Es ist aber durchaus denkbar, weil Spinnen Duftstoffe wahrnehmen können."

Noch ein Tipp zum Schluss: Wenn es für Sie irgendwie möglich ist, die Spinnen zu fangen und wieder auszusetzen, machen Sie das. Spinnen sind wichtig für das Ökosystem. Sie beseitigen zum Beispiel eine große Menge an Insekten wie lästige Schnaken und Fliegen.

Übrigens: Auch der Eichenprozessionsspinner vermehrt sich dank des Klimawandels immer drastischer. Warum auch er den Menschen gefährlich wird, erfahren Sie im Video:

Warum ist der Eichenprozessionsspinner gerade jetzt gefährlich?

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